Kurt Albert stürzte am Sonntag am Höhenglücksteig in der Hersbrucker Schweiz 18 Meter in die Tiefe und zog sich dabei schwerste Verletzungen zu. Im Krankenhaus in Erlangen kämpften die Ärzte um das Leben des 56-Jährigen. Vergeblich. Am Dienstag um 20:45 ist Kurt Albert seinen Verletzugen erlegen.

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Sonntagvormittag, 26. September, herrliches Herbstwetter in der Hersbrucker Schweiz: Kurt Albert steigt als einer von drei Führern mit einer 17-köpfigen Gruppe in den Höhenglücksteig im Hirschbachtal ein. Gegen 12:00 Uhr mittags dann das Unfassbare: Kurt stürzt aus bislang ungeklärter Ursache im eigentlich leichten ersten Teilabschnitt des Klettersteiges 18 Meter in die Tiefe und bleibt schwer verletzt liegen. Der Rettungshubschrauber Christoph 17 bringt den 56-Jährigen auf die Intensivstation des Krankenhauses in Erlangen, wo Ärzte um sein Leben kämpfen. Vergeblich. Am 28. September um 22:00 Uhr teilen die behandelnden Ärzte des Krankenhauses der Polizei mit, dass Kurt um 20:45 Uhr seinen Verletzungen erlegen ist.

Der Höhenglücksteig gilt als der schönste Klettersteig in einem deutschen Mittelgebirge und ist ein durchaus ernst zu nehmender Klettersteig im Schwierigkeitsgrad D/E. Doch kommen die schwierigen Stellen erst in den hinteren Abschnitten des Steiges und auch diese sind für jemanden wir Kurt natürlich eingentlich ein Spaziergang. Was ist passiert? War Kurt nicht gesichert und ist gestolpert oder weggerutscht? Ist gar eine Sicherung ausgebrochen?

Hinweisschild am Einstieg des Höhenglücksteig. Klicken Sie für eine Großansicht. Bild und nähere Beschreibung des Steiges: www.via-ferrata.de.
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Auch die Polizei in Regensburg rätselt über die Ursachen des tödlichen Sturzes. "Wir haben bislang keine Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden", berichtete ein Polizeisprecher. Man will nun Zeugen befragen, um den genauen Unfallhergang zu rekonstruieren.

Vater des Rotpunkt-Gedankens

Kurt Albert, geboren am 28. Januar 1954 in Nürnberg, begann als 14-Jähriger mit dem Klettern. Mit 17 durchstieg er bereits den Walkerpfeiler an den Grandes Jorasses, ein Jahr später die Eiger-Nordwand. Er gilt als als einer der Väter des Rotpunkt-Gedankens: 1975 fingen er und ein paar Freunde an, den Einstieg aller ohne technischen Hilfsmittel, also frei gekletterten Routen, mit einem roten Farbklecks zu markieren. Viele der Routen, die Kurt und seine Kumpels wie Wolfgang Güllich auf diese Art in der Fränkischen Schweiz erstbesteigen konnten, zählen bis heute zu den schwersten in Deutschland.

Eine kleine Fotogalerie zu Kurt Albert finden Sie hier Auch an den Berg-Giganten Asiens zählt Albert zu den Pionieren des Rotpunkt-Gedankens: 1988 gelang ihm zusammen mit Wolfgang Güllich die erste freie Begehung des "Jugoslawenweges" (VIII+) am Nameless Tower (6242 Meter) im Karakorum. Ursprünglich als Lehrer für Physik und Mathematik angestellt, kehrte er 1986 der Schule den Rücken.

Kurt Albert hat Expeditionen - oft gemeinsam mit Holger Heuber und Stefan Glowacz - zu den entlegensten Bigwalls der Erde gemacht, seit 1995 unter dem Motto "by fair means";: Auch der Weg zu den Kletterfelsen muss ohne Hilfe von Trägern oder Helikoptern überwunden werden.

  • 1977 Erstbegehung "Osterweg" (VIII-), Frankenjura
  • 1981 Erstbegehung "Sautanz" (IX-), Frankenjura
  • 1987 Erster freier Durchstieg der Hasse-Brandler-Route (VIII) an der Großen Zinne, Dolomiten
  • 1987 Erster freier Durchstieg des "Schweizer Weges" (IX-) an der Westlichen Zinne, Dolomiten
  • 1988 Erste Rotpunkt-Begehung des "Jugoslawenwegs" (VIII+) am Nameless Tower, Karakorum
  • 1989 Erstbegehung "Eternal Flame" (IX-, 3 Seillängen technisch, alle anderen rotpunkt) am Nameless Tower, Karakorum
  • 1990 Erstbegehung "Riders on the Storm" (IX) am Paine Zentral Turm, Patagonien
  • 1994 Erstbegehung "Moby Dick" (IX +) am Ulamertorsuaq in Grönland
  • 1995 Erstbegehung "Royal Flush" (IX) am Fitzroy, Patagonien, für Albert "die wichtigste, die ich gemacht habe"
  • 2000 Erstbegehung von "Odyssee 2000" (VIII+) auf Baffin Island, größte Insel des Kanadisch-Arktischen Archipels
  • 2006 Erstbegehung "Fegefeuer" (IX) am Acopan Tepui, Venezuela
  • 2007 Expedition zum Sablija (Rußland - Ural) im August / September
  • 2008 Expedition Castillo/Venezuela "El Nido del TirikTirik" (400m/ SG 7b)
  • 2009 Erstbegehung am Roraima-Tepuis/Venezuela "Hotel Guácharo" (550m/ SG 7a+)
  • Teilnahme an zahlreichen Filmen: (Sportspiegel: "Den Fels im Griff", "Frei wie der Wind", "Fitzcarraldo - der Weg ist das Ziel", "Kurtl goes West",...
  • Veröffentlichungen, Reportagen in Büchern, Magazinen und Diavorträgen.
  • Autor von "Fight Gravity" (Klettern im Frankenjura)
  • "Silbernes Lorbeerblatt" (höchste Sportauszeichnung der Bundesrepublik Deutschland) - 1985.

Kurt lebte in Gasseldorf im Herzen der Fränkischen Schweiz. Die weltweite Klettergemeinde verliert mit Kurt Albert einen ihrer herausragenden Vertreter.

Seine Freunde und Familie verlieren einen wunderbaren und lebensfrohen Menschen.

Ihnen gilt unser aufrichtiges Beileid und Mitgefühl.

www.kurt-albert.de

Eine ausführlichen Würdigung des Lebens und Wirkens Kurt Alberts finden Sie in ALPIN 11/2010 (ab 13. Oktober am Kiosk).

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