Der "Schöpfer" einer der bekanntesten Alpenüberquerungen ist tot.

Nein, am Berg ist Ludwig Graßler nicht geboren. Sondern in Amberg. Der Mariahilfberg, Hausberg der Stadt in der Oberpfalz, liegt gerade mal 529 Meter über dem Meeresspiegel. Nicht unbedingt ein Ort, dessen Söhnen und Töchtern die Liebe zu den Bergen bereits in die Wiege gelegt wird.

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Doch ein Erzieher des 1925 geborenen Ludwig schwärmte seinem Zögling derart von der Schönheit der Berge vor, dass dieser sich als junger Bursche mit dem Fahrrad kurzerhand in Richtung der über 250 Kilometer entfernten Benediktenwand in den bayerischen Alpen aufmachte. Seitdem war Graßler den Bergen verfallen.

Anfang der 1960er Jahre kam Graßler aus beruflichen Gründen nach Wolfratshausen in Oberbayern, wo er seinen Bergen nun endlich auch geograpisch sehr nahe war.

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Bei seinen vielen Touren, die er von seinem neuen Basislager aus in den Alpen unternahm, erwachte in ihm der Wunsch, dieses gewaltige Gebirge einmal von Nord nach Süd zu überqueren. Er begann, mögliche Routen auszutüfteln und versuchte es - ohne Erfolg - 1972 erstmals. 

1974 dann gelang es ihm - damals natürlich noch ohne GPS und mit heutigem Standard vergleichbarem Kartenmaterial -, vom Münchner Marienplatz aus in 28 Tagesetappen den Markusplatz in Venedig zu erreichen.

Eine Reportage zur Alpenüberquerung München - Venedig findet Ihr hier. Hier die Bildergalerie aus unserer Reportage:

1977 gab Graßler dann das Buch "Zu Fuß über die Alpen" heraus. Viele tausend Bergwanderinnen und Bergwanderer wandelten seitdem in Graßlers Spuren. Die 550 Kilometer lange Graßler-Route - bekannt auch als "Traumpfad München - Venedig" - ist bis heute für viele trotz zahlreicher weiterer seitdem "erfundenen" Überquerungsrouten DIE Alpenüberquerung schlechthin.

Auf dem Marienplatz: Ludwig Graßler verabschiedet am 08.08. 2014  München-Venedig-Wanderer.

| © Rabea Zühlke

Starten kann man die 20.000 Höhenmeter umfassende und bis auf fast 3.000 Meter führende Tour, sobald sich der Winter aus den Bergen zurückgezogen hat. Ein Termin ist jedoch besonders populär: Für einen gemeinsamen Start treffen sich jedes Jahr am 08.08. um 08:08 Uhr Wanderer aus ganz Deutschland auf dem Marienplatz, um die erste Etappe gemeinsam in Angriff zu nehmen. Einige von ihnen gehen nur ein paar Tage mit, andere die ganzen 28 Tage bis zum Markusplatz.

Oft war Ludwig Graßler, der selbst den Weg fünf Mal beging, dabei, um "seine" Wanderer zu verabschieden. 2020 wird er dies nicht mehr tun. 

Denn der "Erfinder" des Traumpfades München - Venedig verstarb am 22. August. 

Trauranzeige für Ludwig Graßler in der "Amberger Zeitung".

"Viele Wege führen zu Gott, einer davon über die Berge" und "Ich bin zu meiner letzten Wanderung aufgebrochen", steht in der Traueranzeige, die Angehörige und Freunde in Graßlers Heimatblatt, der "Amberger Zeitung", geschaltet haben.

Die Urnenbeisetzung findet am 17. September am Halleranger in Tirol statt. 

Luwig Graßler wird in seinen geliebten Bergen zur Ruhe kommen.

Text von Holger Rupprecht

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1 Kommentar

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Opa Jupp auf Facebook

Bin den Traumpfad auch gegangen. War ein einzigartiges Erlebnis für mich. Danke Ludwig