Warum man als Bergfreund auch mal gen Osten fahren sollte.

Auf meiner to-do-list war das Elbsandsteingebirge schon seit Jahren. Ich wollte die mächtigen Tafelberge, die bizarren Felsformationen und wilden Täler mit eigenen Augen sehen und den legendären und beeindruckend hohen Türmen einen Besuch abstatten, an denen schwere Routen mit schlechter Absicherung seit Generationen Kletterern das Fürchten lehren.

Dennoch: Geklappt hatte es bis dato noch nie. Es sind vom Wohnort nahe Nürnberg über 350 Kilometer Anreise in den (fast) östlichsten Zipfel der Republik. Zur Zugspitze sind es 100 Kilometer weniger. Das ließ mich für Bergabenteuer bislang die A9 eben doch regelmäßig gen Süden, nicht nach (Nord-)Osten fahren.

Bizarre Felsformationen prägen das Bild des Elbsandsteingebirges.

Nun aber war es endlich soweit. Die 2. Globetrotter-Wandertage vom 21. bis 23. September im Elbsandsteingebirge waren die willkommene berufliche Chance, dem Nationalpark Sächsische Schweiz den längst fälligen Besuch abzustatten.

Und um es vorweg zu nehmen: Ich bereue keinen Kilometer, die Fahrt hat sich richtig gelohnt!

Touren für jeden Geschmack

Während der Veranstaltung in dem malerisch direkt an der Elbe gelegenen Kurort Bad Schandau gab es für uns und die gut 400 Teilnehmer auf den etwa 30 angeboteten Touren viel zu entdecken. "Für Kinder und Einsteiger ist ebenso etwas dabei wie für geübte Langstreckenwanderer", sagte Gundula Strohbach von der Bad Schandauer Kur- und Tourismus Gesellschaft, die das Festival mitorganisiert.

Do it yourself: Guide und Local Stefan auf der Zschirnstein-Tour vor der Bergwacht-Selbsthilfebox.

Ob bei der anspruchsvollen 45 Kilometer langen "Sieben-Gipfel-Tour", einer Tour durch die Kamnitzklamm, einer Wanderung durch die "wilde Hölle" und über "heilige Stiege" oder bei einer Etappe auf dem jüngst eröffneten Trekkingpfad Forststeig oder dem berühmten Malerweg: Bei diesem Festivalprogramm kam jeder auf seine Kosten.

Nationalparkführer zeigten ihre Lieblingsorte. Landschaftsfotografen entführten an die besten Foto-Spots und ein Koch zeigte, wie in der Natur ein köstliches Menü gelingt. Marken wie Deuter, Primus und Leki stellten neuestes Equipment zum Testen zur Verfügung. 

Luxuriöses Wander-Basecamp: das Hotel Elbresidenz.

| © Hotel Elbresidenz

Zum gemütlichen Tagesausklang traf man sich in familiärer Atmosphäre bei Livemusik an der Feuerschale auf dem Marktplatz von Bad Schandau vor dem prächtigen Hotel Elbresidenz, zu dem auch die wunderbare Toskana Therme gehört, und das wir und viele Teilnehmer und Macher des Events als ungemein komfortables Basecamp nutzen konnten. 

Mit Bernd Kullmann und Alix von Melle unterwegs im Elbsandtsteingebirge

Am Samstag sind wir mitgewandert auf die höchsten Erhebung der Sächsischen Schweiz, den Großen Zschirnstein (561 m). Von hier bot sich ein überwältigender Blick über die weiten Wälder der Umgebung bis hinüber nach Tschechien und zum Schneeberg im Erzgebirge.

Öffnend: Die Yoga-Wanderung führte auch zu tollen Aussichtspunkten.

Ein Special der besonderen Art war die Yogatour am Samstag mit Alix von Melle. Alix ist mit sieben bestiegenen Achttausendern nicht nur die erfolgreichste deutsche Höhenbergsteigerin. Alix ist auch Yogalehrerin. 

Bei den Globetrotter-Wandertagen erzählte die liebenswürdige Wahlallgäuerin am Freitagabend zunächst von ihren Abenteuern an den hohen Bergen dieser Welt, und nahm dann tags darauf eine Damengruppe mit an den Fuße des Falkensteins, wo sie den kühlen Wetterbedingungen zum Trotz eine herz- und seelenwärmende Yogaeinheit unterrichtete. 

Mr. Deuter und Mr. alpin.de: Bernd Kullmann (li.) und Holger Rupprecht auf den Schrammsteinen.

Wie Alix hatte auch Bergsteiger-Legende Bernd Kullmann die interessierten Teilnehmer am Freitagabend mitgenommen in den Himalala, als er im Rahmen eines Foto-Vortrags unterhaltsam und anekdotenreich von seiner Everest-Besteigung 1978 erzählte und dabei auch klärte, warum er den höchsten Berg der Welt in Jeans bestieg, warum er nach seiner Rückkehr ins Basislager sofort im Vollrausch war und warum er noch zehn Jahre danach keine Ravioli mehr essen konnte ...

Sonntags war Bernd mit uns und einer Gruppe dann unterwegs zu einem echten Wahrzeichen des Elbsandsteingebirges und einem der schönsten Aussichtspunkte der Sächsischen Schweiz. Die Schrammsteinaussicht ermöglichte einen tollen 360-Grad-Rundumblick über das Elbtal, die linkselbischen Tafelberge, den Lilienstein, den Falkenstein und die im Vordergrund dominierenden Torsteine.

Interessante Auf- und Abstiege über Leitern, Holzstufen, durch ein paar Engstellen, schmale Felsgrate und vorbei an herrlichen Felsplateaus und bekannten Klettertürmen machten diese Tour zu etwas ganz Besonderem.

Spannend: Auf einer der zahlreichen Leitern der Schrammstein-Tour.

Ab in den Osten!

Augenbalsam: Blicke ohne Zeichen der modernen Zivilsation.

Ja, die Sächsische Schweiz, das Elbsandsteingebirge ist insgesamt etwas ganz besonderes: Das von seiner Ausdehnung her relativ überschaubare Gebiet ist ein spannender, landschaftlich reizvoller Abenteurspielplatz für Kletterer, Wanderer und Outdoor-Freunde jeglicher Couleur, der derart viele Möglichkeiten und Touren bietet - z.B. 2.000 Wanderkilometer, 21.000 Kletter-Touren auf über 1.100 frei stehende Sandsteinfelsen - dass wir nach diesem ungemein kurzweiligen Wochende konstatieren: der Weg auf der A9 wird uns künftig noch häufiger gen Osten führen! 

Wer sich von der Schönheit des Elbsandsteingebirges das ganze Jahr begleiten lassen möchte, dem sei der Kalender "LandscapesKalender Klettern Elbsandstein 2019 " ans Herz gelegt.

Mehr Infos und Bestellmöglichkeit hier in unserem Shop.

Und: In ALPIN 11/2018 findet Ihr eine 14-seitige Reportage aus der Sächsischen Schweiz. Unser Autor ist den Forststeig gelaufen, eine sieben Etappen lange Trekkingtour durch das deutsch-tschechische Grenzgebiet. Seine Reportage ist Titelgeschichte unseres November-Hefts (ab 13. Oktober am Kiosk).

Text von Holger Rupprecht

2 Kommentare

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Ruebe

Ein Highlight und mein Favorit als Brandenburger. Besonders an Wochentagen kann die Schönheit und Einsamkeit genossen werden. Übernachtungen kann immer ganz in der Nähe gebucht werden.

Michi

Super Gegend, v.a. mit Kindern!