Das hatte sich Anna Stöhr sicherlich leichter vorgestellt. Vier Tage brauchte die mehrfache Gesamtweltcupsiegerin im Bouldern bis sie "La Rose et le Vampire" endlich knacken konnte. Die 8b-Route von Antoine le Menestrel hat auch knapp 30 Jahre nach der Erstbegehung nichts von ihrem Reiz verloren. Der Klassiker durfte bei "Reclimbing the Classics" natürlich nicht fehlen.

Nur etwas mehr als hundert Einwohner leben in der französischen Gemeinde Buoux. Für viele Sportkletterer ist das kleine Dorf in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur jedoch längst zu einer der ersten Adressen in ganz Europa geworden. Großen Anteil daran hat Antoine le Menestrel.

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Als der junge Mann aus Paris zusammen mit seinem Bruder Marc und seinen Freunden Jean-Baptist Tribout und Laurent Jacob Mitte der 1980er Jahre die mächtigen Felswände rund um Buoux für sich entdeckt, gibt es für den passionierten Sportkletterer kein Halten mehr.

Kletter-Eldorado: Buoux (Foto: Reiner Eder / Mammut).

Von all den Routen, die le Menestrel hier Erstbegangen hat, ist "La Rose et le Vampire" für den Franzosen die Wichtigste. "Sie hat mich verändert, sowohl meine Art zu klettern als auch mein weiteres Leben. Zuvor habe ich mich durch den Fels inspirieren lassen, von einer kletterbaren Linie. Hier aber wollte ich eine Route machen, die absolut an meinem Limit war", so le Menestrel heute über seinen Klassiker.

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Im Rahmen des Mammut-Projekts "Reclimbing the Classics" hat sich auch Anna Stöhr vor ein paar Monaten an der 8b versucht.

Der "König" von Buoux: Antoine le Menestrel (Foto: Rainer Eder / Mammut).

Wie hast du die Kletterei in "La Rose" empfunden? Hat sie dir gefallen?

Anna Stöhr: Die Kletterei in »La Rose« ist sehr kraftvoll, was eigentlich meinem Kletterstil entspricht. Schade ist, dass künstliche Griffe vorhanden sind bzw. »nachgeholfen« wurde. Allerdings sollte man das im zeitlichen Kontext sehen; damals war dies in Buoux einfach gängige Praxis.

Wie lange hast du gebraucht? Was ist dir am schwersten gefallen?

Anna Stöhr: Insgesamt habe ich vier Tage am Stück daran gearbeitet. Am dritten Tag konnte ich schon sehr gute Versuche machen, deshalb bin ich dann am Tag der Abreise in der Früh nochmal hin und konnte die Route dann klettern.

Für mich gab es zwei harte Passagen: Am schwersten fiel mir der Zug über die Dachkante, da er sehr weit für mich ist. Ausserdem war der Zug nach dem Kreuzzug schwer; da musste ich aufpassen, dass ich den Kreuzzug-Griff, von dem man wegzieht, richtig einsortiere.

Wie würdest du die Kletterei in "La Rose" charakterisieren? Auch im Vergleich zu den aktuellen schweren Routen?

Musste in der Route kämpfen: Anna Stöhr (Foto: Rainer Eder / Mammut).

Anna Stöhr: Kurz und knackig – das charakterisiert die Tour meiner Meinung nach am besten. Es kommt darauf an, mit welchem Gebiet man die Tour vergleicht. Mit Oliana in Spanien zum Beispiel wäre es schwer, da dort die Routen sehr lang sind. Mit Margalef oder ansatzweise dem Frankenjura könnte man es wahrscheinlich am besten vergleichen.

Was sagst du zur Bewertung? Wie würde die Route heute bewertet werden?

Anna Stöhr: Ich denke die Bewertung passt so; ich persönlich würde die Route heute gleich bewerten.

Warum glaubst du, dass Buoux heute bei den Kletterern nicht mehr "in" ist?

Anna Stöhr: Vielleicht liegt es an der technischen Kletterei, die heute nicht mehr so gefragt ist. Ich habe es aber genossen, dass nicht 300 Zelte wie vor 30 Jahren – Antoine hat mir das erzählt hat – im Tal standen, sondern dass wir ganz allein sein konnten, also zu sechst und das nur wegen mir.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.mammut-rockclimbing.ch

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