Anna Stöhr gelang mit ihrem Freund Kilian Fischhuber die "ground up" - Begehung der Route (8a+/ 10-) im französischen Aiglun. Hier erzählt sie, was sie so an "Ali Baba" fasziniert.

Für mich ist "Ali Baba" etwas ganz Besonderes, denn diese Route zu klettern war eine große Herausforderung. Ich habe noch nie so eine schwere Mehrseillängenroute gemacht. Ich habe einen Prozess durchlaufen: 

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Hat "Ali Baba" fest im Blick: Anna Stöhr

| © Salewa / Storyteller Labs

Als ich im April zum ersten Mal die "Ali Baba" versuchte, war ich beeindruckt von der Steilheit, der Höhe und von den weiten Abständen zwischen den Bohrhaken (obwohl die Tour eigentlich gut abgesichert ist). Ich weiß, es ist bei weitem nicht die schwerste Mehrseillängenroute der Welt, aber für mich war es eine riesige Herausforderung.

In der ersten Seillänge.

| © Salewa / Storyteller Labs
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Warum habe ich nicht aufgegeben? Ich wollte wissen, ob ich mich auf das Klettern konzentrieren und mich trotz der Ausgesetztheit wie gewohnt sicher beim Klettern bewegen kann. Ich war gespannt, ob ich an einem Tag genug Ausdauer für alle acht Seillängen habe. Und ich war begeistert von jeder einzelnen Seillänge und so entschied ich, einfach drauflos zu klettern. Ich wollte meine Grenze einfach einmal ausloten.

Ab durchs Grünzeug.

| © Salewa / Storyteller Labs

Während ich versuchte, die Bewegungsabläufe herauszufinden, dachte ich eigentlich nicht, dass ich die schweren Moves schlussendlich zusammenhängen kann. Dieses Gefühl änderte sich, als ich konzentriert probierte. Wie durch ein Wunder vergaß ich beim Klettern die Ausgesetztheit, Höhe und die Steilheit der Route und konnte die Konzentration auf die Bewegung fokussieren, was sich großartig anfühlte! 

Unterm Dach: Anna Stöhr.

| © Salewa / Storyteller Labs

Bei meinem ersten Versuch bin ich bis bis zur fünften Seillänge geklettert. Dort bin ich an der oberen Crux gestürzt und musste deshalb erneut antreten. In der sechsten Seillänge wurde mir klar, dass ich mir die Züge nicht gut genug gemerkt hatte. Deshalb habe ich versucht, mich für den folgenden Versuch an jedes einzelne Detail in den Seillängen sechs und sieben zu erinnern.

Luftige Angelegenheit: "Ali Baba".

| © Salewa / Storyteller Labs

Bei meinem nächsten Versuch am 18. September bin ich bereits in der zweiten Seillänge zu ersten mal gestürzt. Beim zweiten Antritt habe ich versucht, einen kühlen Kopf zu bewahren. Als ich am Ende der sechsten Seillänge einen sehr weiten Sturz fabrizierte, wusste ich, dass ich mich bei meinem nächsten Versuch extrem anstrengen musste. 

Atemberaubende Tiefblicke garantiert.

| © Salewa / Storyteller Labs

Das Wetter sollte um 17 Uhr schlecht werden, somit war auch der Zeitdruck da. Als ich ganz am Ende von der siebten Seillänge fiel, wollte ich schon fast aufgeben. Kilian überredete mich, eine längere Pause einzulegen und es noch einmal zu versuchen.

Bei Anna Stöhr kommt Freude auf.

| © Salewa / Storyteller Labs

Das Wetter hat sich zum Glück etwas gebessert. Als ich meine Schuhe wieder schnürte, wusste ich, dass ich alles geben musste, um eine Chance an dieser Route zu haben. Irgendwie schaffte ich es mich auf die nächsten Bewegungen zu konzentrieren – ich dachte nicht über Erfolg, Misserfolg oder irgendetwas anderes nach. 

Ich bin einfach bis zum Standplatz geklettert. Ich brauchte 10 Stunden, um die "Ali Baba" komplett rotpunkt zu klettern, endlich ganz am Ende der Route konnte ich gar nicht aufhören zu lächeln.

Text von Anna Stöhr

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