Im Roman von Jules Verne reist Phileas Fogg im 19. Jahrhundert in 80 Tagen um die Erde. Im 21. Jahrhundert ist es einer Gruppe von Skitourengehern nun in 36 Tagen gelungen, die Alpen von Reichenau an der Rax in der Nähe von Wien bis nach Nizza zu überqueren.

Das von "Red Bull" gesponserte Team mit Bernhard Hug (SUI), David Wallmann (AUT), Philipp Reiter (GER) sowie Janelle und Mark Smiley (USA) legte auf Ski und zu Fuß eine Gesamtdistanz von 1.721 Kilometern sowie 89.644 Höhenmeter im Aufstieg zurück. Insgesamt war die Athletengruppe 375 Stunden in Bewegung.

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Immer wieder wurden die fünf Athleten, die sich vorher untereinander kaum kannten, auf ihrer Alpenüberquerung von Ost nach West mit hochwinterlichem Wetter, Wind und schlechter Sicht konfrontiert.

"Es war schon hart“, berichtete Bernhard Hug in Nizza. "Du musst jeden Tag wieder Energie aufbringen, um dich neu zu konzentrieren und Schritt für Schritt weiterzukommen. Die 14-Stunden-Tage haben viel körperliche Energie gekostet. Und wir mussten sehr viel anpassen, immer wieder reorganisieren, weil das Wetter sehr schwierig war. Das braucht sehr viele mentale Energie. Daher ist die Erlösung sehr groß, dass wir es geschafft haben!"

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Sicherheit stand immer im Vordergrund. So mussten die Sportler beispielsweise die Besteigung des höchsten Bergs der Alpen, des Mont Blanc (4810 m), nur hundert Höhenmeter unterhalb des Gipfels wegen zu hohen Lawinenrisikos abbrechen; auch die geplante Besteigung der Dufourspitze (4634 m) war nicht möglich. Zu den alpinen Highlights zählte die erfolgreiche Gipfelbesteigung des Großglockner (3798 m).

"Die größte Herausforderung war sicher das schlechte Wetter, das uns fast tagtäglich das Leben schwer gemacht hat", sagte David Wallmann. "Eigentlich wurden wir erst am Schluss mit Sonnenschein für die Strapazen belohnt."

Sorgten für Aufsehen: Die fünf Athleten der "Red Bull Der Lange Weg"-Tour in Nizza.

Inspiriert war Red Bull Der Lange Weg von den vier österreichischen Skibergsteigern Robert Kittl, Klaus Hoi, Hansjörg Farbmacher und Hans Mariacher, welche die Route 1971 mit nur einem Supportmann im VW Bus, Alois Schett, bezwungen hatten. Alle Gipfel und Talorte des damaligen Teams konnten leider nicht passiert werden.

Gemeinsame Entscheidungen und Erlebnisse schweißten das Team, das ursprünglich aus sieben Individualsportlern bestand, im Laufe der Tour immer stärker zusammen. Zwei der in Reichenau an der Rax gestarteten Athletinnen mussten auf dem Weg nach Nizza aus unterschiedlichen Gründen aufgeben: Nuria Picas (ESP), eine der erfolgreichsten Ultratrail-Läuferinnen der Welt, und die Südtiroler Alpinistin Tamara Lunger. Umso stolzer waren die fünf Athleten, als sie nun am Strand von Nizza ankamen.

"Jetzt waren wir 36 Tage unterwegs, waren auf 3700 Metern im Schneesturm festgesteckt, sind dann bis zu den Knien im Sulz gesteckt, und jetzt sind wir am Meer – das ist total irre", blickte Philipp Reiter zurück. "Ich kann es noch gar nicht glauben, dass wir es wirklich geschafft haben. Es war verdammt weit, es war ziemlich hart, und das ist alles jetzt egal, weil wir sind jetzt da!"

Die Finisher der "längsten Skitour der Welt" mit der mutmaßlich längsten Trophäe der Welt.

  • Startort: Knappenhof/Reichenau an der Rax, Niederösterreich

  • Zielort: Nizza, Département Alpes-Maritimes, Frankreich

  • Datum: 17. März bis 22. April 2018

  • Dauer: 36 Tage

  • Ruhetage: 0

  • Marschstunden: 375

  • Längste Tagesetappe: Hinterreith, SUI – Airolo, SUI 70 km, 16 h

  • Wetterbedingungen: Sehr schlecht: 14 Tage • Schlecht: 7 Tage • Okay: 7 Tage

    • Sehr gut: 8 Tage

  • Zurückgelegte Distanzen zu Fuß und mit Ski: 1.721 km

  • Höhenmeter im Aufstieg: 89.644 m

  • Tägliche Marschleistung im Durchschnitt: 47,8 km

  • Täglicher Höhenunterschied im Durchschnitt: 2490 m

  • Tägliche Marschstunden im Durchschnitt: 10 Std., 41 Min

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1 Kommentar

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jabbawock

Nach dem Artikel einer der Teilnehmer der ersten Tour (Klaus Hoi) auf Bergsteigen.com hatte diese Tour überhaupt nichts mit der Originaltour zu tun und hätte als Fehlschlag gewertet werden müssen. Das schmälert die Leistung der Alpinisten in keiner Weise, denn das Wetter kann man ja nicht beeinflussen. Aber 400km anders laufen, Dufour und Mont Blanc nicht machen und dann sagen man hätte das Gleiche gemacht ist doch echt eine Frechheit!