Französischer Bürgermeister möchte Obergrenze für Besteigungen über den Normalweg einführen.

Wenn es nach der Vorstellung von Jean-Marc Peillex geht, dürfte die stetig wachsende Karawane an schlecht vorbereiteten und mangelhaft ausgerüsteten Bergsteigern, die es jährlich Richtung des höchsten Alpengipfels zieht, bald wieder deutlich kleiner werden.

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Das Dach der Alpen und Gipfel der Begierde: der Mont Blanc.

| © Picture Alliance

Der Bürgermeister der Gemeinde Saint-Gervais-les-Bains möchte eine Obergrenze einführen, die die Besteigungen über die sogenannte Goutér-Route auf täglich 214 Bergsteiger begrenzt. Die Quote soll bereits im kommenden Jahr in Kraft treten und ausschließlich für Bergsteiger gelten, die ohne Bergführer-Begleitung auf den Normalweg unterwegs sind.

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Aber nicht nur das! Wer auf eigene Faust den "weißen Berg" erklimmen möchte, muss zwingend eine Übernachtungsbuchung auf der Gouter-Hütte nachweisen können; andernfalls wird vom Fremdenverkehrsverband der Gemeinde keine Besteigungserlaubnis ausgestellt. Wird man ohne diese am Berg angetroffen, drohen "empfindlichen Strafen".

Bei Eric Fournier, dem Bürgermeister der Gemeinde Chamonix, stoßen die Pläne seines Amtskollegen auf Unverständnis: "Es ist verwerflich, dass man nicht an eine globale Lösung denkt, die alle Zugänge zur Bergspitze betreffen sollen. Die Auswirkungen eines Beschlusses, der nur eine Seite betrifft, könnte sich als dramatisch erweisen."

Das Problem am Berg würde sich, sollte Peillex in der nächsten Saison mit seinem Vorhaben ernst machen, einfach auf die italienische Seite des 4810 Meter hohen Berges verlagern, ist sich Fournier sicher.

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6 Kommentare

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Wilder Süden

Vielleicht sollte man nicht die Anzahl sondern die Qualität der Bergsteiger beschränken. Wobei das dann wohl eher die typische Bergführer Gruppe vom Berg ausschließen würde wenn man eine Mindestanzahl selbstständig durchgeführter Hochtouren vorweisen müsste...

Sonja auf Facebook

Das Problem ist dann nur die Besteigungserlaubnis werden nur Menschen erhalten die richtig Geld haben! Bergsteiger und Bergretter wie ich werden sich das nicht mehr leisten können! Leider wird dann nur mehr auf Reichtum das Augenmerk gelegt!

Florian auf Facebook

Eigentlich ändert sich nichts.
Das Limitierende waren auch bislang die Hüttenplätze, seit das Campen verboten wurde.

Mattias auf Facebook

Wenn die Menschen selbst nicht entscheiden können was für sie gut ist - und davon kann man bei schlecht ausgerüsteten Berggehern die ihr Können überschätzen halt leider einfach mal ausgehen - muss halt leider der Staat eingreifen. Wenn solche Leute nur sich selbst gefährden würden, könnte man sagen "Mei, natürliche auslese". So aber gefährden sie auch andere Bergsteiger und nicht zuletzt müssen die Rettungskräfte ihr Leben für solche Leute riskieren.

Jens auf Facebook

Meine Güte... scheiß Reglementierung überall! Zum Glück durften wir 2012 noch direkt vom Auto aus los ohne zuvor einen Stempel zu holen. Leider ein Trend der Zeit, der Staat mischt sich überall ein und weiß (bzw. maßt sich an) was für die Menschen das Beste ist - mitnichten! Irgenwann wird generell ein Berg"führerschein" zur Debatte stehen und die Eigenverantwortung rückt immer mehr in den Hintergrund. Arme Gesellschaft!

olliS.

Eine Begrenzung der Bergsteigerzahl wird dem Problem kaum gerecht werden sondern sich auf die wesentlich gefährlichere und anspruchsvollere italienische Seite verlagern. Das ist die ganz pragmatische Seite der Bedrachtung. Ein anderes Thema ist aber die systematische Ausgrenzung minder finanzstarker Alpinisten (z.B. Bergsteiger aus Osteuropa) die sich die recht teure Hüttenübernachtungen oft nicht leisten können. Zu mal man ohne Bergführer kaum eine Chance hat einen Platz zu ergattern. Falls doch, müsste man wahrscheinlich schon sehr früh vorher gebucht haben, was an einem Berg wie den Montblanc sich sehr ungünstig erweisen könnte. Man wird dann unter Umständen Alpinisten erleben die auch bei eher zweifelhaften Wetter noch aufbrechen, es gibt ja vielleicht nur diese eine Chance. Eine Reduktion der Unfälle ist natürlich trotzdem wünschenswert. Mein Vorschlag geht daher eher richtig Aufklärung. An den Ausgangshütten, Seilbahnstationen und in den Orten sollten viel mehr Infopunkte z.B. Tafeln angebracht sein, welche auf die Gefahren, die Unfallstatistik und den Anspruch der Routen aufmerksam machen. Das Problem ist ja auch sehr oft schlicht Naivität.