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Know-how

Welche Materialien haben welche Eigenschaften?

25.03.2010 09:49:04
Bergschuhe sollten im Idealfall die gleichen Eigenschaften besitzen wie Funktions-bekleidung: warm, winddicht, wasserdicht, atmungsaktiv. Das Problem: Das alles in einer einzigen Lage bzw. einem Materialverbund (im Gegensatz zum Zwiebelprinzip bei Bekleidung) zu leisten und gleichzeitig enorme Stabilität und Formstabilität zu gewährleisten, ist schwierig. Dazu bedarf es der richtigen Materialien.
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Leder oder Textil?

Mit oder ohne Membran? Allgemein gilt:
  • 1) Leder ist schwerer, aber abriebfester und formstabiler als Textilmaterialien.
  • 2) Eine Membran ist wasserdicht, andere Materialien nicht. Ausnahme: absolut dichte Beschichtungen (etwa PU) und Gummi.
Ein zwiegenähter, fester Lederschuh.
Leder ist der Klassiker - seit 8000 Jahren! Bei Bergschuhen ist Leder das am häufigsten verwendete Material. Es hat einige unschlagbare Vorteile: extrem robust, reiß- und abriebfest, flexibel, formhaltig und von Natur aus "atmungsaktiv". Es kann Feuchtigkeit aufnehmen und weiter nach außen abgeben. Leder passt sich dem Fuß an und unterstützt so eine gute Passform.

Hydrophobiertes Leder behält seine atmungsaktiven Eigenschaften weitgehend, die Poren bleiben offen. Aber die Lederfasern nehmen nur noch sehr wenig Feuchtigkeit auf. Bei Funktionsschuhen verwenden die Markenhersteller ausschließlich offenporiges Leder.

Eine Imprägnerung (Sprays oder -je nach Lederart - wachshaltige Pflegemittel) erhöhen die wasserabweisenden Eigenschaften und beeinflussen die Atmungsaktivität kaum.

Leder ist nicht gleich Leder

Tierart, Herkunft und Gerbung bestimmen die Lederqualität. Für funktionelle, hochwertige Berg- und Trekkingschuhe wird fast ausschließlich alpenländisches Rindleder verwendet. Die Gerbung innerhalb der EU bürgt gegenüber Billigimporten (die oft im modischen Bereich und bei Multifunktionsschuhen verwendet werden) für bessere Qualität.

Die Kombination aus textilem Obermaterial und Leder plus Membran wird gern verwendet.
In letzter Zeit ist tibetisches Hochrindleder, also Yakleder, ins Gepräch gekommen. Ecco und Hanwag verarbeiten dieses sehr geschmeidige Leder bei Wander- und Trekkingschuhen als Obermaterial. Yakleder ist sehr weich und atmungsaktiv, trotzdem sehr abriebfest.

Wird Leder auch im Schuh, also als Futter verwendet, machen sich die Hersteller die hydrophilen (wasserliebenden) Eigenschaften von Leder zunutze: Es kann bis zu 30 Prozent des Eigengewichts an Wasser aufnehmen, ohne nass zu wirken, und diese Feuchtigkeit gibt das Futter dann weiter nach außen ab.

Ist die Pufferkapazität jedoch überschritten, wird es ungemütlich. Leder braucht sehr lange, um wieder zu trocknen. In der Summe ist Leder nach wie vor allen anderen Materialien überlegen - mit Schwächen im Detail: Gewicht, Wasserdichtigkeit, Trocknungsverhalten.

Besonders unter nassen Bedingungen oder wenn es auf jedes Gramm ankommt, spielen daher textile Futterstoffe, kombiniert mit einer wasserdichten Membran wie eVent, Gore-Tex, Outdry oder Sympatex ihre Vorteile aus.
Die Vor-und Nachteile der verschiedenen Stoffe finden Sie hier!
Das Gute dabei: Sie können als Futter problemlos zusammen mit einem Lederschaft eingesetzt werden. Offenporiges Leder und eine wasserdichte Membran ergänzen sich hervorragend - wenn man sie gekonnt zusammensetzt.

Denn die limitierenden Faktoren des Funktionssystems Schuh sind nicht die einzelnen Zutaten, sondern die Konstruktion und schuhmacherische Sorgfalt: Wenn viel Kleber, eine dicke Isolierung oder ein wenig undurchlässiger Polsterschaum verwendet werden, senkt dies den Wasserdampfdurchgang im Extremfall gegen Null.

Hauptgründe für Textile

Eine gute Imprägnierung wirkt wasserabweisend.
Schaftmaterialien sind niedriges Gewicht und hohe Luftdurchlässigkeit. Die nötige Stabilität liefern feste Polyamidgewebe wie Cordura oder Kevlar. Um die erforderliche Formhaltigkeit zu gewährleisten, kombinieren es die Hersteller an entscheidenden Stellen mit Leder.

Die Synthetikfasern nehmen weniger Feuchtigkeit auf als Leder und trocknen dadurch schneller. Luftdurchlässiges Gewebe ist allerdings niemals dauerhaft wasserdicht. Außer bei Wüstenschuhen wird daher meist ein Futter mit einer der üblichen verdächtigen Membranen verwendet.

Was ist die beste Membran?

Marktführer Gore bürgt fur gleichbleibende Qualitat und Funktion, aber die poröse PTFE-Membran kann verschmutzen, was die Atmungsaktivität im Laufe der Zeit herabsetzt. Außerdem ist PTFE ökologisch betrachtet ein echtes Problem, da praktisch nicht abbaubar.
Schuhe müssen im Outdooreinsatz viel aushalten.
Für Event gilt ähnliches; es hat technisch bedingt jedoch den großen Vorteil, dass die Poren quasi immer offen stehen: Die eVent-Membran kommt ohne zusätzliche PU-Beschichtung der Membran aus und "arbeitet" sofort bei Beginn der schweißtreibenden Aktivität

Sympatex ist eine Polyestermembran ohne Poren. Der Vorteil: Wo keine Löcher drin sind, können auch keine verstopfen. Allerdings funktioniert dies erst ab einer gewissen Wassersättigung gut. Bis es soweit ist, "atmet" nichts; bei großer Kälte besteht dann die Gefahr, dass das Wasser gefriert. Hat die Sympatex Membran ausgedient, kann sie normal entsorgt werden und muss nicht auf den Sondermüll, da aus Polyester.
Die Vor-und Nachteile der verschiedenen Stoffe finden Sie hier!
Outdry fertigt - im Gegensatz zu anderen Membranherstellern - kein wasserdichtes Futter, sondern ein wasserdichtes Obermaterial. Das Komplett- Laminat aus hydrophiler, mikroporöser PU-Membran und Schaftaußenstoff verringert die Dicke des Schafts und vermeidet Zwischenräume, in denen sich Wasser ansammeln kann.

Text: Joachim Stark

Aus ALPIN 03/09
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02.09.2010 19:30:52