In die Debatte um den geplanten Ausbau des Skigebietes am Riedberger Horn hat sich nun auch Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) zu Wort gemeldet.

Am vergangenen Donnerstag trafen sich die Umweltminster der acht Alpen-Anrainerstaaten (Frankreich, Monaco, Italien, Schweiz, Liechtenstein, Deutschland, Österreich, Slowenien) und Verteter der Europäischen Union im oberbayerischen Grassau (Landkreis Traunstein) zur 14. Internationalen Alpenkonferenz.

- Anzeige -

Im Rahmen dieses Gipfeltreffens äußerte sich Bundesumweltministerin Barbara Hendricks auch zum Dauerstreitthema Riedberger Horn. Die Ministerin verwies darauf , dass der Freistaat Bayern prüfen lassen müsse, ob der geplante Bau einer Lifttrasse zwischen den beiden Allgäuer Skigebieten Balderschwang und Obermaiselstein mit internationalem Recht vereinbar ist. 

Sieht in Streitfall Riedberger Horn auch ihr Haus gefordert: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks.

| © Picture Alliance

Bei einem Bürgerentscheid am 18. September hatten sich beide Gemeinden mit breiter Mehrheit für die Realisierung des umstrittenen Projektes ausgesprochen

- Anzeige -

Berlin beurteilt das Vorhaben allerdings kritisch, da die geplante Verbindung durch ein vom Alpenplan besonders geschütztes Gebiet (Zone C) verlaufen würde, in dem technische Erschließungen eigentlich untersagt sind.

Mitglieder der bayerischen Grünen versenken am 12.10.2016 in Bernau (Bayern) vor Beginn der Internationalen Alpenkonferenz auf Herrenchiemsee aus Protest gegen eine geplante Skischaukel am Riedberger Horn symbolisch einen Sarg im Chiemsee.

| © Picture Alliance

Hendricks betonte, dass die strengen Schutzauflagen des Alpenplanes völkerrechtlich bindend seien. "Sollte die geplante Maßnahme allerdings gegen eine völkerrechtliche Vorschrift verstoßen, würde dies der Bundesrepublik Deutschland zugerechnet, und damit wäre die Bundesregierung als Vertreterin Deutschlands im Außenverhältnis betroffen", heißt es in einem Schreiben der Bundesministerin an ihre bayerische Amtskollegin Ulrike Scharf (CSU).

Ob im Falle Riedberger Horn tatsächlich eine - wie von der bayerischen Staatsregierung angepeilte - Sondergenehmigung erteilt werden kann, muss laut Hendricks vom Überprüfungsausschuss der Alpenkonvention bewertet werden.

Vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung äußerte sich die Ressortleiterin auch zur Zukunft des Wintertourismus in den Alpen. Zum Abschluss der Alpenkonferenz forderte Hendricks ein Umdenken von allen Beteiligten. Es müssten neue Formen des Wintertourismus gefunden werden, "die nicht abhängig vom Skibetrieb sind", so die Ministerin.

Künstliche Beschneiung von Pisten dürfe es - Sportveranstaltungen ausgenommen - zukünftig nicht mehr geben, erklärte Hendricks.

Aufforstungsaktion von Mountain Wilderness

Gegen die fortschreitende Bebauung des Alpenraumes richtete sich auch eine Aktion von Mountain Wilderness Deutschland, mit der konkret auf den "ausufernden Bau" von Forststraßen im bayerischen Bergwald hingewiesen werden sollte.

Mitglieder von Mountain Wilderness Deutschland bei der Aufforstungsaktion am Grasleitensteig am 15. Oktober

| © M. Drescher

"Hier werden seit einigen Jahren überdimensionierter Forststraßen gebaut, die sich als Waldautobahnen durch Voralpen ziehen und oft alte naturbelassene Bergwege zerstören", heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Umweltschutzorganisation. 

Um dagegen ein Zeichen zu setzen, wurde am 15. Oktober eine Forststraße am Grasleitensteig in der Nähe der Lenggrieser Hütte (Mangfallgebirge) mit zehn Baumsetzlingen wieder (symbolisch) aufgeforstet. 

Weitere Informationen zu der Aktion finden Sie unter www.mountainwilderness.de

- Anzeige -

7 Kommentare

Kommentar schreiben
Bergfreund_Sachsen

Von Bodo H. Es geht doch hier nicht nur um das Skifahren allein. Zum einen geht es um die Alpenzone C, deren Schutz nicht umsonst ausgerufen wurde. Diese Zone muss tabu bleiben, da kann es keine Kompromisse geben!! Zum anderen haben wir es am Riedberger Horn mit einem bedeutenden Birkwild-Vorkommen zu tun. Das ist der zweite wichtige Grund für eine Ablehnung jeglicher Erschließung!

Markus Tauchmann auf Facebook

Aber mal kurz nach Malle fliegen ... Da ist die Ökobilanz eines Skigebietes sicherlich deutlich besser als die vielen Flieger, die in der Gegend umherfliegen ...

Mike Bravo auf Facebook

Wenn man mal aufhören würde diesen scheiss zu subventionieren hätte sich das Thema ganz schnell von alleine erledigt, und uns viele Millionen Steuergelder gespart.

alpin.de

Hallo @David Novak: Dass Schneekanonen umweltschonend sind, haben Sie relativ exklusiv. Selbst das CSU-geführte bayerische Umweltministerium äußerte sich im Mai 2016 unter anderem wie folgt: "Bei der Verlegung von Wasser-, Druckluft- und Stromleitungen werden schwere Baumaschinen eingesetzt, und gerade in höheren Lagen kann es viele Jahrzehnte dauern, bis sich Humusschicht, Bodenleben sowie Pflanzen- und Tierwelt von den Eingriffen erholen können." Das Ministerium kam zusammenfassend zu dem Ergebnis: "Die Modernisierung von Skigebieten mithilfe von Schneekanonen kann die Natur in den Alpen über Jahrzehnte hinweg schädigen." Im Übrigen ist Barbara Hendricks nicht bei den Grünen, sondern bei der SPD und wir wüssten nicht, dass sie irgendjemandem das Skifahren verbieten will.

Stephan Sonntag auf Facebook

Recht hat die Frau

Wilhelm Martini auf Facebook

Wer sagt das er neue Lifte braucht um skilaufen zu können,muss ein Idiot sein.Von was ist es im Allgäu voll ? Von Liften.Eine große Auswahl für jede Könnerstufe.Alle die sich für eine sauberere Welt einsetzen wie Frau Hendricks und alle anderen Organisationen weltweit,sind also überflüssig ! Weiter kann Engstirnigkeit und Ignoranz gar nicht gehen!

David Novak auf Facebook

Ich muss NICHT der meinung von Frau Hendricks sein, und zwar weder viel noch wenig, sondern gar nicht. Und ich werde mir von der auch nicht das Skilaufen verbieten lassen. Übrigens sorgen gerade Schneekanonen dafür, dass der Untergrund geschont wird, weil der Kunstschnee sehr viel länger hält als natürlicher und dadurch die Grasnabe schützt. Aber solche tatsachen interessieren ja deutsche Grünen nicht, diese vermeintlichen Weltretter...