Der 24-Jährige meistert nach eigenen Angaben Solo-Begehung des Siebentausenders.

Bis zum 03. Oktober galt der 7321 Meter hohe Nangpai Gosum II (ein Nebengipfel des Jasemba im Cho-Oyu-Massivs) noch als der dritthöchste unbestiegene Berg der Welt - dann kam Jost Kobusch. 

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Auf seiner Website beschreibt der deutsche Profibergsteiger seinen historischen Gipfelgang mit folgenden Worten: 

Ich startete am 30.09.17 [...] und ließ den Großteil meiner Ausrüstung am Fuße des Berges. Ich hab sogar das Seil zum Abseilen zurückgelassen um das Gewicht zu reduzieren. Nur mit einen Gurt im Falle einer Hubschrauberbergung ausgestattet, startete ich um 03.00 Uhr wo die Lawinengefahr am geringsten war. Von meinem Advanced Basislager auf 5600m aus, querte ich hoch zu Camp1 auf 6400m, von wo ich am nächsten Tag zum Camp2 auf 6840m weiterstieg. 

Von hier aus begann ich um 22:00 Uhr abends Schnee zu schmelzen und startete um 0.00 Uhr durch die Nacht, um den Gipfel zuerreichen. Auf dem Plateau vor der Spitze traversierte ich 800m und kämpfte ich mich durch fast Taillen- tiefen Schnee bis zum Gipfel, den ich am 3. Oktober um 10:25 erreichte. Windgeschwindigkeiten von bis zu 60kmh machten meinen Aufenthalt an diesem unberührten Ort kurz. Dennoch wahr das Gefühl mehr als überwältigend, an einem Ort zu stehen, den vor mir noch kein Mensch betreten hat. 

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Nur wenige Tage vor der geglückten Besteigung hatte Kobusch die Expedition bereits abbrechen wollen, nachdem er bei einem ersten Versuch im Mittelteil der Südwand "fast abgestürzt" wäre. Statt die Heimreise anzutreten, entschloss sich der Nordrhein-Westfale jedoch dazu, in einer anderen Route einen neuen Anlauf zu wagen.

Offenbar mit Erfolg, denn der Gipfelgang ist inzwischen auch von offizieller Seite aus als Erstbesteigung des Siebentausenders anerkannt worden.

Vor zwei Jahren hatte Jost Kobusch mit einem von ihm im Everest-Basislager aufgenommenen Video schlagartig weltweite Bekanntheit erlangt: Über 23 Millionen Mal wurde der Clip, der den verheerenden Lawineneinschlag im Basecamp vom 25. April 2015 festhält, auf Youtube inzwischen angeklickt.

Ein Porträt des Nachwuchsalpinisten findet Ihr in ALPIN 07/2015.

Aufmacherseite aus ALPIN 07/2017.

| © www.alpin.de

Anmerkung: Systematik und Höhenangaben zum Nangpai Gosum II nach Eberhard Jurgalski.

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4 Kommentare

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Leser

Irgendwas ist an dem Kerl sowieso faul.

Leser

„Profibergsteiger“ ????????????

Marcel

Sehe ich genauso! Wenn er schon in einem Alpinmagazin eine (in meinen Augen durchaus nicht ungerechtfertigte) Plattform bekommt, wäre ein kritischer Absatz dazu schön gewesen. Schlimm genug, dass viele Menschen mit einer solchen Mentalität (im Notfall hohle ich halt den Heli) in den Alpen unterwegs sind. Noch schlimmer wäre es, wenn sich dieses Verhalten von selbsternannten "Profibergsteigern" auch noch in anderen Gegenden durchsetzt.
Dazu muss ich sagen, dass ich überhaupt nichts gegen extreme Touren habe. Dabei sollte aber immer die oberste Prämisse sein, dass man es auch selbst wieder runter schafft.

christian sander

Apropos Ethik am Berg:
ich lasse mein Seil, das ich zur Eigensicherung oder zum selbstverantwortlichen Rückzug eventuell dringend benötigen würde, wegen Gewichtseinsparung am Bergfuß liegen. Dafür nehme ich aber in einem entlegenen Gebiet unserer Welt ein Anseilgurt mit, um mich per Hubschrauber retten lassen zu können.
Lebensgefährlich Erkrankte Nepalis in abgelegenen Tälern können davon nur träumen. (Selbst-)Verantwortliches, wirklich profihaftes Bergsteigen sieht für mich anders aus.
Wenn ich dann schon konsequent handele, dann ohnen Seil und ohne Anseilgurt. Ist halt so: selbst gewählte Gefahr, selber zu tragendes Risiko.
P.S. bin selber mit diversen Gipfelerfolgen an 3 x 7000er und 4 x 8000er Expedition in Karakorum und Himalaya unterwegs gewesen.