Profi-Kletterer wendet sich gegen Politik des US-Präsidenten.

Klettern ist unpolitisch. Oder? Ist Klettern nicht für viele ein Ausdruck von Naturverbundenheit, der mit Respekt gegenüber der Schöpfung einhergeht, die es zu erhalten gilt? Werte, die für gelebten Umweltschutz wichtig sind.

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 Und: Ist Klettern nicht auch Ausdruck von Freiheit? Sind viele Kletterer nicht neugierig auf die Welt, wollen andere Länder frei bereisen dürfen und freuen sich, dort willkommen geheißen zu werden, auch wenn die einheimische Kultur eine andere ist?

Und steht für die internationale Kletter-Community die Verbindung durch die gemeinsame Leidenschaft nicht über der vermeintlichen Trennung durch religöse oder nationale Verschiedenheit?

Stefan Glowacz ist niemand, der sich täglich öffentlich zu politischen Fragen äußert. Und der sich doch einmischt, wenn er die Werte des Kletterns bedroht sieht, die auch seine Werte sind. Immer wieder hat er sich an Protesten zum Schutz seiner heimischen Bergwelt beteiligt und sich öffentlich gegen die Verbauung der bayerischen Alpen mit funparkähnlichen Elementen ausgesprochen.

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Im Laufe seiner langen Karriere ist der heute 52-Jährige weitgereist und in vielen fernen Ländern seiner Leidenschaft nachgegangen. Nun äußert sich Stefan Glowacz deutlich gegen Donald Trums Dekret, Muslime aus bestimmten Ländern nicht mehr in die USA einreisen zu lassen.

Auf seiner Facebook-Seite schreibt der bekannte Kletterer unter anderem:

Screenshot des Posts auf der Facebook-Seite von Stefan Glowacz.

"Mit der Einschränkung der Reisefreiheit für bestimmte Nationalitäten, fühle ich mich mittelbar betroffen, weil Freunde und Bekannte unmittelbar betroffen sind. Wie etwa die iranische Kletterin Nasim Eshqi, welche ich persönlich kenne und schätze. (auf dem Aufmacherbild des Artikels von Moritz Attenberger in der Mitte zu sehen, d. Red.)

Wir Kletterer definieren unseren Sport vor allem über 'Freiheit'. Keine Regeln, keine Schiedsrichter. Wir schätzen und leben die Freiheit, jederzeit (und fast überall hin) aufbrechen zu können. Freiheit ist d e r Bestandteil, warum der Klettersport für viele von uns so faszinierend ist.

Wir könnten uns zurücklehnen und sagen: 'Diese Einschränkungen werden uns als Deutsche nie betreffen'. Das ist nicht nur bequem, sondern falsch, weil sich gerade eine einzelne (!) Person aufmacht, all die Werte zunichte zu machen, für die Generationen über den ganzen Globus verteilt ein Leben lang gekämpft haben:

Freiheit, Unabhängigkeit, Toleranz und Frieden. Ich frage mich besorgt, warum es immer wieder, auch in der aufgeklärten westlichen, hochmodernen Welt solche Einflüsse gibt.

Haben wir nichts aus der Geschichte gelernt? Haben uns die Ereignisse und Kriege der Vergangenheit nicht gezeigt, dass es nur gemeinsam geht? Mit Toleranz und Respekt, wie u.a. wir Kletterer es immer wieder am eigenen Leib erfahren, – ganz egal in welches Land wir reisen? Die Geschichte hat uns auch gelehrt, wie gefährlich „Wegschauen“ ist. Im Moment findet eine bedrohliche Entwicklung statt, die jeden von uns – früher oder später – betrifft.

Wir haben allerdings die Möglichkeit, uns dagegen aufzulehnen, aufzustehen und zu protestieren. Vielleicht ist es wieder an der Zeit, auf die Straße zu gehen um zu zeigen, dass wir dagegen sind? Damit alle Welt sieht, dass wir mit der Politik eines der wichtigsten und einflussreichsten Ländern der Welt nicht einverstanden sind.

Ich hatte – wie ihr – bisher das große Glück, mein Leben in Freiheit, Unabhängigkeit und Frieden leben zu dürfen. Dieses Glück soll auch in Zukunft möglichst vielen Menschen erhalten bleiben. Wegducken oder Schweigen, bedeutet akzeptieren.

Wir sollten etwas verändern wollen."

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