Am 07. Mai dieses Jahres konnte Norman Dyhrenfurth seinen 99. Geburtstag feiern. Jetzt ist der berühmte Bergfilmer und Leiter der amerikanischen Everest-Expedition von 1963 verstorben.

Norman Günter Dyhrenfurth, am 07. Mai 1918 in Breslau geboren, war das Bergsteigen mit in die Wiege gelegt worden. Seine Mutter Hettie hielt über 20 Jahre lang den Höhenrekord für Frauen, den sie im August 1934 am Westgipfel des Sia Kangri (7315m) im Karakorum aufgestellt hatte; Dyhrenfurths Vater Günter war Geologe, begeisteter Bergsteiger und Leiter zweier aufsehenerregender Himalaya-Expeditionen (1930 und 1934), für die er bei den Olympischen Sommerspielen 1936 mit dem "Prix Olympique D’alpinisme" ausgezeichnet wurde.

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1937 emigrierte Norman zusammen mit seiner "nicht arischen" Mutter von der Schweiz, wo sich die Familie Dyhrenfurth bereits 1925 niedergelassen hatte, in die USA. Dort machte er sich nach Ende des 2. Weltkrieges an der University of California in Los Angeles als Professor für Film einen Namen. 

Sein Können als Kameramann und Fotograf führte den passionierten Bergsteiger auch mehrmals - auf den Spuren seiner Eltern - in den Himalaya: 1952 als Teil der Schweizer Everest-Expedition, 1955 als Leiter einer internationalen Unternehmung zum Lhotse, 1958 als stellvertretender Leiter einer Expedition, die dem sagenumwobenen Yeti auf die Spur kommen wollte sowie 1960 als Kameramann einer Schweizer Expedition zum Dhaulagiri.

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Helden der Nation: Norman Dyhrenfurth wird von John F. Kennedy 1963 mit der selten verliehenen Hubbard-Medaille ausgezeichnet.

| © Picture Alliance

Drei Jahre später brachte es Dyhrenfurth im Auftrag der National Geographic Society als Leiter der American Mount Everest Expedition schließlich zu Weltruhm. Zehn Jahre nach der Erstbesteigung des Achttausenders erreichte mit James Whittaker zum ersten Mal ein US-Amerikaner den Gipfel des höchsten Berges der Welt. Damit aber noch nicht genug: Im Rahmen der Expedition gelang Tom Hornbein und Willi Unsoeld die erste Überschreitung eines Achttausenders überhaupt, noch dazu am Everest.

Dyhrenfurth selbst, nach seiner Rückkehr aus dem Himalaya von Präsident John F. Kennedy mit der renommierten Hubbard-Medaille ausgezeichnet, sollte es nicht bis zum Gipfel schaffen. Gut 150 Meter unterhalb des höchsten Punktes musste er, die mehrere Kilogramm schwere Filmkamera im Rucksack, aufgeben. Trotzdem bezeichnete er diesen Tag später als schönsten in seiner an Höhepunkten nicht gerade armen Bergsteigerlaufbahn.

Den Bergen der Welt blieb Dyhrenfurth Zeit seines langen Lebens eng verbunden. Am 24. September ist der Alpinist, Kameramann, Regisseur, Fotograf, Hochschullehrer und Expeditionsleiter im Alter von 99 Jahren in Salzburg verstorben.

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ellese

Ein äußerst angenehmer und interessanter Zeitgenosse, unterschätzt und nicht so hofiert von den Medien. Sein Werk bleibt unvergessen.