Wurden Sie auch schon gefragt, wie Sie zum Bergsteigen gekommen sind? Viele antworten, es seien die Eltern gewesen, die sie von Kindesbeinen an mit in die Berge genommen haben. Einer dieser "Familien"-Nachwuchsalpinisten, der sicherlich eines der größten alpinistischsten Erbe antrat, ist Peter Hillary. Alexandra Albert befragte den Sohn des Erstbesteigers des Mount Everest über seinen Weg in den Alpinismus und darüber, welche Rolle sein Vater für ihn spielte, als Mentor, als Vorbild und als "Dad".

Zwischen Schatten und Ähnlichkeit hat Peter Hillary es zu Großem gebracht. Als Sohn von Sir Edmund Hillary kann sich Peter Hillary mit großen Erfolgen als Abenteurer und Bergsteiger schmücken. An über 40 Expeditionen hat er teilgenommen.

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So war er beteiligt an der Besteigung des Mount Everest Westkamms, des Makalu Westpfeilers, des K2, des Mount Vinson in der Antarktis, am Aconcagua, an der Lhotse Westwand, an der Ama Dablam Westwand und der Carstenz Pyramid. Er hat alle Seven Summints der Welt bestiegen, um nur ein paar seiner Höhepunkte zu erwähnen.

Auch wenn Peter Hillary nicht immer die Rolle des Erstgeborenen mochte und ebensowenig konstant einer Meinung war mit seinem Vater, so teilten sie beide dennoch den innersten Antriebskern ihres Handelns: eine unaufhörliche Begeisterung fürs Abenteuer. Was Peter Hillary von seinem Vater lernte, was ihn warum inspirierte und wie er selbst als Vater zum Mentor wurde, zeigt das folgende Interview, das Alexandra Albert führte und in voller Länge auf www.alpenverein.de/bergsport zu lesen ist:

DAV: Können Sie uns kurz beschreiben, wie Sie im Alpinismus groß geworden sind?

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Wir Hillary-Kinder sind in einer Bergsteiger-Familie aufgewachsen. Wir hatten bereits als Kinder viele Möglichkeiten von klein auf Abenteuer zu erleben, sei es beim Camping, beim moderaten Klettern oder beim Wandern. Als ich ein Teenager wurde, interessierte ich mich zunehmend fürs Felsklettern und fand schließlich Gefallen am Alpinismus. Ich ging gemeinsam mit meinem Vater auf viele Expeditionen. Er übte sehr großen Einfluss auf meine eigene Entwicklung als Bergsteiger, sowohl direkt als auch indirekt.

Sir Edmund Hillary flankiert von Sohn Peter (re.) und dem Sherpa Mingma

Im Himalaja: Sir Edmund Hillary flankiert von Sohn Peter (re.) und dem Sherpa Mingma.

| © Mike Dillon

DAV: Wann und wie fing für Sie der Funke Feuer im Alpinismus? Können Sie sich noch daran erinnern?

Ich denke, das alles damit zu tun hatte, dass ich so viel von klein auf draußen war, sowohl in den Bergen als auch generell draußen im Freien. Und mein Vater hat uns viele Arten von Gelegenheiten gegeben, die Berge mögen oder gar lieben zu lernen. Eine Menge der Dinge, die ich bereits als Kind am Bergsteigen mochte, sind bis heute geblieben, wenn ich in alpiner Umgebung bin und mit guten Leuten dort oben im Gebirge meine Zeit verbringe. Man genießt einfach das "Dort sein", die Umwelt, in der man gerade ist.

Aber ich hab schon oft gedacht, dass es vermutlich sogar ein paar eher einfache Momente für mich waren, und zwar solche, wie z. B. die gemeinsam verbrachte Zeit am Esstisch, die mich Feuer fangen ließ. Dort wurden all die Geschichten von all den Abenteurern erzählt, auch wenn Gäste zu Besuch waren, eine Gruppe von anderen Bergsteigern z. B. aus Europa oder den Staaten.

Ich liebte die Energie, die dort am Tisch umherkreiste und ich konnte nicht anders, als mich dem Wunsch hinzugeben, ja es war fast ein regelrechtes Verlangen, dorthin zu gehen, wo sie alle auch waren und diese intensiven Erfahrungen gesammelt hatten.

DAV: Würden Sie sagen, dass das Abenteuer einen zentralen Stellenwert in Ihrer Familie einnahm?

Ja, das war sicherlich der Fall. Kürzlich habe ich mir ein paar der Bücher meiner Mutter aus der Zeit angeschaut, als sie uns Kinder gemeinsam mit meinem Vater in den Himalaya mitnahm sowie nach Alaska und in all die anderen Gegenden der Welt, wo wir uns aufhielten. Wir wuchsen in einer Umgebung auf, die uns immer wieder in ganz außergewöhnliche Gegenden der Welt brachte.

Sir Edmund und Peter Hillary

Vater und Sohn: Sir Edmund und Peter Hillary.

| © Archiv Peter Hillary

Und während ich mir das alles durchlas, dachte ich bei mir, dass es einzig und allein an ihr lag, als aufziehende Mutter zu entscheiden, ob sie gemeinsam mit uns ihren Mann hinaus in die Gebirge der Welt und ins Abenteuer begleitete oder ob sie es eben nicht tut und mit uns zu Hause blieb. Für mich war es eine unglaublich großartige Gelegenheit, auf diesem Weg ins Abenteuer zu gelangen.

DAV: Sie sagten, dass es Ihrem Vater immer wichtig war, Ihnen zu vermitteln, eigene Entscheidungen zu treffen. Können Sie sich auch erinnern, wie er Ihnen beigebracht hat, an die eigenen Grenzen zu gehen?

Das Leben meines Vaters war immer vom Ehrgeiz bestimmt. Schließlich bestieg er ja all die Berge nicht, und gewiss nicht den Mount Everest, indem er sich mit Tensing gemütlich hinsetzte und zusah, was um ihn herum passierte. Er war sehr ehrgeizig. Selbst als älterer Bergsteiger, als er noch diverse Expeditionen führte, dabei aber vor allem den jüngeren Bergsteigern den Vortritt bei schwierigen und ausgesetzten Stellen ließ, packte ihn jedes Mal erneut der Ehrgeiz, damit die Expeditionen auch erfolgreich ausgingen.

Und das ist etwas, womit ich aufgewachsen bin, und was ich beobachten konnte und was ich in Gegenwart meines Vaters erlebte. Ich glaube, man muss einfach einen sehr starken Antrieb verspüren, wenn's drauf ankommt. Und das war ein Teil von dem, was ich auf solchen Abenteuern von ihm gelernt habe.

Text: Alexandra Albert

Die ungekürzte Fassung des Interviews mit Peter Hillary finden Sie unter www.alpenverein.de/bergsport

Text von Alexandra Albert

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