Zusammen mit Mönch (4099m) und Eiger (3970m) bildet die Junfrau (4158m) das Wahrzeichen des Berner Oberlandes. Als erster Viertausender in der Schweiz wurde der Berg 1811 durch einen Seidenbandfabrikanten aus Aaarau bestiegen.

Johann Rudolf Meyer (1768 -1825) war ein überaus umtriebiger Zeitgenosse. Der Sohn eines erfolgreichen Unternehmers gründete 1802 in seiner Heimatstadt die heute älteste Kantonsschule der Schweiz. 

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Aufgrund seiner Beteiligung an der Helvetischen Revolution von 1798 emigrierte Meyer nach Bayern, wo er sich ebenfalls als Seidenfabrikant versuchte, mit sein Viehzuchtbetrieben aber weit mehr Erfolg hatte.

Johann Rudolf Meyer. Gemälde von Joseph Reinhart um 1790 (Stadtmuseum Aarau).

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1820 folgte der Absturz: Der Schweizer wurde in Karlsruhe wegen Falschmünzerei verhaftet und zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. 1825 verstarb Meyer unter nicht geklärten Umständen in einem badischen Gefängnis.

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Schulgründer, Fabrikant, Revolutionär, Bauherr und verurteiler Betrüger - für bergaffine Eidgenossen war und bleibt Johann Rudolf Meyer jedoch vor allem eines: Der Mensch, der als erstes einen Viertausender in der Schweiz besteigen konnte.

Am 03. August 1811 erreichte Meyer in Begleitung seines ältesten Bruders Jérôme (Hieronymus) und der beiden Gamsjäger Joseph Bortis und Alois Volken den Gipfel der Jungfrau.

Die Brüder schrieben in ihr Tourenbuch: "Nachdem wir die schwierigste Stufe überwunden hatten, öffnete sich der Weg über eine Schneeflanke, und nach ein paar Schritten erreichten wir den höchsten Punkt des Jungfraumassivs. Es war genau nach zwei Uhr nachmittags."

Die Gruppe hatte zuvor auf der Südseite des Berges, aus dem Lötschental (Oberwallis) kommend, den Anstieg begonnen. Ihre Route über den Rottalsattel und den Südostgrat gilt bis heute als der Normalweg (ZS-) auf den höchsten Gipfel des berühmten Dreigestirns oberhalb von Grindelwald.


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