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ALPIN-Leserreise: Schneeschuh-Transalp

5. Tag: Von der Heidelberger Hütte nach Val S-charl

22.01.2007 15:17:47
Morgens um 7:00 sollte die Welt noch in Ordnung sein. Doch Thomas ist ein wenig besorgt. Die Sturmwarnungen, die uns der Nachrichtensprecher des Österreichischen Rundfunks präsentiert, geben unserem Bergführer zu denken.
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Aufstieg von der Heidelberger Hütte im Morgenlicht.
Ausgangspunkt: Heidelberger Hütte
Zielpunkt: Gasthaus Mayor im Val S-charl
Höhenmeter: Aufstieg 700 Hm, Abstieg 1300 Hm
Gehzeit: ca. 7 Stunden
Geplanter Tourenverlauf:
Der heutige Tag bringt uns ins Unterengadin. Nach zeitigem Aufbruch von der Heidelberger Hütte gelangen wir vorbei am Piz Tasna ins Val Laver und weiter nach Scuol (1.243 m). Am Nachmittag nutzen wir die Pferdekutsche, um das Gasthaus Mayor im Val S-charl zu erreichen.

Vor der Heidelberger Hütte ruft Thomas uns zusammen und bittet für den heutigen Tag um besonders "disziplinierte" Gehweise. Unsere heutige Etappe ist aufgrund ihres alpinen Charakters die ernst zu nehmendste unserer gesamten Alpenüberquerung. Und die zu erwartenden starken Böen verkomplizieren die Unternehmung zusätzlich.
Zur Bildergalerie der 5. Etappe
Dementsprechend bleiben wir während des Aufstiegs heute sehr nahe zusammen. Uns zu unterhalten ist unmöglich, zu laut pfeift der kalte Wind um uns herum. Allein mit unseren Gedanken stapfen wir in mitunter äußerst steilem Gelände hinauf. Der Schnee ist so tief, dass wir uns alle fünf Minuten mit dem Spuren abwechseln, um Kräfte zu sparen. Um uns während unseres zugigen Aufstiegs zur Fuarcla Davo Scharte vor dem "windchill Faktor" zu schützen, ziehen wir nach dem Zwiebelprinzip eine Schicht nach der anderen an. In der Scharte angekommen sind schließlich alle dick vermummt, tragen Mützen, Handschuhe und zum Teil auch Gesichtsmasken.
Der höchste Punkt unserer Alpenüberquerung ist erreicht: Gruppenfoto in der Fuarcla Davo Scharte (2807m).
Zum Glück ist es wenigstens trocken, so dass wir in der Scharte, dem höchsten Punkt unserer Alpenüberquerung ein wenig verweilen können, um Kräfte für den Abstieg ins Val Laver zu sammeln. Aufgrund der Lawinengefahr lässt Thomas uns in Abständen von 20 Metern den steilen Hang hinunter"rutschen". Trotz der über 1000 Höhenmeter, die es nun abwärts zu bewältigen gilt, spüre ich kaum Schmerzen in den Knien. Normalerweise bekomme ich im Laufe einer Wanderwoche mit vielen Abstiegen irgendwann Probleme. Schneeschuhwandern ist jedoch äußerst gelenkschonend, da man bei jedem Schritt in den weichen Tiefschnee tritt und nicht auf harten Fels.

Krönender Anschluss: Mit der Kutsche fahren wir ins Val S-Charl.
Der letzte Teil unserer heutigen äußerst abwechslungsreichen Tour führt uns auf einem tollen Abenteuertrail durch ein Flußbett. Über Felsen, vorbei an vereisten Wasserfällen, unter umgeknickten Bäume und über kleine Brückchen gelangen wir hinunter ins Tal. Dort erwartet uns ein Taxi, das uns nach Scuol ins Unterangadin bringt, von wo aus wir mit drei Pferdekutschen in das Val S-Charl gebracht werden.
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Eingehüllt in dicke Decken, mit Wärmflaschen auf dem Bauch, fahren wir mit offenem Verdeck in das einsame, im Winter autofreie Tal. Um uns herum bricht die Nacht herein, während die jeweils zwei eingespannten Freiberger-Pferde mit traumwandlerischer Sicherheit dahintraben. Zwei Stunden brauchen wir für die zehn Kilometer lange Strecke und als wir schließlich den Weiler S-Charl erreichen ist endgültig die Dunkelheit hereingebrochen, so dass wir die warmen, orangenen Lichter des Gasthauses Mayor, unserer heutigen Schlafstätte, schon von weitem sehen können.

Am Ziel erwartet uns das tolle Gasthaus Mayor.
An diesem Abend sind wir die einzigen Gäste im Mayor. Dementsprechend rührend und exklusiv kümmern sich Dominique Mayor und sein Team um uns und verwöhnen uns vor allem kulinarisch nach Strich und Faden. Als gegen 22:00 das Licht ausgeht, liege ich noch einige Zeit wach und lasse die Bilder dieses wunderschönen Tages noch einmal an meinem inneren Auge vorbeiziehen.
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Weitere Artikel:
1. Tag: Von Oberstdorf zum Körbersee
2. Tag: Vom Körbersee zum Kristberg
3. Tag: Vom Kristberg zur Bieler Höhe
4. Tag: Von der Bieler Höhe zur Heidelberger Hütte

Holger Rupprecht

Weitere Informationen:
www.oase-alpin.de
www.heidelbergerhuette.at
www.gasthaus-mayor.ch


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22.01.2007 15:17:47
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