"Diese Operation ist eine unglaubliche Schande gewesen, man hat den Sinn für das Maß verloren". Derart kritisch äußerte sich Fausto De Stefani, der alle 8000er dieser Erde bestiegen hat, über die Helikopterflüge zur Rettung von Simon Kehrer und Walter Nones. Eine deutsche Gruppe war erfolgreich.

Am Flughafen in Islamabad: Walter Nones (li.) und Simon Kehrer. Bild: dpa.
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Kern der Kritik, die in einigen italienischen Medien aufgegriffen wurde, ist die Frage nach der Notwendigkeit des Einsatzes. "Sie sind aus eigener Kraft (bis auf 5700 Meter) abgestiegen und hätten auch so in das Basislager zurückkehren können", meint die römische Zeitung "La Repubblica". Das Ausmaß der Rettungsaktion kritisiert Linda Cottino, die Chefin der Zeitschrift "Alp: "Dieses ganze Aufgebot beim Rettungseinsatz hatte fast einen militärischen Anstrich. Das sah mir ganz wie eine große Inszenierung für das Publikum aus."

Die Gefahren der Rettung betonte der pakistanische Major Amir Masood, der den Hubschrauber flog, mit dem Kehrer und Nones ins Basislager gelangten, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Islamabad. "Es war eine ziemlich schwierige Mission. Als wir landeten, berührte nur eine Kufe des Hubschraubers den Schnee, und der Rotor war kaum einen Fuß (30 Zentimeter) vom schneebedeckten Abhang auf unserer linken Seite entfernt. Der Schnee wurde aufgewirbelt, was die Sicht auf fast Null verringerte. Aber ich behielt meine Nerven, und dank Allah gelang es uns, die erste Person auszufliegen."

Amir Masood setzte Kehrer ab und flog zurück auf rund 6000 Meter. "Das Wetter begann schlecht zu werden, und zu einem Zeitpunkt schien es, als müsste die Bergung des letzten Bergsteigers bis zum nächsten Tag verschoben werden", sagte der Pilot. "Aber Herrn Walter (Nones) in den feindlichen Bedingungen auf dem Nanga Parbat alleine zu lassen wäre nicht angemessen gewesen. Wir flogen und holten auch ihn heraus. Es ist eine große Freude für mich und meine Kollegen, dass es mir gelang, die beiden Bergsteiger zu retten."

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Der Nanga Parbat vom Basislager aus fotografiert.Bild: wikipedia.de.

Nach Angaben der pakistanischen Flugrettung kostete die Rettung rund 30.000 vielleicht auch 40.000 Euro. Italiens Verbraucherorganisation Codacons sorgt sich darum, dass diese Riesen-Summe dem italienischen Steuerzahler aufgebürdet werden könnte. Dies bestritten römische Behörden. Zwar seien die Kosten zunächst vorgestreckt worden, nun aber werde man das Geld von Nones und Kehrer zurückforden, die ihrerseits ihre Expeditions-Versicherung in Anspruch nehmen dürften.

Die beiden wandten sich am Donnerstag von ihrem Hotel im pakistanischen Gilgit mittels Internet-Videokonferenz an die Öffentlichkeit: "Das waren keine schönen Tage, aber dank unserer Kraft haben wir es geschafft, gesund und sicher ins Basislager zu gelangen", sagte Nones. Zu den näheren Umständen des tödlichen Unfalls Karl Unterkirchers berichtete Kehrer, dass ihr Kamerad im tiefen, weichen Schnee etwa 15 Meter tief in eine Felsspalte gefallen sei. "Dabei ist er mehrmals gegen die Felsen geschlagen. Wir haben ihn fast sofort gefunden, aber wir sahen gleich, dass wir ihm nicht mehr helfen konnten."

"Am nächsten Tag haben wir pausiert, nachgedacht und dann beschlossen den Aufstieg zu versuchen. Dies erschien uns weniger riskant, als 2.000 Meter abzusteigen", sagte Nones im Interview mit dem italienischen Onlinedienst "montagna.tv".

Erinnerungsstätte für den verstorbenen Karl Unterkircher: Simon Kehrer und Walter Nones im Basislager des Nanga Parbat. Bild: montagna.tv.

Den Tag der Rettung schilderte Nones so: "Als wir sahen, dass sich das Wetter ändert, die Sonne scheint, sind wir wie zwei Verrückte mit unseren Skiern abgefahren, um so schnell wie möglich das Basislager zu erreichen. Der Hubschrauber hat auf 5.500 Meter gewartet und uns sofort aufgenommen. Unser Ziel war es dann, Karl noch heute zu bergen. Doch das war nicht mehr möglich."

Agostino da Polenza, der von Italien aus die Rettungsaktion koordiniert hatte, zu Folge, wird Unterkirchers Leiche am Berg bleiben: "Wir müssten andere Leben riskieren, um ihn zu bergen und das ist unmöglich. Ich bin sicher, dass auch Karl es so gewollt hätte."

Stattdessen improvisierte man im Basislager eine kleine Gedenkfeier zu Ehren Unterkirchers. Nones und Kehrer ritzten den Namen des Verstorbenen in einen Stahlteller und ließen diesen an der Hermann-Buhl-Gedenktafel zurück. "Der Verlust des Freundes wiegt schwer. In mir bleibt eine Leere zurück", so Nones.

Nones und Kehrer konnten gerettet werden. Was den am Nanga Parbat vermissten Iraner betrifft, so muss wohl alle Hoffnung aufgegeben werden, zu lange ist er bereits verschollen.

Alix von Melle, zweite Deutsche am Nanga Parbat.

Alix von Melle und Luis Stitzinger waren fast zeitgleich mit einer Expedition des DAV Summit Club über die Kinshofer-Route am Nanga Parbat erfolgreich (alpin.de berichtete: Luis Stitzinger: Erfolg am Nanga Parbat ). Stitzinger ist danach noch den Mazenograt geklettert und mit Ski die Diamirflanke abgefahren. Für Alix war es der zweite 8000er und sie war die zweite Deutsche überhaupt, die am Nanga Parbat erfolgreich war. Sie berichtet: "Die Iraner haben wir im Basislager noch kennen gelernt, Luis war an dem Tag noch im BC, als die Gruppe ihren Gipfelgang gemacht hat und hat den Auf-/Abstieg mit dem Fernglas beobachtet. Saman ist noch immer verschollen und leider sicher nicht mehr am Leben."

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