Als Vorbereitung auf ihre erste Transalp haben Miriam und Lukas nicht nur Packlisten geschrieben und Routenplanung betrieben, sondern auch einige Testtouren gemacht. Unter anderem in den wunderschönen Dolomiten…

Wir, mein Freund Lukas und ich, haben das wunderbare Wetter Ende Juni genutzt, um eine mehrtägige Wanderung zu unternehmen. Das Ziel war es, unter realen Bedingungen für die Alpenüberquerung zu trainieren und herauszufinden, ob unsere Planung bezüglich Ausrüstung, Strecke etc. ungefähr aufgeht. Wir haben alles dabei, was wir auf unsere Überquerung mitnehmen würden.

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Am Morgen starten wir also zuhause und fahren mit dem Auto gen Süden. Nach Italien! Das Wetter daheim steht dem unseres Ziels zwar ausnahmsweise in Nichts nach - es hat um die 30 Grad und strahlend blauen Himmel - aber die felsigen Türme und die einzigartige Landschaft der Dolomiten sind einfach etwas ganz Besonderes. Nach einem letzten Zwischenstopp und Mittagessen am Rifugio Passo Valparola parken wir das Auto an der Talstation der Lagazuoi Seilbahn.

Das Training für die Alpenüberquerung kann starten.

| © Miriam Mayer

Von hier gehts los. Unser heutiges Ziel: das Rifugio Croda da Lago. Die Wanderung an diesem Tag würde einer eher leichten Etappe auf unserer Transalp-Tour entsprechen mit einer Distanz von ungefähr 11,5 Kilometern und insgesamt ca. 1450 Höhenmetern. Vorerst geht es leicht bergab vorbei am Lago Bain de Dones bis zur Talstation der Cinque Torri Seilbahn, von wo aus der erste Anstieg beginnt. 

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Kurz unterhalb des Rifugio Cinque Torri wenden wir den fünf Türmen allerdings den Rücken zu und beginnen den Abstieg ins Tal bis wir dort eine Straße kreuzen müssen (genau an der Bushaltestelle Pian del Pantan). Der letzte Anstieg des Tages startet hier und wir erreichen nach ca. viereinhalb Stunden Gehzeit die Hütte, gerade noch rechtzeitig fürs Abendessen. Für die Fotografen: Wer noch Sonnenlicht an dem hübschen Lago Fedéra haben möchte, sollte deutlich früher losgehen!

Die Bleibe für die Nacht wird aufgebaut.

| © Miriam Mayer

Im Gegensatz zu unserer letzten Trainigstour ins Rofan ist es dieses Mal sogar abends noch angenehm warm und wir entscheiden uns dafür, noch am Abend weiter zu ziehen zur anderen Seite des kleinen Hochtals, um dort unser Zelt aufzuschlagen. Die Sonne ist bereits untergegangen und der Ausblick von unserem Zeltplatz in der Dämmerung spektakulär.

Nun kennen manche vielleicht die allgemeine Fotografenkrankheit: Mit dem letzten Licht ins Bett und mit dem ersten wieder aufstehen! Um 4:50 Uhr lassen wir uns wecken, um das ganz besondere Licht vor dem Sonnenaufgang einzufangen. Wir sind ganz allein, nur eine kleine Gruppe Rehe in der Ferne und ein paar verschlafene Murmeltiere erleben die ersten Sonnenstrahlen mit uns. Als es beginnt, langsam wieder warm zu werden, ist unser Zelt bereits wieder abgebaut und wir brechen auf ohne Spuren zu hinterlassen.

An unserem zweiten Tag wollen wir das Rifugio Sonino al Coldai erreichen, es gehört zum Massiv der Civetta, liegt am nordöstlichen Ende davon und rund 1100 Meter niedriger als der felsige Gipfel auf 2135 Metern.

Hier findet ihr die Fotogalerie mit Bildern Transalp-Training:

Die Strecke beträgt heute gute 15 Kilometer mit ca. 1000 hm aufwärts und 1150 hm abwärts. Die Tagestour beginnt mit einem sehr langen Abstieg durch saftige Frauenmantelwiesen, mit vielen verschiedenen bunt blühenden Wildblumen, wie Geum und Knabenkraut. Der wilde Rittersporn hat die ersten Knospenansätze und wir steigen ab entlang eines gemütlich vor sich hin plätschernden Schmelzwasserbachs immer mit Blick auf die mächtige Civetta, für Naturliebhaber ein wahres Paradies. 

Der niedrigste Punkt ist kurz vor Mittag erreicht an der Via Santa Fosca etwas östlich von Pescul. So lieblich der Abstieg war, so anstrengend beginnt der erste Anstieg des Tages. Es geht steil bergauf durch den Wald auf einem eher ungepflegten Weg. Hier treffen wir heute das erste Mal auf Menschen, zwei e-Biker, die uns verständnislos anschauen, als wir mit unserem Transalp-Trainingsgepäck auf dem Rücken in der Hitze an ihnen vorbei keuchen. Es ist heiß und wir erreichen nach einer Stunde das Ende des ersten Anstieges auf einer sonnigen Wiese und der Blick auf das Ziel wird wieder frei. Wir entschließen uns noch kurz eine Pause im Schatten zu machen, bevor wir die Wiese in der Mittagssonne überqueren und unseren Weg fortsetzen wollen. 

Die Pause ist wirklich sehr kurz, ein paar Minuten sitzen wir da, als die Kuhglocken aus der Ferne immer lauter werden. Bis wir eilig unsere Rucksäcke wieder geschultert haben, sind wir umringt von einer neugierigen Kuhherde und wir suchen langsam das Weite. Von der Wiese aus geht es wieder bergab. Wir können nicht direkt auf unser Ziel zu laufen, sondern machen abwärts gehend einen großen Bogen Richtung Osten, bevor wir dann den zweiten von drei Anstiegen an diesem Tag beginnen. Wir bewegen uns bequem auf breiten Forststraßen in der Sonne unter den Gondeln und Sesselliften des Skigebiets. Nach einer letzten kleinen Senke beginnt der Wanderweg zur Hütte, der sich in Serpentinen noch ca 250 Höhenmeter lang den Berg hinauf schlängelt.

Wir erreichen das Ziel gegen vier und die Sonne strahlt noch heiß vom Himmel. Das erste Radler ist bekanntlich das beste und wir genießen es eine Stunde lang, das Gewicht des Rucksacks nicht mehr auf den Schultern zu spüren und rechtschaffend müde in der Sonne zu sitzen. Bevor es in der Hütte Abendessen gibt, laufen wir noch das Stück bis zum Lago Coldai, dessen Ufer noch von ein paar hartnäckigen Schneeresten gesäumt wird. Während ich mir in der Sonne den Wind um die Nase wehen lasse, erkundet Lukas begeistert das Gelände und sucht nach einem passenden Zeltplatz für die Nacht. Dorthin kehren wir gegen acht Uhr zurück und bauen noch in der Sonne auf einer Anhöhe ein paar Meter oberhalb des zum See führenden Weges das Zelt auf.

Himmlische Ruhe zu früher Stunde.

| © Miriam Mayer

An dieser Stelle möchte ich kurz einhaken. Mit Sicherheit wundern oder sogar ärgern sich bereits einige, warum wir in den Bergen zelten, wo dies doch eigentlich verboten ist. Für unsere Transalp ist das Zelt ein wichtiger Ausstattungsbestandteil, der uns in unerwarteten Situationen oder Notfällen sehr nützlich sein kann, falls wir aus irgendwelchen Gründen die nächste Hütte nicht rechtzeitig erreichen. Daher haben wir beschlossen, bei dieser Tour auch das Zelt zu testen. Wir achten bei der Wahl unseres Zeltplatzes immer darauf, die Natur nicht zu stören. Es gibt keine offene Feuerstelle und wir lassen keinen Abfall zurück. Es versteht sich von selbst, dass man keinerlei Spuren am Zeltplatz hinterlässt, sich ruhig verhält und nicht länger als für eine Übernachtung notwendig an einem Ort verweilt.

© Miriam Mayer

Und auch diese Nacht ist kurz, aber das frühe Aufstehen wird belohnt. Die Spitzen der umliegenden Berge brechen durch den Nebel und der sanft rosa gefärbte Himmel taucht die Welt in ein ganz besonderes Licht. Wir warten noch den Sonnenaufgang ab, bevor wir rasch zusammenpacken und die letzte Etappe unserer Wanderung beginnen.

An diesem Tag geht es nur bergab und zwar sehr steil: 1300 Höhenmeter auf einer Strecke von knapp fünf Kilometer nach Alleghe im Nordwesten der Civetta. Erst läuft man parallel zum Berg in Richtung des Rifugio Tissi, doch bevor man zur Hütte aufsteigt, biegt ein schmaler Pfad talwärts ab. Und ab hier wird es wirklich anstrengend. Trittsicherheit ist gefragt auf dem Weg, der meist durch groben Kies oder Erde sehr rutschig ist. Immer wieder muss man sich an Drahtseilen einhalten und rückwärts ein paar Meter hinunter klettern oder eisige Schmelzwasserflüsse durchqueren. 

Trotz allem ist die Natur hier atemberaubend schön. Hinter uns ragen die felsigen Wände der Civetta in die Höhe, während sich um uns herum die Vegetantion immer wieder verändert. Aus den kargen Moosen am Anfang werden hüfthohe Büsche, die gerade die ersten Blätter austreiben, geprägt vom langen Winter. Etwas weiter unten wandert man bereits durch ein wildes Dickicht aus Kiefern, hohen saftigen Gräsern und allerlei wilden Blumen, unter anderem Frauenschuh und Alpenrebe. Rauschend stürzen kleine Wasserfälle ins Tal und an manchen Stellen sind die Felswände von leuchtend grünem Moos überwachsen und triefend nass. Mit schmerzenden Knien erreichen wir, später als gedacht, den kleinen Ort Alleghe an dem gleichnamigen türkisen See, ohne einen einzigen Menschen auf dem Weg getroffen zu haben. Aber hier unten herrscht reger Betrieb.

Tatsächlich trennen uns nur 24 Kilometer Passstraße von unserem Auto und weil wir den einzigen direkten Bus dorthin wegen des schwierigen Abstieges um 20 Minuten verpasst haben, gönnen wir uns noch ein Eis, bevor wir per Anhalter mit einem sehr freundlichen Mailänder die kurvige Straße hinauf zur Lagazuoi Seilbahn zurück fahren.

Was ziehen wir nun aus einer Tour wie dieser? Es war definitiv gut, mal mehrere Tage mit dem Gewicht des schweren Rucksacks zu wandern, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sehr es die Kondition beeinflusst. Tatsächlich macht es wirklich einen großen Unterschied, mit wieviel Gepäck man reist. Nicht nur Rücken und Beine sind stark beansprucht, sondern auch die Füße, die vor allem in schwierigerem Gelände das Gewicht ausbalancieren müssen. Eine persönliche wichtige Erfahrung, die ich gemacht habe, ist, dass mit der Erschöpfung sich auch das Temperaturempfinden verändert: ich neige nach einem langen, anstrengenden Tag dazu, viel leichter zu frieren. Also, der Extra-Pulli muss mit! 

Außerdem haben wir all unser Equipment getestet und benutzt, so wie es auf der Alpenüberquerung auch wäre. Wir haben den Jetboil benutzt, um unterwegs Schmelzwasser abzukochen oder ein Instantgericht zuzubereiten. Das Zelt samt Isomatten, Schlafsäcke und Stirnlampen kamen zum Einsatz. Schuhe, Stöcke, Rucksack und die Funktionskleidung haben den Langzeittest bestanden. Das einzige was nicht zum Einsatz gekommen ist, ist die Regenausstattung. Aber darüber waren wir gar nicht so traurig….

Auf Instagram postet Miriam immer wieder Bilder von diversen Bergabenteuern: 

Text von Miriam Mayer

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