Am 15. Februar 1969 wurde der Verband Deutscher Berg- und Skiführer im Münchner Gasthof "Zum Spöckmeier" gegründet.

Wer sich für die Geschichte des Bergführerwesens in den Alpen interessiert, muss weit zurückblicken. Anfang des 19. Jahrhunderts waren es Wildschützen, Gamsjäger oder geländetaugliche Kristallsucher, die vereinzelt als Bergexperten gefragt waren und abenteuerlustige, meist ausländische Kunden auf die Alpengipfel führten. 

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Bis sich in Deutschland eine staatlich anerkannte Berufsinnung, der Verband Deutscher Berg- und Skiführer (VDBS) etablierte, vergingen gut 150 Jahre. Als Jacques Balmat 1786 die Erstbesteigung des Montblanc gelingt, ist er gerade 26 Jahre alt. Der abenteuerlustige Strahler und Gamsjäger aus Chamonix führt im Folgejahr den 47-jährigen Genfer Physiker Horace-Bénédict Saussure auf den höchsten Alpengipfel. 

Anderl Heckmair prägte die Anfänge des Bergführer-Wesens in Deutschland wesentlich mit.

| © Archiv Hermann Huber

Mit dabei: ein Diener und 18 einheimische Träger. Schließlich mussten die schwere Ausrüstung, Zelte, Messinstrumente, Behälter für Schnee- und Gesteinsproben und ein Arbeitstisch mit auf den Berg. Für die erfolgreiche Gipfel-Exkursion erhält Jacques Balmat erstmals eine Prämie, womit streng genommen im Jahr 1787 der Beruf des Bergführers geboren war.

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In den Folgejahren setzt ein wahrer Ansturm (weitere folgen nach dem 1. und 2. Weltkrieg) auf die Alpengipfel ein – der Bergtourismus erfährt einen Aufschwung. Seinerzeit buchen abenteuerlustige Briten häufig Einheimische als Bergbegleiter. Ortskundige bzw. geländetaugliche Wildschützen und Jäger sind plötzlich in einer neuen Rolle gefragt.

In Deutschland ist es Georg Deuschl aus Partenkirchen, der im Jahre1820 den Vermessungsingenieur Leutnant Josef Naus als Kunden erstmals gegen ein Honorar von 2 Gulden und 42 Kreuzern auf die Zugspitze führt. 

Damals mussten Bergführer keine Prüfung ablegen, sie wurden als Alpinexperten von der jeweiligen Gemeinde vorgeschlagen, anerkannt und als Bergführer autorisiert. Das ändert sich mit der Gründung der Alpenvereine. 

1862 wird in Wien der OeAV, 1869 in München der DAV gegründet. Die beiden Verbände verschmelzen 1873 zum Deutschen und Österreichischen Alpenverein (DuOeAV) mit dem Ziel, die touristische Erschließung der Ostalpen und die praktische Arbeit im Gebirge zu fördern.

Man bildet einheitlich Berg-, und ab 1902 auch Skiführer aus, die vom jeweiligen Landratsamt offiziell autorisiert werden, errichtet Hütten bzw. Wege und kartografiert die Alpen. Außerdem wird eine sogenannte Führerunterstützungskasse, eine Art Renten- und Berufsunfähigkeitsversicherung für Berg- und Skiführer, ins Leben gerufen. 

1945 wird der OeAV erneut gegründet, 1952 der DAV. Seither ist man wieder getrennt. In den 1930er Jahren sind viele bekannte Bergsteiger in Deutschland aktiv, die später zu den Gründungsvätern des VDBS gehören sollten: Die Münchner Ludwig "Wiggerl" Gramminger, Andreas "Anderl" Heckmair, Otto Eidenschink und Rudolf "Rudl" Peters etwa zählen längst zu den besten Alpinisten Mitteleuropas und sind als Experten auch entsprechend häufig als Bergführer bzw. Bergretter gefragt. 

Bergretter mit Leib und Seele: Ludwig "Wiggerl" Gramminger erfand den Gramminger-Sitz.

| © Archiv Hermann Huber

Kurios und bis heute einzigartig: Wiggerl Gramminger bildete seit 1948 Bergführer für den DAV aus, trat selbst allerdings erst 1959 zur Prüfung an, die er freilich anstandslos bestand!

Spannend wie ein Krimi liest sich auch die Historie ab 1952, die hier verkürzt dargestellt wird. Beim "Ersten Allgäuer Bergführertag nach dem Krieg" regt Anderl Heckmair erstmals die Gründung eines eigenen Bergführerverbands an und wird vom DAV in seinen Bestrebungen unterstützt. 

Nennenswerte Bergschulen gibt es, anders als in den angrenzenden Nachbarländern, Anfang der 1960er-Jahre in Deutschland kaum. Neben der Bergsteigerschule des DAV (später DAV Summit Club) bieten lediglich die beiden Münchner Sporthäuser Scheck und Schuster entsprechende Bergsportprogramme für Kunden an, weshalb vor allem die Bergschulen aus Österreich verstärkt auf dem deutschen Markt aktiv sind und eine ernsthafte Konkurrenz für Bergführer aus Deutschland darstellen. 

1965 bildet sich auf überstaatlicher Ebene die Internationale Vereinigung der Bergführerverbände (IVBV). In den ersten Mitgliederstaaten Frankreich, Schweiz, Italien und Österreich sind bei der Gründung insgesamt etwa 2200 Bergführer organisiert.

Die Ziele der IVBV sind einheitliche Ausbildungsstandards für diplomierte Bergführer zu etablieren, die Bergführergesetze länderübergreifend anzugleichen, die Ausübung des Bergführerberufes im Ausland zu erleichtern und die Zusammenarbeit unter den Bergführern länderübergreifend zu fördern. 

Gesammelte Kompetenz auf der ISPO 1981: Hermann Huber, Anderl Heckmair, Hans Lucke und Peter Aschenbrenner (von links).

| © Archiv Hermann Huber

Der DAV – damals mit anderen Schwerpunktthemen beschäftigt – nimmt schriftliche Einladungen zu entsprechenden IVBV Treffen in den Jahren 1966/67 vorerst nicht wahr, wovon Heckmair & Co. Wind bekommen. 

Mehr oder weniger im Alleingang kontaktiert Heckmair daraufhin den damaligen Präsidenten der IVBV, Frison Roche aus Chamonix, und bekundet stellvertretend für die Bergführerkollegen in Deutschland das Interesse an einer Aufnahme. Längst ist man auch hierzulande an einer Professionalisierung des Bergführerwesens interessiert und ahnt, dass es bald einen internationalen Bergführer-Ausweis geben wird.

Besitzt man diesen nicht, darf man als deutscher Bergführer womöglich nicht weiter im Ausland führen. Voraussetzung für eine Aufnahme in die IVBV ist, dass es einen nationalen Verband gibt, in dem die Bergführer des jeweiligen Landes vertreten werden. 

Die Oberreintalhütte in den 1950er Jahren - schon immer ein Zentrum des Klettersports in Deutschland.

| © Archiv Hermann Huber

Kein offizieller Vertreter des DAV, sondern Anderl Heckmair und der Oberstdorfer Gustl Spiwak jedenfalls werden im Juni 1968 zur Tagung der IVBV ins Wallis eingeladen. Sie nehmen dort allerdings mit der Zustimmung durch Fritz Zintl vom DAV teil. 

Heckmair und Spiwak bemühen sich in der Folge gemeinsam mit dem DAV darum, einen nationalen Bergführerverband zu gründen, der auch die internationalen Voraussetzungen erfüllt. Zwei der vom DAV entworfenen Satzungen werden jedoch von der IVBV abgelehnt. 

Im Dezember 1968 wird daher eine Versammlung zwischen den Bergführervertretern und dem DAV anberaumt, in der die kniffelige Situation geklärt werden soll. Diese Besprechung findet jedoch nicht statt, weil Fritz Zintl vom DAV aufgrund seiner Tätigkeit als Trainer für die Ski-Nationalmannschaft nicht verfügbar ist.

Einen vom DAV anberaumten deutlich späteren Ersatztermin wollen Heckmair und neun weitere Bergführer jedoch nicht mehr abwarten und gründen am 15. Februar 1969 im Gasthof "Zum Spöckmeier" in München den VDBS. Im November 1969 wird er als alleiniger Interessensvertreter der Bergführer in Deutschland offiziell als fünftes Mitglied der Internationalen Vereinigung der Bergführerverbände aufgenommen. 

Fritz Zintl im Jahr 1957 unterwegs in der Nordwand der Großen Zinne.

| © Archiv Hermann Huber

Mit dem DAV, der nach wie vor im Beirat des VDBS vertreten ist und die Bergführerausbildung finanziell unterstützt, kooperiert der Verband Deutscher Berg- und Skiführer bis heute ununterbrochen.

Eine Auswahl an Geschichten aus 50 Jahren Bergführerverband findet Ihr hier. 

Anlässlich des Jubiläumsjahrs 2019 verlost der Verband Deutscher Berg- und Skiführer jeden Monat ein ganz besonderes Bergerlebnis. Monatlich könnt Ihr teilnehmen und eine Bergtour zusammen mit einem erfahrenen Bergführer des VDBS gewinnen. Eine Übersicht der Traum-Touren findet Ihr hier.

Noch bis 15. Februar könnt Ihr teilnehmen und das Bergerlebnis im März gewinnen. Die Skitour führt zusammen mit dem Münchner Spitzenkoch Johannes Bogenrieder auf einen einsamen Gipfel in den bayerischen Voralpen, wo Ihr zu zweit ein Galadinner erleben werdet. Mehr Infos und das Bewerbungsformular findet Ihr hier.

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