Am Wochenende fand das "Wimbledon" des Trailrunnings rund um den Mont Blanc statt.

Die weltweite Trailgemeinde sah dem Kampf der Giganten bei der 16. Auflage des legendären Ultra-Trail du Mont Blanc mit großer Spannung entgegen. Der Wettkampf über 171 Kilometer war top-besetzt. 

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Viele erwarteten ein Duell zwischen Trail-Legende Kilian Jornet (ESP) und US-Boy Jim Walmsley um den Sieg. Beide mussten jedoch aufgeben und erreichten das Ziel nicht. Ein Schicksal, das sie mit anderen prominenten Läufern wie etwa Luis Alberto Hernando (ESP), Sylvain Court (FRA) und Tim Tollefson (USA) teilten.

Musste wegen der Folgen eines Bienenstichs aufgeben: Mitfavorit Kilian Jornet (ESP).

Eine Zeit lang lieferten sich Xavier Thévenard (FRA) und Zach Miller (USA) ein mitreißendes Duell um den ersten Platz. Doch nach gut 120 Kilometern musste der US-Läufer aufgeben.

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Am Ende lief Xavier Thévenard so einem ungefährdeten Sieg entgegen. Nach 20:44:16 durfte sich der Franzose in Chamonix bereits das dritte Mal für einen Sieg beim UTMB feiern lassen.

Platz zwei bei den Herren belegte der Rumäne Robert Hajnal, den dritten Rang sicherte sich Jordi Gamito (ESP).

Von 2561 Startenden konnten 1779 das Rennen finishen die letzten Läufer kamen nach knapp 47 Stunden, also über einen vollen Tag später ins Ziel als der Sieger.

Harter Kampf: Regen erschwerte den Läufern das Rennen.

| © Picture Alliance

Aller Ergebnisse findet Ihr hier. 

Teilnehmerbericht vom CCC

Doch nicht nur der "Hauptlauf" fasziniert Trailrunner im Rahmen des UTMB-Wochenendes in Chamonix. Daneben gibt es noch Rennen über 40 Km (MCC), 55 Km (OCC), 101 (CCC), 121 Km (TDS) und 300 Km (PTL).

Markus Brahmer und Jürgen Jacob sind Veranstalter u.a. des Original Mountain Marathon in der Alpen-Region (OMM ALPS), des Achensee Trailhero und der German Adventure Race Serie und waren beim CCC am Start.

Zuversichtlich: Markus Brahmer (li.) und Jürgen Jacob.

Hier ihr Bericht, der sich vor allem mit der Organisation dieses Mega-Events befasst.

Um das Phänomen UTMB als Veranstaltung in seiner Größenordnung zu begreifen, sind ein paar Zahlen ganz hilfreich. In der Eventwoche finden 7 Rennen an 7 Tagen mit über 9.000 Teilnehmern aus mehr als 100 Ländern statt. Die Strecken führen durch 3 Länder (Frankreich, Italien, Schweiz). Die Bandbreite geht vom YCC, dem Nachwuchsrennen für 16- bis 22-jährige bis zum UTMB, dem Hauptevent mit alleine schon über 2.500 Startern.

Die Fragen, die wir uns gestellt haben, sind mit Blick auf die Organisation eines solchen Megaevents gerichtet. Wie lässt sich ein solches Event mit der Anzahl an Teilnehmern, Dutzenden Ausstellern in einem Expo-Village und 50.000 Besuchern managen? Und wie funktioniert es am Ende, ganz subjektiv betrachtet aus der Sicht von zwei Veranstaltern von Rennen in der deutschsprachigen Region?

Vor der Anmeldung

Das Besondere am UTMB und den anderen sechs Rennen ist, dass man sich nicht einfach anmelden kann, sondern neben Punkten, die man bei Qualifikationsrennen sammeln kann, auch noch Glück bei der Verlosung haben muss, um einen der aufgrund von Umweltschutzfaktoren begrenzten Startplätze zu bekommen. Der umstrittene Punkt der Qualifikationsrennen generell soll hier außen vor bleiben, die Meinungen gehen dabei stark auseinander.

Was man neidlos anerkennen kann, ist die im Hintergrund laufende perfekte Organisation und IT. In Zusammenarbeit mit der ITRA (International Trail-Running Association) werden alle Ergebnisse aus den weltweit unzähligen Qualifikationsrennen in einer Datenbank erfasst, so dass man sich nicht darum kümmern muss, ob bei der Anmeldung wohl alle Punkte, die man sich mühsam erlaufen hat, vorliegen.

Nach der Anmeldung

Die Menge und der Detailgrad an Informationen, die man nach der Anmeldung bekommt, suchen seines Gleichen. Es gibt keine Information, die man nicht vor dem Rennen zur Verfügung gestellt bekommt. Es gibt Zusammenfassungen der eigenen Buchungen, Hinweise zu noch benötigten Infos, Hinweise zu Pflichtausrüstung bei verschiedenen Wettersituationen etc.

Wunderbar: Die Strecke führt durch eine der schönsten Bergregionen der Alpen.

| © Jürgen Jacob

Beim Einchecken

Perfekt organisiert ist der Ablauf bei der Registrierung vor Ort. Ein festes Zeitfenster für jeden Teilnehmer sorgt für keine langen Schlangen. Die Pflichtausrüstung wird kontrolliert, Startnummern vergeben, Startbilder geschossen, erste sicherheitsrelevante Streckenbriefings gegeben. Mehr als 100 Freiwillige sorgen hier jeden Tag für ein gutes Startgefühl.

Vor dem Wettkampf

Mittels zweier Apps und einem SMS-Service wird man regelmäßig über alle Änderungen informiert. Neue Abfahrtszeit der Shuttlebusse, Streckenänderungen wegen Steinschlag, eigene Position im Rennen für alle Daheimgebliebenen…. Es fehlt…nichts!

Am Start

Das Startprocedere ist einfach und durchdacht. Jeder findet schnell seinen Startplatz, lauscht den motivierenden, mehrsprachigen Ansagen und wartet auf den Start. Hunderte Zuschauer an den Startorten in Frankreich, Italien und der Schweiz sorgen darüber hinaus für Stimmung.

Im Rennen

Nach all der Lobhudelei kommen jetzt die Nachteile einer Megaveranstaltung zum Tragen. Wie bekommt man mehr als 2.000 Teilnehmer einer Veranstaltung auf einen Singletrail? Richtig, mit Zeit! Man sollte, wenn man nicht in einer der ersten Startreihen gestanden hat, viel Geduld mitbringen. Die ersten 3 Stunden des Rennens (in unserem Fall der CCC) waren ein reines Stop and Go. Stop im Sinne von immer wieder 10 Minuten stehen und warten. Go bedeutet mit max. 2 km/h sich mit vielen anderen Ameisen den Berg hochschieben. Überholen nahezu unmöglich.

Ab dann aber wieder das gewohnte Bild. Perfekt ausgeschildert, ausreichend Verpflegung, reichlich aufmunternde Worte von den Helfern, Kontrollen alle 7-8 km und damit auch die Möglichkeit für alle Online-Follower den Rennstatus jedes Einzelnen mitzubekommen. Außerdem damit auch ein tolles Sicherheitssystem. Der Veranstalter weiß jederzeit in welchem Streckenabschnitt sich alle Teilnehmer befinden.

Weniger schön: Stau vor dem Einstieg in einen Single-Trail.

| © Jürgen Jacob

Die Strecken selbst

Wie es die Veranstalter auch von jedem der Qualifikationsrennen fordern, sind weniger als 20% der Strecke Teer oder Forstautobahnen. Singletrails, Waldpfade, Bergwege, es bleibt kein Wunsch offen.

Zieleinlauf

50.000 Zuschauer sprechen für sich. Jeder Läufer, ob auf dem Podium oder ganz hinten im Feld wird auf seinem letzten Kilometer angefeuert, abgeklatscht, gefeiert, als wenn er der Sieger der Veranstaltung wäre. Gänsehaut automatisch inklusive!

Danach

Auch hier bleibt kein Wunsch offen. Finishergeschenk, Zielfoto, Zielbier und ein Abschlussbuffet runden die Veranstaltung ab.

Fazit

Bis auf das Problem auf den ersten Kilometern der Laufstrecke eine organisatorisch perfekte Veranstaltung, von der man einiges lernen kann.

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