Im Gespräch mit der frisch gebackenen Deutschen Meisterin im Ultratrail Manishe Sina.

Manishe, herzlichen Glückwunsch, Du hast am letzten April-Wochenende die Deutsche Meisterschaft im Ultratrail der Deutsche Ultramarathon-Vereinigung gewonnen. Den knapp 65 Kilometer langen Trail-Rundkurs mit über 1.500 Höhenmetern hast Du in 5:36:00 Stunden bewältigt. Wie lief das Rennen aus Deiner Sicht?

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Manishe Sina: Vielen Dank! Ich kann es eigentlich selbst immer noch nicht glauben und freue mich sehr über diesen Sieg. Auch weil ich ihn nicht erwartet hatte. Ich bin auf solchen langen Distanzen noch relativ unerfahren, von daher musste ich aufpassen nicht zu schnell los zu laufen. Ich habe auch gut ins das Rennen gefunden und ab ca. km 25 lief ich dann als erste Frau vorneweg. Ich wusste aber nie wie weit die anderen hinter mir sind.

Bei km 44 bin ich dann aber gestürzt; ich habe mir zwar nicht wirklich weh getan, trotzdem fiel es mir ab da schwer weiter zu laufen. Ich hatte wenig Energie und auch mental wurde es immer härter. Ich habe selten ein Ziel so herbeigesehnt, so dass im Ziel die Erleichterung endlich angekommen zu sein fast größer war als die Freude über den Sieg. Das setzte dann erst später ein.

Wie stark war denn das Teilnehmer-Feld besetzt? Zieht die Veranstaltung die Elite der TrailläuferInnen in Deutschland an?

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Manishe Sina: Es war ein starkes Feld, deswegen hatte ich im Vorfeld maximal mit Platz zwei oder drei gerechnet. Pamela Veith (die ja auch nur 90 Sekunden nach mir ins Ziel kam) hat die letzten Jahre auf der Ultrastrecke immer wieder ihre Stärke bewiesen und war somit auch sehr viel erfahrener als ich. Außerdem waren mit Silke Pfenningschmidt und Lisa Mehl noch zwei weiter sehr starke Läuferinnen im Feld.

Deutsche Meisterin im Ultratrail: Manishe Sina.

Deutsche Meisterin im Ultratrail: Manishe Sina.

| © Jörg Stutzke DUV

Was sind Deine Ziele für 2016? Bei welchen Rennen bist Du dabei?

Manishe Sina: Als nächstes steht der "Transylvania one Hundred" in Rumänien an. Da werde ich aller Voraussicht die 50km Strecke laufen. Im Sommer steht dann der NUTS Pallas in Finnland an, wo ich zum ersten Mal über 100km laufen werde. Das größte Ziel in diesem Jahr ist der Transalpinelauf im September, den ich zusammen mit Lisa Mehl und der Unterstützung von trampelpfadlauf.de in Angriff nehme. Darauf freue ich mich schon richtig.

Der TAR ist eine spannende Herausforderung und diese zu zweit zu bewältigen wird sicher ein tolles Erlebnis. Wir haben sogar unsere eigene Hompage bzw Blog dafür eingerichtet: http://tar2016.de/. Hier werden wir im Vorfeld über Training und wichtige Ereignisse berichten und dann natürlich im Verlauf des Rennens von uns hören lassen.

Rechnest Du Dir auch beim TAR Chancen für eine vordere Platzierung aus?

Manishe Sina: Das ist schwer zu sagen. Ich kenne das Startfeld noch nicht und habe mir da auch noch keine Gedanken gemacht. In erster Linie geht’s es uns beiden um das Erlebnis. in einer so tollen Kulisse mit vielen anderen Mitstreitern laufen zu dürfen. Wir freuen uns beide wirklich sehr auf den Lauf und wollen da vor allem Spaß haben.

Trotzdem ist es aber ein Wettkampf und grundsätzlich behaupte ich, haben Lisa und ich sicher gute Chancen vorne mit zu mischen, da wir beide gute Läuferinnen sind und - was auch eine große Rolle spielt - sehr gut als Team funktionieren. Sieben Tage können aber lang sein und es kann viel passieren; wie zum Beispiel Verletzungen. Wir geben in jedem Fall unser Bestes und werden sehen wo uns das hin führt.

Läufst Du insgesamt auch viel in den (hohen) Bergen und worin siehst Du die Hauptunterschiede zum Laufen in Mittelgebirgsregionen?

Manishe Sina: Ich laufe hauptsächlich in den Mittelgebirgen, vor allem im Taunus. Meine Urlaube verbringe ich aber so oft es geht in den Alpen. Lange steile Anstiege kann man nur da übern und auch für technische Downhills gibt es hier im Taunus vergleichsweise wenig Übungsstrecken.

Außerdem fehlt mir hier die Höhe. Letztes Jahr bin ich beim UTAT in Marokko gestartet. Da habe ich die dünne Luft sehr zu spüren bekommen. Trotzdem konnte ich mich bislang bei Läufen in den Alpen oder anderen hohen Bergen gut behaupten. Mein Training hier in den Mittelgebirgen scheint also auch wirksam zu sein.

Eine persönliche Frage: Der Name Manishe ist recht selten. Woher kommt denn der Name?

Manishe Sina: Mein Name stammt aus dem Iran. Mein Vater ist Iraner und meine Mutter Deutsche. Bis zu meinem fünften Lebensjahr habe ich in Tehran gelebt. Seitdem fahren wir aber regelmäßig in den Iran um Familie zu besuche. Ich kann jedem nur empfehlen das Land einmal zu besuchen, es ist wirklich wunderschön und voller offener, herzlicher Menschen.

Ergebnisse Deutsche Meisterschaft Ultratrail

Herren

  • Florian Reichert 4:29:03 Stunden
  • Alexander Dautel 4:45:37 Stunden
  • Martin Schedler 4:48:59 Stunden

Damen

  • Manishe Sina 5:36:00 Stunden
  • Pamela Veith 5:37:31 Stunden
  • Silke Pfenningschmidt

Titelbild: Robert Kampczyk/ trailstripsrelax.de

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