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ALPIN-Leserreise: Schneeschuh-Transalp

2. Tag: Vom Körbersee zum Kristberg

16.01.2007 10:05:18
Das Hotel Kristberg, in dem wir die vergangene Nacht zubringen durften, ist mit dem Auto nicht zu erreichen. Dementsprechend ruhig verlief die Nacht, so dass wir die zweite Etappe über das Auenfeld zum Panoramagasthof Kristberg gut erholt und bestens gelaunt angehen können.
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Ziel der 2. Etappe: Der Panoramagasthof Kristberg. Bildquelle: www.kristberg.at
Ausgangspunkt: Körbersee
Zielpunkt: Gasthof Kristberg
Höhenmeter: Aufstieg 300 Hm, Abstieg 900 Hm
Gehzeit: ca. 6 Stunden
Geplanter Tourenverlauf: Über das Auenfeld gelangen wir in den berühmten Wintersportort Lech. Nach einer kurzen Busfahrt über den Flexenpass (1.773 m) nutzen wir die Seilbahn am Sonnenkopf, um uns ein paar Höhenmeter zu ersparen. Ein wunderschöner mäßig geneigter Anstieg bringt uns zum Muttjöchle.

Der gestrige Tag begrüßte uns noch mit düsteren Wolken und einigen Regentropfen, heute jedoch scheint vom ersten Moment an die Sonne. Die dicken Jacken bleiben im Rucksack, während des ersten schweißtreibenden Aufstiegs zum Auenfeldsattel genügt manchem sogar ein T-Shirt.
Zur Bildergalerie der 2. Etappe
Während gestern innerhalb unserer Gruppe noch ein gewisses "fremdeln" auszumachen war, ist die anfängliche Schüchternheit inzwischen verflogen und man lernt sich näher kennen. Manche der Teilnehmer haben hunderte von Anfahrtskilometern auf sich genommen, um bei dieser Premieren-Wanderung dabei zu sein. Die Strahlkraft der ersten organisierten Winter-Alpenüberquerung auf Schneeschuhen hat sogar eine Bergfreundin aus Kiel, zwei Alpinisten aus den Niederlanden und einen lustigen Wanderer aus Luxemburg nach Oberstdorf gelockt. Letzterer heißt Jean, spricht ein herrliches Deutsch mit französischem Akzent und ist mit stolzen 67 Jahren auch der älteste Teilnehmer. Der Fitness nach gehört der begeisterte Kletterer aber beileibe nicht zum alten Eisen. Chapeau, Jean! In diesem Alter noch zu so einer Leistung in der Lage zu sein, nötigt mir allergrößten Respekt ab
Gruppenfoto auf dem Auenfeldsattel (1710m). Bildquelle: www.alpin.de
Die Tour führt uns nach dem Auenfeld hinab nach Lech, von wo aus wir mit dem Taxi einige Kilometer weiter fahren, um schließlich mit der Gondel hinauf in das Sonnenkopf-Skigebiet zu gelangen. Zunächst müssen wir uns durch den Pisten-Skitrubel kämpfen und fühlen uns durch unseren schneeschuhbedingtem "Watschelgang" ein wenig deplatziert unter all den durchgestylten Ski- und Snowboardfahrern. Doch wenig später, als wir das Skigebiet hinter uns lassen und uns nun einsam und alleine auf dem Panorama-Winterwanderweg zum Muttjöchle befinden, denke ich mir, dass manchmal das genussvolle Wandern den Adrenalinschüben alpiner Risikosportarten in nichts nachsteht.

Ulrike und Christoph begleiten uns auf der heutigen Etappe. Bildquelle: www.alpin.de
Die besonders gelungene Routenführung verdanken wir auch Ulrike vom Hotel Körbersee und ihrem Freund Christoph, die sich heute spontan entschlossen haben, uns zu begleiten. Christoph steht in Diensten der österreichischen Polizei, ist aber auch Berg- und Skiführer und verbringt fast die Hälfte seiner Dienstzeit im alpinen Gelände. Zu seinen Aufgaben, so erzählt er uns, gehört unter anderem das Aufnehmen von Skiunfällen oder die Suche nach Verunglückten. Um Wild-Tieren ihre Ruhezonen zu sichern, stellt sich Christoph an manchen Tagen auch an bekannten, aber verbotenen Skirouten auf, wartet bis ein "Falschfahrer" des Weges kommt und lässt diesen nicht nur eine mündlichen Belehrung, sondern auch eine Verwarnung über 25 Euro zukommen.

Weitere Artikel:
1. Tag: Von Oberstdorf zum Körbersee

Vom Panorama-Winterwanderweg gelangen wir nun in dichten und verschneiten Nadelwald, wo wir auf einem markierten "Snowshoe-Trail" hinab zum Panoramagasthof Kristberg laufen, dem Zielpunkt unserer heutigen Etappe.

Seniorchef Adolf Zudrell. Bildquelle: www.alpin.de
Nach einem leckeren Drei-Gänge-Menü entführt uns Seniorchef Adolf Zudrell noch auf einen nächtlichen Spaziergang, in dessen Verlauf er uns die Historie des Bergbaus im Montafon näher bringt. Seit dem frühen Mittelalter wurden auf den Höhen des Kristbergs verschiedene Erze aus dem Stein gehauen. Die Blütezeit des Bergbaus lag im 14. Jahrhundert und führte über wundersame Umwege auch zum Bau des ersten Gotteshauses im Tale Montafon. Wie es dazu kam erzählt uns Zudrell, im Bergmannkostüm gewandet, in ebendiesem Kirchlein.

Eine Legende erzählt, dass der Bau der Kapelle einem Gelübde von Bergknappen zu verdanken ist, die in einer Silbergrube im Kristberg verschüttet worden waren. Eine Rettung schien ausgeschlossen. So schworen die verzweifelten Knappen, dass, sollten sie noch einmal das Tageslicht erblicken, an dieser Stelle eine Kirche zum Lobe des Herren erbauen werden würde, ohne dessen Beistand sie zweifellos dem Tode geweiht seien. Nun, sie fanden wie durch ein Wunder einen Ausweg, hielten ihr Gelübde und bauten um 1400 das Kirchlein St. Agatha auf dem Kristberg.

Gelebte alpine Kultur. Bildquelle: www.alpin.de
Als dann Zudrell zum Abschluss seiner Geschichte inmitten des historischen Gemäuers auch noch eine Flöte herauszieht und bei Kerzenschein eine alte Bergmann-Weise mit der Nase (!) spielt, wissen wir endgültig, dass eine Trans-Alp vom Allgäu bis nach Südtirol mit sechs Gebirgsketten in vier Ländern niemals nur eine einfache Wanderung bedeutet sondern immer auch die Begegnung mit gelebter alpiner Kultur.

Holger Rupprecht

Weitere Informationen:
www.oase-alpin.de
www.koerbersee.at
www.kristberg.at


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16.01.2007 10:05:18
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21.05.2012 18:05:49