Anlässlich des Jubiläums sprachen wir mit Moderator Ernst Vogt.

Als an einem Samstagmorgen im November 1948 im damaligen "Radio München" zum ersten Mal "Für Bergsteiger" auf Sendung geht, wird eine einzigartige Tradition begründet: Bis heute ist das "Rucksackradio", wie das Format inzwischen heißt, deutschlandweit die einzige regelmäßige Bergsteigersendung im Hörfunk.

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Am Schreibtisch: Bruno Erath, "Vater" des Rucksackradios.

| © BR, privat

Die Bergsteigerredaktion befasst sich seit mittlerweile 70 Jahren mit allen Geschichten und Ereignissen rund um Wald und Gebirge, Wandern und Bergsteigen: Live dabei war der BR zum Beispiel bei der Landung von Hermann Buhl, des Erstbesteigers des Nanga Parbat, 1953 auf dem Flughafen München-Riem. Oder beim "Gipfeltreffen" 1971 auf dem Wendelstein, als mit dem "Bayerischen Alpenplan" ein heute noch herausragendes Schutzinstrument der Bergwelt geschaffen wurde.

Anlässlich des runden Jubiläums haben wir Moderator Ernst Vogt drei Fragen gestellt.

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Moderator des Rucksackradios: Ernst Vogt.

| © BR/Markus Konvalin

70 Jahre Rucksackradio … Wer hatte eigentlich die geniale Idee zu diesem Titel?

Die Idee hatte mein Vorgänger Bruno Erath, der die Sendung am 24. November 1948 ins Leben gerufen hat. Damals hieß sie schlicht "Für Bergsteiger“ und dauerte von 6.45 bis 7.00 Uhr. Der "Alpenbruno", wie er in der alpinen Branche liebevoll genannt wurde, leitete die Bergsteigerredaktion bis zu seiner Pensionierung 1987.

Du giltst als die gute Seele beim Rucksackradio und leitest das Büro nun schon seit 1987. Gab es in dieser Zeit eine Begegnung oder ein Ereignis, das dich ganz besonders berührt hat?

Ich hatte das Glück, viele große Bergsteiger zu treffen und zu interviewen, von Anderl Heckmair, Riccardo Cassin, Walter Bonatti und Pierre Mazeaud bis hin zu Reinhold Messner und den heutigen Akteuren am Fels wie Thomas und Alexander Huber, Tommy Caldwell und Adam Ondra. Mit am meisten beeindruckt hat mich die Begegnung mit Sir Edmund Hillary, der seinen Weltruhm für ein soziales Projekt zur Unterstützung der Sherpa genutzt hat. Nach dem Interview, das er mit viel britischem Humor gewürzt hatte – "Der Gipfel des Mount Everest war so ziemlich der ungünstigste Ort, um Tenzing das Fotografieren beizubringen" – hat er mir seine Privatnummer gegeben.

Mit 70 Jahren gehört man heutzutage noch lange nicht zum alten Eisen. Wie siehst du denn die Zukunft "deiner" in die Jahre gekommenen Sendung im Zeitalter von Internet und Social Media?

Wir haben das Rucksackradio immer wieder modernisiert, zuletzt 2017, als wir zu Bayern 2 gewechselt sind mit einer Sendezeit von 6.05 bis 8.00 Uhr am Samstag. Das Thema Berge ist aktueller denn je, das Publikum für Bergthemen jünger denn je. Selbstverständlich sind wir auch im Internet präsent. Die Zukunft sehe ich in einer organischen Weiterentwicklung und in Kooperationen, z. B. gerne auch mit ALPIN.

Die Geschichte der Sendung erzählt Rucksackradio-Autor Georg Bayerle in einem Radiofeature und einer siebenteiligen Serie. Das Feature "Mit Seil und Haken – und live im Radio. 70 Jahre Bergsendungen im BR" kann bei BR Podcast unter "Zeit für Bayern" heruntergeladen werden. Die Serie "70 Jahre Bergsteigerredaktion. Höhepunkt der Alpingeschichte im Radio“"gibt es zum Nachhören unter br.de/berge/rucksackradio.

Das Pendant des Rucksackradios im Fernsehen, die Sendung "Bergauf-Bergab", widmete den Kollegen anlässlich des Jubiläums einen Beitrag. Bei einer Wanderung auf den Herzogstand blickt Michael Düchs gemeinsam mit Ernst Vogt zurück auf die bewegte Geschichte des Rucksackradios.

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