Ein Wettersturz und extreme Neuschneemengen haben den Team um Alix von Melle und Luis Stitzinger nur 200 Meter unterhalb des Gipfels des Manaslu (8163m) einen Strich durch die Rechnung gemacht. Windgeschwindigkeiten von mehr als 100km/h und eine Sichtweite von unter zehn Metern ließen den Abstieg zur Nervenprobe werden.

Beim Aufbruch zum Gipfelversuch (Foto:goclimbamountain.de).
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Am Ostermontag war Deutschlands erfolgreichstes Höhenbergsteigerpaar Richtung Himalaya aufgebrochen. Ziel: Manaslu (8163m), achtgrößter Berg der Erde. In den folgenden Wochen sollte sich der "Berg der Seele", wie er im Sanskrit heißt, jedoch zum Berg der Stürme und des Schnees verwandeln. Wind, Nebel und Neuschneefälle von bis zu 40cm erschwerten den Aufbau der Hochlagerkette während der Akklimatisationsphase.

Wo immer es das Gelände zulies, wechselten von Melle und Stitzinger daher von Steigeisen auf Ski, um möglichst schnell und kräfteschonend Höhenmeter machen zu können. Nach wochenlanger Plackerei hatte sich das Team schließlich - allen Widrigkeiten zum Trotz - bis auf eine Höhe von 7400 Meter nach oben gekämpft, um von dort die letzte Etappe in Angriff zu nehmen.

Ihren Gipfelversuch am 12.05. schildern Alix von Melle und Luis Stitzinger so:

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"Der Wetterbericht ist nach wie vor gut, auch der Folgetag soll ein guter Gipfeltag werden. Doch in der Nacht rüttelt ein wahrer Orkan an unseren Zelten, die Windgeschwindigkeiten betragen sicherlich 120-130 km/h. An Schlaf ist nicht zu denken. Auch am frühen Morgen ist der Wind unvermindert stark und wir verlegen unsere Aufbruchszeit nach hinten, da die Kälte sonst zu extrem wäre."

"Als wir schließlich aufbrechen, ist das Wetter hervorragend, wenn nur der starke Wind nicht wäre. Vom Sattel aus ist eine erste kurze Steilstufe zu überwinden, dann folgt ein weitläufiges Plateau, das vom Wind blank gefegt ist und auf dem sich das blaue Eis spiegelt. Danach folgt ein weiterer Steilhang. Hier legt sich zum Glück der Wind etwas. Die Verhältnisse sing gut und wir kommen zügig voran."

"Der Felsaufbau des Hauptgipfels ist zum Greifen nahe, daneben der etwas niedrigere Nebengipfel, weit links davon das markante Horn der East Pinnacle. Urplötzlich ziehen Wolken auf und hüllen uns in dichten Nebel. Der Höhenmesser zeigt 7950 m - noch 200 Meter bis zum Gipfel. Wir steigen einige Meter höher, noch immer in dem Glauben, die Wolken werden wieder auflockern - noch eine Stunde Zeit."

"Stattdessen bricht ein infernalisches Gewitter los, unter der Mütze stehen uns die Haare zu Berge, Pickel und Skistöcke summen, elektrische Schläge zucken schmerzhaft auf Schultern und Kopfhaut. Graupel setzt ein, ein orkanartiger Wind bricht los. Fluchtartig treten wir den Abstieg an. Aus der genussvollen Bergtour von vor noch einer halben Stunde ist ein Überlebenskampf geworden."

Vom Höhensturm zerstörte Zelte (Foto:goclimbamountain.de).

Dramatischer Abstieg

Der zweitägige Abstieg wird zur absoluten Nervenprobe: Stark unterkühlt und nur mit Hilfe des GPS finden die Bergsteiger bei kompletten White Out den Rückweg zu ihren beiden Zelten auf 7400m. In der Nacht macht der Wind kurzen Prozess mit dem einen. Am nächsten Tag wird Teammitglied Christian Ranke schneeblind und zeigt deutliche Anzeichen eines Höhenlungenödems.

Mit vereinten Kräften wird der schwer angeschlagene Gymnasiallehrer aus Ebersberg sicher zum nächsten Tagesziel, Lager III auf 6900m, manövriert und dort mit Sauerstoff versorgt. Über Nacht versbessert sich sein Zustand merklich, so dass es dem Team am folgenden Tag gelingt, bis ins Basislager abzusteigen.

Es ist noch einmal alles gut gegangen - und Alix von Melles sechster Achttausender läuft der gebürtigen Hamburgerin nicht weg.

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