Fritz Luchsinger und Ernst Reiss als erste Menschen am Gipfel des vierthöchsten Bergs der Erde.

Die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren ohne Zweifel das goldene Zeitalter für Erstbesteigungen an Achttausendern. Insgesamt zwölf der 14 Achttausender dieser Erde wurden zwischen 1950 und 1958 erstmals bestiegen.

- Anzeige -

Die erste Besteigung eines Achttausenders gelang Mitgliedern einer französischen Expedition im Jahre 1950. Am 03. Juni standen Maurice Herzog und Louis Lachenal am Gipfel der 8091 Meter hohen Annapurna, des insgesamt zehnthöchsten Bergs der Erde.

Der zweite Achttausender, der bestiegen werden konnte, war dann auch gleich der höchste. Am 29. Mai 1953 schafften Edmund Hillary und Tenzing Norgay das, woran viele vor ihnen gescheitert waren: Sie standen auf dem Gipfel des Mount Everest.

Dieses Ereignis war eine echte "Welt-Sensation". Auch die folgenden Expeditionen wurden von großer öffentlicher Aufmerksamkeit begleitet. Erfolge an Achttausendern waren wichtig für das nationale Prestige und wurden durch die Medien des Heimatlandes intensiv begleitet, Besteigungen enthusiastisch gefeiert.

- Anzeige -

Legendär war auch die dritte Erstbesteigung eines Achttausenders durch Hermann Buhl am 8125 Meter hohen Nanga Parbat am 03. Juli 1953 (Stichwort: Biwak in fast 8000 Metern Höhe ohne Biwakausrüstung). Gut ein Jahr später folgte die Erstbesteigung des zweithöchsten Achttausenders, des 8611 Meter hohen K2 im Karakorum durch die Italiener Achille Compagnoni und Lino Lacedelli am 31. Juli 1954. 

Nach Cho Oyu (8188 Meter, Erstbesteigung 19. Oktober 1954 durch Josef Jöchler, Herbert Tichy, Pasang Dawa Lama), Makalu (8485 Meter, 15. Mai 1955, Lionel Terray, Jean Couzy) und Kangchendzönga (8586 Meter, 25. Mai 1955, George Band, Joe Brown) gelangen im Jahr 1956 gleich drei Achttausender-Erstbesteigungen innerhalb weniger Wochen. 

Jubiläum: Der Lhotse, vierthöchster Berg der Erde, wurde am 18. Mai 1956 erstmals bestiegen.

| © picture alliance / Photoshot

Am 09. Mai schafften es der Japaner Toshio Imanisgi und der Nepalese Gyalzen Norbu auf den höchsten Punkt des Manaslu (8163 Meter). Am 07. Juli des Jahres waren die Österreicher Fritz Moravec, Josef Larch und Hans Willenpart am 8034 Meter hohen Gasherbrum II erfolgreich.

Und vor 60 Jahren, am 18. Mai 1956 gegen Mittag, standen Fritz Luchsinger und Ernst Reiss als erste einer vielköpfigen Schweizer Expedition als erste Menschen auf dem Gipfel des Lhotse (8516 Meter). Eine Zeit blieben sie am Gipfel, wo es keine Möglichkeit zum Sitzen gab, und schossen Fotos, um die Besteigung für die Nachwelt zu dokumentieren. Dann war es Zeit für den Abstieg. Kurz nach 18 Uhr standen die beiden völlig abgekämpft vor dem letzten Hochlager, wo sie in einer unruhigen Nacht Kraft für den weiteren Abstieg sammeln konnten.

"Ausnahmeleistung für die damalige Zeit"

"Wir fühlen uns nicht heroisch, aber dennoch glücklich", notiert Ernst Reiss am Abend in sein Tagebuch. Die beiden waren nicht nur die Erstbesteiger des Lhotse sondern gleichzeitig die ersten Schweizer auf einem Achttausender überhaupt. Im Rahmen der gleichen Expedition gelang auch die zweite Besteigung des Mount Everest. Am 23. Mai standen Ernst Schmied und Jürg Marmet am Gipfel des Berges.

Die Erstbesteigung des Lhotse war "eine Ausnahmeleistung für die damalige Zeit" wie Deutschlands erfolgreichster Höhenbergsteiger Ralf Dujmovits urteilt. Erst nach über zwanzig Jahren standen wieder Menschen am Gipfel. Im Rahmen der deutsch-, östereichisch-, schweizerischen Expedition unter Leitung von Gerhard Schmatz konnten meherere Bergsteiger den höchsten Punkt erreichen. Unter ihnen war auch der Deutsche Michael "Michl" Dacher 1977, der als erster die Besteigung ohne zusätzlichen Sauerstoff realisieren konnte.

In den 1950er Jahren folgten noch die Erstbesteigungen des Broad Peak (8051 Meter) am 09. Juni durch Hermann Buhl, Kurt Diemberger, Marcus Schmuck und Fritz Wintersteller sowie des Gasherbrum I (8080 Meter) durch die US-Amerikaner Andrew Kauffman und Peter Schoening. Dann war das "goldene Jahrzehnt" der Achttausender-Ersbesteigungen vorüber.

"Übrig" blieben Dhaulagiri (8167 Meter), der 1960 von einer einer internationalen Expedition (u.a. erneut Kurt Diemberger) erstbestiegen wurde und der Shishapangma, der mit einer Höhe von 8027 Metern der niedrigste der Achttausender ist und erstmals 1964 von einer chinesischen Expedition bestiegen wurde.

- Anzeige -