Am 19. September 1991 fand das Nürnberger Ehepaar Erika und Helmut Simon am Hauslabjoch, unweit der Similaunhütte in den Ötztaler Alpen, eine mumifizierte Leiche, die später als "Ötzi" weltweit bekannt werden sollte.

Dass sie an diesem Donnerstag im September die älteste Mumie der Menschheit entdeckt haben sollten, war den zwei passionierten Bergwanderern zunächst gar nicht bewußt. Wie auch? 

- Anzeige -

Sie entdeckten 1991 den Mann aus dem Eis: Erika und Helmut Simon (hier im April 2003).

| © Picture Alliance

Die Simons dachten beim Anblick ihres makaberen Fundes zunächst an einen tragisch verunglückten Bergsteiger, nicht aber an eine archäologische Weltsensation.

Nachdem sie auf der Similaunhütte die Entdeckung gemeldet hatten, machte sich das Paar auf den Weg nach Nürnberg. Von dem Trubel, der gleich am folgenden Tag über das Hauslabjoch hereinbrechen sollte, bekamen die beiden zunächst nichts mit.

- Anzeige -

Professor Konrad Spindler (2.v.l) untersucht mit einem internationalen Team von Wissenschaftlern im September 1991 erstmals die Mumie.

| © Picture Alliance

Als die ersten Fernsehteams an ihrer Haustüre klingelten und das Telefon gar nicht mehr aufhören wollte zu klingeln, dämmerte es den beiden Franken, dass sie durch ihren Fund schlagartig zu Berühmtheiten geworden waren.

Mehrere Talkshow-Auftritte und unzählige Zeitungsberichte sollten ebenso folgen wie ein jahrelanger Rechtsstreit mit der Landesregierung von Südtirol um die Höhe des Finderlohnes. 

2010 wurden Erika Simon schließlich 175.000 Euro zugesprochen, ihr Mann Helmut war da bereits seit sechs Jahren tot: Der Hausmeister war bei einer einfachen Bergwanderung am Geißkarkogel tödlich verunglückt.

"Ötzi" bei seiner Ankunft am 16.1.1998 im neu geschaffenen Archäologiemuseum in Bozen

| © Picture Alliance

Und "Ötzi"? Dem Mann aus der Jungsteinzeit rückte man bereits einen Tag nach seiner Entdeckung ziemlich rüde mit Eispickeln und Presslufthammer zu Leibe. 

Dabei wurde nicht nur die Hüfte der nur 1,54 großen Mumie beschädigt, sondern in Folge der Bergungsaktion auch dessen linker Arm. Beinahe wäre der Leichnam sogar bestattet worden, doch der Prähistoriker Konrad Spindler, der die Bedeutung des Fundes sofort erkannt hatte, wusste dies gerade noch zu verhindern. 

Publikumsmagnet: Eine originalgetreue Nachbildung des Gletschermannes findet man im Archäologiemuseum in Bozen.

| © Picture Alliance

Seit seiner "Rettung" haben ganze Heerscharen von Wissenschaftlern unterschiedlichster Fakultäten jeden Quadratzentimeter des Gletschermannes untersucht. Todeszeitpunkt (zwischen 3359 und 3105 v. Chr.) und Sterbealter (um die 45 Jahre) konnten dabei ebenso gut bestimmt werden wie "Ötzis" körperliche Gebrechen zum Zeitpunkt seines Todes (u.a. Parodontitis, Arteriosklerose).

Zur Todesursache gibt es verschiedene Theorien. Die Gängigste besagt, dass der Mann vom Hauslabjoch an den Folgen einer Schußverletzung durch einen Pfeil zu Tode kam. Ebenso plausibel, wenn auch in Forscherkreisen weniger favorisiert, ist die Annahme, dass der Jäger an einem Schädel-Hirn-Trauma, das zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte, verstorben war.

Wie dem auch sei, "Frozen Fritz" - wie die Mumie im englischsprachigen Raum genannt wird - dürfte auch noch in den kommenden 25 Jahren für die ein oder andere (wissenschaftliche) Meldung gut sein.

- Anzeige -