Adam Ondra über die Zusammenarbeit mit Trainern und die besten Bedingungen für Wettkampfkletterer.

Adam Ondra gehört seit Langem zu den besten Kletterern der Welt. Im September 2017 gelang es ihm in seiner Route "Silence", als erster Mensch überhaupt den Schwierigkeitsgrad 9c zu klettern. Der Tscheche hat sich entschieden, 2020 bei Olympia in Tokio an den Start zu gehen. Wettkampfklettern wird dort zum ersten Mal als olympische Disziplin präsent sein.

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Wie Adam Ondra sein Training auch im Hinblick auf das Großereignis in Japan professionalisierte und warum er eine Zusammenarbeit mit einem Trainer einging, erfuhr Autorin Alexandra Albert im Gespräch mit dem 26-Jährigen.

Warum hast Du Dich für einen Trainer entschieden?

Ich habe immer selbst trainiert, auch als ich acht Jahre alt war. Meine Eltern waren meine größten Unterstützer, aber nie wirklich meine Trainer. Das lief alles über trial and error, und das hat sehr gut funktioniert. Aber zu einem bestimmten Zeitpunkt hatte ich den Eindruck, dass zwei Köpfe besser seien als einer. 

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Patxi (Usobiaga, spanischer Spitzenkletterer, d. Red.) war die einzige Person, der ich auf diesem Feld vertraute, weil er all die Erfahrung für die Dinge hatte, mit denen ich mich ständig auseinandersetzen musste. Er wurde mein Trainer, um mich zu unterstützen, Weltmeister zu werden. 

Ironischerweise war er derjenige, der mir den Titel bei meinen ersten Weltmeisterschaften nahm, als ich 16 war. Ich denke, das erste Jahr hat super geklappt, als ich 2014 zweimal Weltmeister wurde. Und von da an begann die Zusammenarbeit.

Du hast auch angefangen mit dem Physiotherapeuten Klaus Isele aus Österreich zu arbeiten. Was war Deine Motivation, nach Patxi zu suchen oder mit Klaus zu kooperieren? Und was können diese Leute Dir beibringen?

Wie ich schon sagte, mehr Köpfe wissen es besser. Klaus ist seit 2017 mein Physiotherapeut. Er hilft mir dabei, verletzungsfrei zu bleiben, aber in gewisser Weise hilft er mir auch, besser zu klettern, indem ich bestimmte Disbalancen und Schwachstellen reduziere. 

Meine Zusammenarbeit mit Patxi basiert mehr auf Diskussionen über das Trainingsprogramm, als auf einem lokalen Training zu zweit. Patxi lebt in Katalonien, ich lebe in Tschechien, er besucht mich nicht zum Training, ich bin daher weiterhin sehr unabhängig.

Aber wir bringen beide neue Ideen mit rein und es hilft viel für das Vertrauen und die Motivation, jemanden zu haben, mit dem man über das Training sprechen kann. Außerdem ist Patxi ein sehr guter Motivator.

Klettermeister in Aktion: Adam Ondra. 

| © imago

Wie sieht ein Coaching zwischen Patxi und Dir aus?

Wir treffen uns nur ein paar Mal im Jahr. Für den Trainingszweck ist es eigentlich nicht nötig, aber Patxi ist auch ein guter Freund und es ist toll, Zeit mit ihm zu verbringen. Aber es funktioniert: Jeder von uns erstellt ein Trainingsprogramm sowie eine Liste von Zielen. 

Danach diskutieren wir das per Skype. Und dann schicke ich ihm mein Feedback, nachdem ich die Sachen aktiv im Training umgesetzt habe und berichte. 

Nach vier Jahren Erfahrung ist es weniger Interaktion als zu Beginn unserer Zusammenarbeit. Wir verwenden allerdings keine spezielle Trainings-Software wie z. B. Trainingspeaks, nur geteilte Google-Dokumente.

Welche Strukturen und Bedingungen sind Deiner Meinung nach für einen Wettkampfkletterer wichtig?

Der Spitzenkletterer im Finale der Kletter WM 2018.

Der Spitzenkletterer im Finale der Kletter WM 2018.

| © Picture Alliance

Ich denke, dass jeder Kletterer sehr individuell unterschiedlich ist. Am wichtigsten ist meiner Ansicht nach, dass man für ein erfolgreiches Klettern vor allem klettern muss. Deshalb sollte man viel klettern, wenn man ein guter Kletterer sein will. 

Andere Formen des Trainings können eine gute Ergänzung darstellen, aber ohne das reine Klettern als Trainingsform an und für sich, wirst du nirgends hinkommen. Deshalb trainiere ich hauptsächlich durchs Klettern. Meine Wand ist voll von Griffen, ich kann jedes einzelne Training mit neuen Bouldern und Circuits starten.

Und das ist ein großer Vorteil! Viele Kletterer folgen heutzutage einem strengen Trainingsprogramm, was auf meinem Niveau wirklich wichtig ist, aber nicht für Kinder zum Beispiel. Meiner Meinung nach ist es für Kinder am wichtigsten, zu lernen, WIE man tatsächlich klettert. 

Und wie lernt man am meisten? Indem du tust, was du liebst! Das klappt am besten, wenn man ganz tief in eine Aktivität vertieft ist, wenn man nicht wirklich merkt, dass man lernt. Ein Trainingsprogramm könnte genau das kaputt machen, weil es die Kids dazu zwingt, dem Programm Folge zu leisten. 

Was die Inhalte im Klettertraining betrifft, bin ich der Meinung, dass die Bedeutung von Kraft überschätzt und die Bedeutung von Technik unterschätzt wird. Ich denke, der größte Spielraum für die Entwicklung der Trainingswissenschaften im Klettern liegt in der Technik.

Topathleten älterer olympischer Disziplinen haben ein unterstützendes Team um sich herum etabliert, wie einen Arzt, Ernährungsspezialisten, einige auch einen Mentaltrainer. Mit Patxi und Klaus Isele ist das ein Anfang. Gibt es noch andere, die Du zu Deinem "äußeren" Team dazuzählst?

Ich habe keinen Mentaltrainer, aber ich wäre nicht dagegen. Ich habe ein Buch über Mentalcoaching gelesen. Ich denke, ich habe viele Dinge unterbewusst getan, auch ohne diese Bücher gelesen zu haben, aber jemanden zu haben, mit dem man darüber sprechen kann, ist sicherlich von Vorteil. 

Und die Ernährung ist sehr wichtig, um die Regeneration zu beschleunigen und gesund zu bleiben. Ich habe viel experimentiert, aber ich denke, ich habe herausgefunden, was für mich am besten funktioniert. Ich glaube an TCM (Traditionelle Chinesische Medizin). Das bedeutet "echtes" Essen, kein Junk Food. Und das passende Essen für meine Konstitution. 

Neben einer guten Technik beim Klettern essenziell: Ausreichend Kraft.

| © Picture Alliance

Da meine Typus-Konstitution laut TCM "kalt" ist, bedeutet das, dass ich im Winter kein rohes Gemüse und Obst und Milchprodukte essen sollte.

Meine Ernährung basiert auf hochwertigem Getreide, Nüssen, Samen, gekochtem, gebackenem oder fermentiertem Gemüse, gekochten Äpfeln / Birnen, Hülsenfrüchten, Fisch, Gewürzen (vor allem solchen, die die Verdauung leichter machen wie Ingwer, Zimt oder Kreuzkümmel) und kleine Portionen von veganem Proteinpulver.

Wie würdest Du den Prozess des Kletterns als Sport und als olympische Disziplin beschreiben?

Ich denke, dass es sich um einen ganz normalen Prozess handelt, dass Klettern zur Olympischen Disziplin wurde. Ich denke sogar, das Klettern mittlerweile fast Massensport geworden ist. Und es ist ein schöner Sport, ich sehe keinen Grund, warum es nicht olympisch sein sollte. 

Mich selbst ziehen die Olympischen Spiele an, ich möchte auf jeden Fall gern teilnehmen. Das Wettkampf-"Format" für 2020, was letztendlich angenommen wurde, ist jedoch traurig, aber ich hoffe, dass das nur ein Stufe in der Entwicklung von Sportklettern als olympischen Disziplin darstellt.


Zur Interviewerin

Alexandra Albert ist Sportmentraltrainerin, betreut die DAV Exped-Kader und arbeitet im DAV Lehrteam. Unter anderem bietet Alexandra Workshops zum Umgang mit Angst beim Klettern an. Der nächste Kurs findet am Sonntag, dem 19.05. im Kletterzentrum Fulda statt. Mehr Infos unter physiomental-training.de.

Nächster Workshop: Am 19.05. im Kletterzentrum Fulda.

Nächster Workshop: Am 19.05. im Kletterzentrum Fulda.

| © Alexandra Albert
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