Der Schweizer Profialpinist kam am 30. April bei Trainingstour am Nuptse ums Leben.

Die Meldung von Ueli Stecks Tod erschüttert die Bergwelt. Der Extrembergsteiger, der sich wie kein Zweiter akribisch (physisch wie psychisch) auf seine Expeditionen vorbereitete und als Prototyp des athletischen Alpinisten galt, ist am Sonntagmorgen bei einer Akklimatisationstour am Nuptse (7861m) im Himalaja ums Leben gekommen.

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Ankunft der sterblichen Überreste von Ueli Steck im Teaching Hospital in Kathmandu.

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Die genauen Umstände seines Todes werden vielleicht nie gänzlich geklärt werden. Fest steht, dass der Schweizer in den frühen Morgenstunden des 30. April alleine in die Nordflanke des Siebentausenders eingestiegen war.

Nach Angaben von Mingma Sherpa vom Expeditionsanbieter Seven Summit Treks, der die Expedition des 40-Jährigen mit organisiert hatte, wurde Steck das letzte Mal "zwischen Camp 1 und Camp 2 auf 6600 Metern gesehen und muss dann abgestürzt sein, rund 1000 Meter in die Tiefe. Andere Bergsteiger haben ihn dann auf etwa 5600 Metern lokalisiert. Als der Helikopter eine Stunde später am Ort eintraf, war Ueli schon tot", so der erfahrene Höhenbergsteiger in einem Interview mit dem Tagesanzeiger

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Die Angaben wurden wenige Tage später von Andreas Bantel, dem Pressesprecher von Ueli Steck, teilweise revidiert. Demnach hätte sich der Unfall tatsächlich auf einer Höhe von 7600 Metern ereignet. Stecks "Leiche wurde schliesslich vom italienischen Helikopterpiloten Maurizio Folini auf einer Höhe von rund 6600 Metern geborgen", wie es in einer Medienmitteilung vom 04. Mai heißt.

Die sterblichen Überreste von Ueli Steck wurden zunächst nach Kathmandu überführt und im Teaching Hospital medizinisch untersucht. Am 04. Mai fand im Kloster Tengboche schließlich eine mehrstündige Trauerzeremonie nach buddhistischem Ritus für den gebürtigen Emmentaler statt, in dessen Rahmen der Leichnam des Extremsportlers eingeäschert wurde. Die Zeremonie fand im engsten Familienkreis statt.

Unfallursache bisher ungeklärt

"Was Ueli Steck passiert ist, war ein Unfall, der jedem Bergsteiger hätte passieren können", vermutet der Expeditionsarzt Thomas Küpper in der Online-Ausgabe des Spiegel. "Er war in vergleichsweise leichtem Terrain unterwegs, für einen Mann mit der Qualifikation von Steck ist das wie ein Spaziergang."

Auch Roger Schäli geht von einem "Unfall mit viel Pech" aus. "Er war auf einer Akklimatisationstour, bei der er auf einem Terrain weit unter seinem Limit kletterte", so der Extrembergsteiger gegenüber TeleZüri.

Steck hatte sich seit Monaten auf die geplante Überschreitung von Everest und Lhotse vorbereitet. Ende Mai wollte er den extremen Grenzgang in der Todeszone dann zusammen mit seinem Kletterpartner Tenji Sherpa realisieren. Ohne künstlichen Sauerstoff war dies noch keiner Expedition gelungen.

Große Anteilnahme in der Bergsteiger-Community 

Ines Papert reagierte - wie so viele Kollegen - bestürzt auf die Nachricht von Ueli Stecks Tod. Stefan Nestler von Abenteuer Sport schrieb die Profibergsteigerin:

"Ich verliere Tränen über Uelis Verlust. Er hat im Alpinismus Unglaubliches bewegt und neue Maßstäbe gesetzt. Aber kein Mensch ist unsterblich, auch nicht Ueli. Die Nachricht hat mich dennoch sehr hart getroffen, auch wenn sie nicht völlig unerwartet kam. Ich war über die Jahre immer ein wenig in Sorge und fragte mich, wie weit man das Limit pushen kann, ohne dabei Gefahr zu laufen, sein Leben zu verlieren. Ich bin sicher, es war ihm bewusst, wie nah er sich an der Kante befindet. Dies zu kritisieren, ist absolut vermessen, denn es war sein Leben, das Leben in den Bergen. Er hat es erlebt und war dabei sicher glücklich."

Stecks langjähriger Seilpartner Stephan Siegrist erinnert sich an die gemeinsame Zeit: "Wir haben viele Tage und Monate im In- und Ausland zusammen verbracht, manche Biwak-Nächte gemeinsam 'durchfroren'. Einige Erstbegehungen sind uns zusammen gelungen. Wir hatten auch mehr als einmal Glück, dass wir nicht gemeinsam abgestürzt sind. Nur das Schwierigste war ihm gut genug – bis zum Schluss. Das machte seine Persönlichkeit als Bergsteiger aus. Er war ein inspirierender Ausnahmesportler."

Auch David Göttler zeigt sich tief geschockt vom Tod des Ausnahme-Alpinisten: "Ich verliere mit Ueli einen Freund und Seilpartner, auf den immer hundertprozentig Verlass war und mit dem ich noch viele gemeinsame Träume teilen wollte. Danke Ueli, für dieses kurze Stück gemeinsamen Wegs!“

Hansjörg Auer hat den Schweizer als eine Person schätzen gelernt, die "nicht nur viele Alpinisten inspiriert", sondern sie "auch immer wieder mit seinen Ideen ermuntert" habe, "diesen notwendigen Schritt weiter zu gehen, um unsere Kultur des Bergsteigens neu zu definieren."

Ralf Dujmovits schrieb Stefan Nestler: "Ueli habe ich immer als sehr bodenständig, lebendig, ehrlich und freundlich erlebt. Einer der stärksten Allround-Bergsteiger unserer Zeit, der sowohl bergsportspezifisches Training als auch Professionalität auf ein neues Niveau gehoben hat. Enttäuscht war ich über seinen Umgang mit dem Lawinen-Unfall 2014 an der Shisha Pangma. Sowohl der Öffentlichkeit als auch einem Kollegen gegenüber Fehler einzugestehen, hätte ihm sicher noch mehr Glanz verliehen."

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2 Kommentare

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Marco

Die leichtesten Strecken sind die gefährlichsten, und das wurde Ueli zum Verhängniss.

bayrischesmadl7@gmail.com

Es ging einer der ganz großen im Alpinismus-
Die Berge waren seine Welt und es hätte keinen"schöneren Tod" für ihn geben können, wenn auch noch sehr jung!!!!Er hat für das gelebt und es war seine Berufung, das muß man so sagen;
wenn jemand behauptet, es sei grobe Fahrlässigkeit gewesen und in den Bergen "herumzuturnen" dann kann ich nur sagen:armer
Mensch!!!Die Berge geben auch mir das Gefühl von Weite, Größe und etwas meditativem was niemand verstehen kann, der durch die Gegend rennt und kein Auge oder Ohr für diese gewaltige Schönheit der Natur hat.....Ruhe in Frieden Ueli...RIP