Die DAV-Hütte blieb bis zum 22. September wegen Wanzenbefalls geschlossen. Auch auf der Klagenfurter Hütte hat man derzeit mit den Parasiten zu kämpfen.

Die Vorderkaiserfeldenhütte hat am 22. September wieder ihren Übernachtungs- und Tagesbetrieb aufgenommen. Die Hütte im Wilden Kaiser musste aufgrund von Bettwanzenbefall komplett geschlossen werden.

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In den vergangenen Tagen waren professionelle Schädlingsbekämpfer den Plagegeistern auf der Hütte mittels Zeltbegasung zu Leibe gerückt. Die angewandte Methode hinterlässt keinerlei chemische Rückstände und gilt als sehr effektiv. Im Mai 2017 wurde bereits die Falkenhütte im Karwendel in eine gasdichte Zelthülle eingepackt und erfolgreich von den Parasiten befreit.

Verhüllt: Nein, auf der Vorderkaiserfeldenhütte war nicht der bekannte Verpackungskünstler Christo am Werk.

| © DAV-Sektion Oberland
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Mit den Wanzen hat derzeit auch die Klagenfurter Hütte in den Karawanken zu kämpfen, und dies aller Voraussicht nach noch etwas länger! Zwar läuft der Tagesbetrieb uneingeschränkt weiter, Übernachtungen werden auf der ÖAV-Hütte allerdings erst wieder im Frühjahr 2018 möglich sein.

Bettenlager auf der Vorderkaiserfeldenhütte.

| © Julian Bückers

Noch härter traf es im vergangenen Jahr Hubert Spindler. Da auch der Kämmerjäger das Wanzenproblem (zunächst) nicht in den Griff bekam, blieb das August-Schuster-Haus (Pürschlinghaus) den kompletten Winter geschlossen. Neben all dem Ärger mit den hartnäckigen Blutsaugern bescherte die mehrmonatige Zwangspause den Pächter einen herben Verdienstausfall.

Spindler geht davon aus, dass rund 30 Prozent der Hütten im Alpenraum mit Bettwanzen zu kämpfen hätten. Soweit möchte man weder beim DAV noch beim ÖAV gehen. Die beiden Alpenvereine setzen die Zahl daher deutlich niedriger an (siehe Stellungnahme). Allerdings sei man sich des Problems durchaus bewusst, so DAV-Hüttenreferent Robert Kolbitsch gegenüber ALPIN, und gehe es offensiv an, ohne versuchen zu wollen, etwas zu vertuschen.

Wegen Wanzenbefalls: Bis zum Frühjahr 2018 muss der Übernachtungsbetrieb auf der Klagenfurter Hütte eingestellt werden.

| © Picture Alliance

"Bettwanzenplage" auf Hütten? Stellungnahme des ÖAV im Wortlaut:

Bettwanzen sind kein neues und akutes Problem. Es hat in den vergangenen Jahren weltweit leider sogar zugenommen, da die Tiere immer resistenter gegen die verwendeten chemischen Bekämpfungsmittel werden. Dies ist aber kein spezifisches Problem von Hütten sondern vielmehr ein gesellschaftliches Thema, das gerne auf Einzelne abgewälzt wird.

Alpenverein transparent

Auch der Alpenverein ist sich dieser Problematik bewusst, denn leider bleibt auch er mit seinen Beherbergungsbetrieben nicht verschont. Aktuell sind dem Alpenverein die Klagenfurter Hütte und die Vorderkaiserfeldenhütte gemeldet worden.

Im Gegensatz zu anderen geht der Alpenverein seit Jahren offen und transparent mit diesem Thema um, schult seine Mitarbeiter und arbeitet aktiv an neuen Lösungen. Umso überraschter zeigte man sich heute über die Schlagzeilen einer plötzlichen "Plage".

Lästig, aber nicht gefährlich: Die Bettwanze.

| © Picture Alliance

1,5% als realistischer Wert

"Die Alpenvereine betreuen über 400 Hütten im Alpenraum und es sind uns genau sechs Fälle eines Befalls bekannt", sagt Peter Kapelari, Leiter der Abteilung für Hütten, Wege und Kartografie im Alpenverein. Bei vier der betroffenen Hütten konnte die Bekämpfung bereits erfolgreich durchgeführt werden.

"Dies sind nach unserer Rechnung 1,5% aller Alpenvereinshütten. Von den beschriebenen 20 Prozent zu sprechen, ist daher definitiv falsch", so Kapelari. Die zitierten 10-20% beziehen sich auf eine allgemeine Studie zur Problematik in Beherbergungsbetrieben, aber definitiv nicht auf Alpenvereinshütten im speziellen.

Wanzen kein Hygieneproblem

Ein Wanzenbefall ist kein Problem mangelnder Hygiene, vielmehr werden die Tiere von Gast zu Gast weitergetragen und nisten sich dann in Ritzen ein. "Dies kann jeden Gast treffen, egal ob auf einer Hütte, im Hotel oder Verkehrsmittel, überall auf der Welt und egal welcher Kategorie", erklärt Kapelari.

"Gerade deswegen versuchen wir beim Alpenverein aktiv mit diesem Thema umzugehen, zu informieren und zu schulen, damit alle wissen, was zu tun ist und in betroffenen Hütten schnell reagiert werden kann", so Kapelari abschließend.

Bekämpfung

Neben chemischen Mitteln können weitere Maßnahmen zur Bekämpfung "ausfrieren" (lange Zeit bei Minustemperaturen) oder ausheizen (die Hütte über 60° Celsius aufheizen) sein.

Das ist das Ergebnis unerer Umfrage

Wir wollten von Euch wissen, ob Ihr schon einmal auf einer Alpenvereinshütte mit Bettwanzen in Kontakt gekommen seid? Wie (fast) nicht anders zu erwarten, ist das Ergebnis unseres Votings recht eindeutig ausgefallen: 92% von Euch sind noch nie von einer Bettwanze gestochen worden (oder haben es zumindest nicht mitbekommen). Immerhin fast 5 Prozent sind der Überzeugung, schon einmal auf einer Hütte von den Blutsaugern gepiesackt worden zu sein; rund drei Prozent von Euch ist das sogar schon auf verschiedenen Hütten passiert.

Das Ergebnis unserer Umfrage

Zu dem Thema wurden auch zahlreiche Kommentare abgegeben. Alle Kommentare findet Ihr ungekürzt unter dem Artikel. Hier eine redigierte Auswahl:

Stefan Wegert: Hallo liebes Alpin Team, Ich findes es nich besonders schlimm, dass Bettwanzen auf den Berghütten sind. Klar ist es nicht schön, und man wird wahrscheinlich dann auch lieber auf eine andere Hütte gehen, aber für die Hüttenbetreiber ist es schwierig, soetwas zu verhindern, weil einfach sehr viele Leute das Jahr über da sind.

Hans S.: Ich bin viel in den Bergen unterwegs und finde durchwegs erstklassige Hütten mit sehr sauberen Betten bzw. Matratzenlagern vor! Diese Hütten befinden sich ausserhalb der Gunstlagen, und habe ich größten Respekt vor allen Betreibern, da sie trotz widrigen Umständen hohe Qualität und Freundlichkeit hochhalten!

Jörg: Das Thema Bettwanzen betrifft wahrscheinlich alle Beherbergungsbetriebe, allen voran aber Hotels. Dass jetzt mit allen Fingern auf die Schutzhütten gezeigt wird, ist meiner Meinung nach unfair. Wenn Medien so was breittreten, dann sollen sie alle Bettenvermieter anführen!

Aufmacherseite unserer Hintergrund-Reportage in ALPIN 08/2017.

| © www.alpin.de

Eine Hintergrundbericht zum Thema Bettwanzen und Hygiene auf Hütten findet Ihr in ALPIN 08/2017!

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22 Kommentare

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Markus Schuli auf Facebook

Die meisten Betten in NewYorkCity sind verwanzt!

Herbert Prueckel auf Facebook

....bei Übernachtungspreisen, die sich seit Einführung des € um bis zu 500 %,erhöhten, sollte man eigentlich eine "Wanzen" freie Bude erwarten können...

Anonymer User

Interessant wäre eine Statistik vor 2004 und danach. Warum? Einfach mal googeln.

Anonymer User

Ich finde das in Ordnung, dass man sich mit diesem Thema auch in der "Bergsteigerei" beschäftigt. Bettwanzen gibt`s doch überall auf der Welt - und diese hat sich auch geändert. Man düst in alle "Herren-Länder" und begibt sich wieder nach Hause. Beim Packen sollte man aufpassen, dass man nicht irgendetwas - was man eklig findet, mit nach Hause nimmt. Ich hoffe, dass diese Diskussion auch dazu anregt, dass jeder in den Hütten auf Sauberkeit und Ordnung inklusive Hygiene achtet - auch aus Respekt vor den Hütten.

Hubert

Ich habe bisher nur sehr saubere Hütten angetroffen. Allen Respekt den Hüttenwirten und dem Personal für ihre hervorragende Arbeit!

Stefan Wegert

Hallo liebes Alpin Team, Ich findes es nich besonders schlimm dass Bettwanzen auf den Berghütten sind. Klar ist es nicht schon und man wird wahrscheinlich dann auh lieber auf eine andere Hütte gehen, aber für die Hüttenbetreiber ist es schwierig soetwas zu verhindern, weil einfach sehr viele Leute das Jahr über da sind.

Anonymer User

Natürlich ist es AUCH ein Hygieneproblem; aber vor allem ein durch die Besucher verursachtes. In Indien hat es mich allerdings schon etlieche Male auch wirklich schlimm erwischt. In Bezug auf AV-Hütten halte ich diese Meldung aber für von den Medien übertrieben dargestellt.

Micheal Parusel

hallo, ich schlafe ca 10 Nächte pro Jahr ( mal mehr mal weniger) auf verschiedenen Alpenvereinshütten . Dabei hatte ich noch nie ein Problem mit irgendwelchem Ungeziefer. Ich verwende IMMER einen Hüttenschlafsack, der schützt ja auch ein wenig. Nur ein mal in der Schweiz, hat sich eine hungrige Maus durch den Rucksack zu meinem Apfel durchgebissen, welche aber von der Hüttenkatze dann erlegt wurde :)

Helge Ebner

Also, welche Medien sind das ? Das ist sowas von falsch, nein das ist eine SAuerei ! Es ist fast umgekehrt: die Hütten haben einen Standard erreicht, da könnten sich zB bei den Toiletten viele Gasthäuser etc. im Tal eine Schnitte abschneiden. Also, wer sind diese Medien ? Denen gehört "irgendetwas" nach vorne gerichtet. Ich war heuer auf 10 Hütten und alle waren komfortabel. Von Wanzen etc. keine Spur !! Bitte bekanntgeben, wer diese Medien sind, die diese Dreckkleckserei verursachen. Und was so die Hütenbewirtschafter leisten - Hochachtung. Und alles für Menschen, die die Berge ( und damit Gesundheit, innere Ausgeglichenheit, etc.) konsummieren.

Hans S.

Ich bin viel in den Bergen unterwegs und finde durchwegs erstklassige Hütten mit sehr sauberen Betten bzw. Matratzenlagern vor! Diese Hütten befinden sich ausserhalb der Gunstlagen und habe ich größten Respekt vor allen Betreibern, da sie trotz widrigen Umständen hohe Qualität und Freundlichkeit hochhalten!

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