Schneemassen begruben insgesamt acht Tourengeher am Jochgrubenkopf (2453m) im Schirmtal (Zillertaler Alpen).

Wie die Bergrettung Tirol mitteilte, handelt es sich bei allen vier Opfern um Schweizer Staatsbürger. Sie waren Teil einer achtköpfigen Gruppe, die unter Leitung eines staatlich geprüften Bergführers - bei nur mäßiger Lawinengefahr und bestens ausgerüstet - zu einer Skitour Richtung Jochgrubenkopf (2453m) aufgebrochen war.

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Verheerend: Das Bild verdeutlicht die gigantischen Ausmaße der Schneebretts am Jochgrubenkopf.

| © Picture Alliance

Gegen Mittag löste sich dann im Steilen gelände (40 Grad) ein "mehrere hundert Meter breites Schneebrett", das die Gruppe unter sich begrub.

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Übereinstimmenden Medienberichten zufolge gelang es vier Teilnehmern, sich selbst aus den Schneemassen zu befreien und die Bergrettung zu alarmieren.

Trotz eines Großeinsatzes, an dem insgesamt 56 Retter beteiligt waren, konnten vier Verschüttete nur noch tot geborgen werden. Alle Opfer wurden in einer Verschüttungstiefe von acht bis zwölf Metern lokalisiert.

 "Lebendbergungen sind bei solchen Bedingungen und Größen von Schneebrettern eher selten", heißt es dazu in der Meldung der Bergrettung Tirol.

Der Lawinenwarndienst Tirol gab erste Erkenntnise zur Unfallursache bekannt: "Als Unfallursache kommt das bekannte Altschneeproblem mit bodennahen Schwachschichten zum Tragen. Die Lawine wurde offensichtlich an einer schneearmen Stelle durch große Belastung ausgelöst. Unsere im Nahbereich der Lawine durchgeführten Stabilitätsuntersuchungen zeigten eine unterschiedlich ausgeprägte Störanfälligkeit bei jeweils guter Tendenz zur Bruchfortpflanzung. Dies ist typisch für den heurigen Winter und erklärt auch die Größe der Lawine."

Die Lawine im Überblick: Rechteck: Gipfel des Jochgrubenkopfes; roter Pfeil: Abfahrts- und Aufstiegsbereich der Schweizer Gruppe; rote Ellipse: Auslösebereich der Lawine; roter Kreis: Fundstellen der Opfer; blauer Pfeil: Einfahrts- und Aufstiegsbereich eines einheimischen Skitourengehers, der kurz vor der Gruppe zweimal auf dem Gipfel war und dabei keine Lawine auslöste.

| © Lawinenwarndienst Tirol

Die Lawinengefahr wurde für den 15.03. oberhalb etwa 2200m als mäßig, darunter als gering beurteilt. "Mögliche Gefahrenstellen für den Wintersportler findet man v.a. noch in sehr steilen, bisher wenig befahrenen Schattenhängen oberhalb etwa 2200m. An schneearmen Stellen können dort insbesondere durch große Belastung noch Schneebrettlawinen in bodennahen Schwachschichten ausgelöst werden. Lawinen können in Folge mittlere Größe erreichen und dadurch gefährlich groß für den Wintersportler werden."

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6 Kommentare

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Linda auf Facebook

Naja einige Faktoren haben aber gegen die Wahl solch einer gewählten Tour (Hangexposition, Schwachschicht, Altschnee) gesprochen!

Alexander auf Facebook

Damit muss man leider rechnen und es wird immer Bergunfälle geben. Wir betreiben etwas, das zu einem grossen Teil aus Risikomanagement und Risikoexposition besteht, der Tod ist immer Teil der Unternehmung.

Jürgen auf Facebook

Es war für Nordhänge oberhalb von 2200 Meter weiterhin gefährlich. Der Graupel unter der Schneedecke hat sein Übriges getan.
Ich hab es schon erlebt das man abgegraben hat und alles war gut. Fünf Meter weiter nochmal abgegraben und die Gefahr wurde ersichtlich .... wohlgemerkt ebenfalls bei Stufe 2.
nach der Menge Neuschnee plus Sturm, sollte klar sein das es einige Wächten gibt, die ordentlich abgehen können.
Ist ja nicht das erste Monster wo dort runtergekommen ist.

Jens auf Facebook

Die Überschrift triffts! Zwar hat der LLB diesen Bereich für große Zusatzbelastung (also Gruppen) als heikel beschrieben... aber jetzt gscheit daherschwätzen und sagen: "hätte wäre müsste"... dann brauch ich nicht mehr auf Skitour gehen! Ich bin mir sicher, dass der Schweizer Bergführer nicht unvorsichtig gehandelt hat und seine Gruppe nicht in Gefahr bringen wollte! Bergsport, bleibt Natursport und solche Ereignisse wird es immer wieder geben! Jeder, der hier meint über die Unvorsichtigkeit urteilen zu können, sollte sein eigenes bergsteigerisches Handeln hinterfragen und besser im Tal bleiben! Andere, die nichts mit Bergsport am Hut haben sollten sowieso ruhig sein. Jetzt die Frage an die urteilenden Skitourengeher: DAS Tückische an einer Lawine ist, dass man nie weiß, wie knapp man dran war, um sie auszulösen!? Beim Klettern weiß man sofort, das man nur haarscharf am Absturz vorbeigekommen ist - der Schnee schweigt und ist bis auf ein "wumm" meistens ruhig und schlägt dann zu! Zur falschen Zeit am falschen Ort... wer kann von sich 100 % sagen, dass er beim Skitouren immer sicher unterwegs war?

Stefan auf Facebook

Laut Bergrettung verfügte niemand über ein ABS-System

Felix auf Facebook

Also wenn ich mir den Lawinenlagebericht anschau: Oberhalb von 2.200m, nordexponierte Steilhänge mit Altschneeproblem....Trifft alles zu...selbst bei Warnstufe 2 gibt es halt immer noch Bereiche die man trotzdem meiden muss. Da es eine sehr große Gruppe war, ist hier auch das Problem der Gruppendynamik, ..."ah des geht scho is ja nur Stufe 2.." und zusätzlich mit Lawinenrucksäcken ausgerüstet, was zu einem zusätzlichen Verlust der objektiven Risikoanalyse verleitet. Und die Bergschulen müssen immer mehr bieten um das ganze GoPro Publikum zufrieden zu stellen....das ist das Ergebnis dieser "Selbstdarstellungssucht" Dieser tragische Unfall zeigt mal wieder deutlich...manchmal schadet ein wenig mehr Demut nicht...etwas weniger spektakuläre Abfahrt/Aufstieg, aber alle heil im Tal am Abend. Wir sind in den Bergen nur zu Gast...das sollten wir nie vergessen.