Bittet man zehn Passanten in irgendeiner Fußgängerzone dieser Welt, den Namen eines bekannten Bergsteigers zu nennen, der von Reinhold Messner wird am häufigsten fallen. Der streitbare Südtiroler ist ohne Zweifel der berühmteste Bergsteiger unserer Zeit. Ein Titel, den sich der Grenzgänger über die Jahrzehnte hart erarbeitet hat.

Gefragter Mann: Messner auf einer Pressekonferenz nach dem Alleingang auf den Everest. Bild: dpa.
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Messner hat die Grenzen des Alpinismus verschoben. Zuerst als junger Kletterer vor allem in den heimatlichen Dolomiten, in den Siebzigern und frühen achziger Jahren dann an den größten Bergen der Welt. Die Liste seiner Erstbesteigungen und von ihm gesetzten Marksteine reicht locker für zwanzig Bergsteigerleben:

Eröffnung des siebten Grades, erste Überschreitung eines Achttausenders, als erster Mensch ohne Sauerstoff auf dem Mount Everest (Mai 1978 mit Peter Habeler), erste Solobegehung eines Achttausenders (Nanga Parbat, August 1978), erste Achttausender-Doppelüberschreitung (Gasherbrum I und II, 1984), schließlich als erster Mensch auf allen vierzehn Achttausendern der Erde (1986) - um nur einige der wichtigsten Stationen zu nennen.

Selbst für Messnersche Verhältnisse ist der 20. August 1980 ein besonderes Datum, das "i-Tüpfelchen" auf seine bergsteigerischen Glanztaten, wie der heute 70-Jährige später sagte. An diesem Tag gelang es dem Südtiroler zum zweiten Mal den Gipfel des Mount Everest zu erreichen. Wieder ohne künstlichen Sauerstoff und dieses Mal völlig alleine. Eine alpine Glanzleistung, die vor ihm noch niemandem gelungen war.

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Messner wählte für seine Solo-Besteigung die Nordroute zum Gipfel, zuvor hatte er keine Lager eingerichtet. "Allein am Berg. Es gab keine Spur, kein Zelt, kein Fixseil.Ich war am Ende unendlich weit weg von der Sicherheit", erinnert er sich. "Ich hatte ganz oben immerzu Angst, dass meine Spur verweht, war ich doch beim Abstieg auf die Spur angewiesen - sonst hätte ich mich da oben verloren." Fünf Tage dauerte sein Alleingang. "Das ist eine lange Zeit. Im Unterbewusstsein ist das wie ein Monat."

Kein Vergleich zu früher

"1980 war es noch möglich, am Mount Everest Abenteuer zu erleben", sagt Messner weiter. "Wenn Sie heute allein auf den Everest gehen wollen, stolpern Sie überall über Fixseile und Lager – es geht gar nicht mehr. Da bauen die Sherpas eine Art Klettersteig und wenn die Piste fertig ist, führen die Reiseunternehmen die Gruppen zum Gipfel. Es ist anstrengend, es ist gefährlich – aber nicht zu vergleichen mit dem, was es früher war."

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