Johanna Stöckl sprach mit Alexander und Thomas Huber.

"Huberbuam" klingt nach ewiger Jugend. Seid ihr noch "Buben"?

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Alexander: In der bayerischen Sprache ist es in Handwerksbetrieben durchaus üblich, dass der Vater den Betrieb an seine "Buam", also an die Söhne weitergibt, obwohl diese längst gestandene Mannsbilder sind. Übersetzt man Huberbuam ins Englische, wird daraus "Huber Brothers". Die Bezeichnung passt und drückt aus, dass wir im gleichen Handwerk tätig sind: dem Bergsteigen.

Hattet ihr irgendwann mal kurze Haare?

Thomas: (lacht) Zum 40. Geburtstag hab ich mir aus einer Laune heraus die Haare schneiden, sie aber wieder wachsen lassen. Kürzlich trug ich unfreiwillig nach einer OP einen Side-Cut. Mir gefallen lange Haare. Sie drücken etwas Wildes, Unseriöses aus. Unser Vater war Banker. Wir wollten anders sein. Meine Buben tragen – wahrscheinlich als Revolte gegen mich – die Haare kurz. Es wiederholt sich vieles.

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Alexander: Unter den Jungen wollten wir nicht anders, sondern maximal dabei sein.

Ziel Olympia? Die Huberbuam 1972.

| © Huberbuam

Alexander, du hast früher mit spektakulären Free Solos für Furore gesorgt. Bist du heute vorsichtiger?

Alexander: Ich war zeitlebens vorsichtig, immer risikobereit, aber kein Hasardeur. Daran hat sich nichts geändert. Ich habe für mich alles im Klettersport erreicht, das Maximum herausgeholt und muss nicht mehr nachlegen. Im Bereich Free Solo gäbe es ein reizvolles Projekt ... Aber auch wenn ich die Schwierigkeiten dominieren und das Risiko minimieren kann, frage ich mich: Ist das Ziel so wertvoll, dass es den Einsatz rechtfertigt?

Alexander blieb von großen Verletzungen weitgehend verschont, während Thomas öfter mal im Krankenhaus war. Wie geht es euch damit?

Thomas: Ich bin dankbar und ein bissal demütig, hier sitzen zu können. Wenn ich eine Verletzung ausradieren könnte, dann den Bandscheibenvorfall mit 21 bei der Bundeswehr. Er hat mich über zwei Jahre kalt gestellt. Alexander war beim Zivildienst, ist in dieser Zeit geklettert wie ein Wahnsinniger. Das war für mich nicht schön. Er ist derart leistungsstark geworden, dass ich nicht aufschließen konnte. Erst nach viel Reha und Training konnte ich, vor allem beim Expeditionsbergsteigen, mein Potenzial wieder ausschöpfen. Dieses Kämpferherz schlägt noch heute in mir. Wenn mich eine Wand fasziniert und es richtig anstrengend wird, lege ich einen Schalter um und werde zur Maschine.

Thomas erhielt den Piolet d’Or, Alexander den Paul-Preuß-Preis. Wurmt es einen, wenn der Bruder absahnt, was man auch gerne hätte?

Alexander: Einen Preis und damit die Wertschätzung der Gesellschaft zu bekommen, ist schön, aber nichts im Vergleich zum realen Erleben! Der Bayerische Sportpreis für den Speedrekord an der Nose macht mir diesen Erfolg nicht wertvoller als andere Erlebnisse.

Wenn Thomas als Frontmann seiner Band Plastic Surgery Disaster auf der Bühne steht, geht Alexander als Zuschauer headbangend voll ab?

Alexander: Seit die Kinder da sind, hab ich für Konzerte praktisch keine Zeit mehr. Aber logisch hab’ ich die Auftritte meines Bruders mit entsprechender Begeisterung besucht. Rock, Grunge, Stoner-Rock – wir haben diese Musik geliebt und mit ihr gelebt. Nirvana im Nachtwerk, weißt noch?

Thomas: (lacht) Extrem geil war das, Nirvana war damals noch relativ unbekannt. Mir bedeutet Musik nach wie vor viel und ich gehe gern auf Konzerte. Kürzlich hab’ ich Queens of the Stone Age live gesehen. Selbst mit meiner Band aufzutreten, macht mir auch noch Spaß. Mit 51 bin ich zwar ein Rock-Opa, aber auf der Bühne vergesse ich mein Alter.

Text von Johanna Stöckl

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1 Kommentar

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Vergötterer

Ich finde die Buam so unglaublich toll!!!