Die Österreicherin im Interview über den Druck im Wettkampfsport, ihr Wettkampf-Ende und neue Ziele.

Bereits im Alter von sechs Jahren, unterstützt von ihren Eltern, begann die Österreicherin Anna Stöhr mit dem Klettern und verzeichnete schon als Wettkampfkletterin im Jugendteam erste Erfolge auf internationaler Bühne. Anna Stöhr war stets im Wettkampfsport zuhause.

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An künstlichen Wänden kletterte sie zu ihren größten Erfolgen, gewann dreimal den legendären Boulderwettkampf Rock Master in Arco, sicherte sich viermal den Gesamtweltcup und wurde doppelte Welt- sowie Europameisterin im Bouldern.

Ihre beeindruckenden Boulder- und Kletterprojekte am Fels, mit Erstbegehungen auf unterschiedlichen Kontinenten, sind hingegen weniger bekannt. So gelangen ihr 2017 die schwierigsten Boulder der Welt: "New Base Line", 8b +, Schweiz, "The Penrose Step", 8b+, FFA Boulder in den USA sowie "Steppenwolf", 8b, FFA Boulder, Schweiz.

Stephanie Bartl traf Anna Stöhr in Innsbruck und durften ihr ein paar Fragen stellen.

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Halle oder Natur-Fels?

Wenn ich einen Tag frei habe, dann bin ich lieber draußen am Fels unterwegs. In der Natur sein und dort Spaß zu haben ist nicht zu überbieten. Aber wenn es sich aus irgendeinem Grund nicht ausgeht, an den Fels zu kommen, dann tobe ich mich auch gern bei interessanten Routen oder Bouldern in der Halle aus. Alles zu seiner Zeit. (Anna lacht)

Bouldern oder Mehrseillängentour?

Die Abwechslung macht es aus. Bisher war ich viel mehr an Bouldern zu finden. Aber ich bin motiviert mich auch als Kletterin weiterzuentwickeln und schaue neuen Herausforderungen entgegen.

Eine kleines Video mit Anna Stöhr seht Ihr hier:

Du zählst zu den erfolgreichsten Kletterinnen der vergangenen Jahre? Wie fühlt sich das an?

Ganz gut. (Anna zwinkert und lacht)

Was hast Du besonders geliebt an der Zeit, in der Du die Kletterszene dominiert hast?

Mich hat es fasziniert so viel umherzureisen, mit meinem Freund (Kilian Fischhuber, d. Red.) und dem gesamten Team eine gute Zeit zu haben, viele andere gleichgesinnte Kletterer und Kletterinnen kennenzulernen und sich ein Netzwerk aufzubauen. Wenn man dann auch noch erfolgreich sein kann, ist das einfach cool.

Verändert Erfolg die innere Einstellung? Wie groß war der Druck, an der Spitze zu bleiben?

Natürlich macht man sich manchmal selbst am meisten Druck, aber ich habe mit der Zeit gelernt damit umzugehen. Am besten klettere ich, wenn mir das Klettern einfach Spaß macht und ich andere Gedanken ausblenden kann.

Du hast Dich 2018 nach Deinem Unfall vom Wettkampfsport verabschiedet? Vermisst Du die Competition?

In gewisser Weise vermisse ich den Wettkampfzirkus an sich schon, aber ich denke es war an der Zeit für mich etwas Neues zu starten.

… und was kommt jetzt?

Viele spannende Projekte draußen! Egal ob Boulder, Sportkletterroute oder Mehrseillängentour.

Gibt es eine Wand, die Dich ganz besonders interessiert?

Es gibt so viele schöne Wände. In meiner unmittelbaren Nähe zum Beispiel etliche Wände im Zillertal, am Schleier oder in Arco. Ich bin schon so viel gereist und habe unzählige Gebiete kennengelernt. Aber mich fasziniert, Neues für mich zu entdecken. Daher ist es unmöglich, mich für eine einzige Wand zu entscheiden, die besonders interessant ist. Es sind viele. Sehr viele.

Da kommt Dein neuer Sponsor zur richtigen Zeit?

Ja, das stimmt. Als Mitglied des SALEWA Athleten Teams fühle ich mich super aufgehoben und habe Menschen um mich, die mich inspirieren.

Was würdest Du einem Nachwuchstalent des Wettkampfkletterns mit auf den Weg geben?

Versuche vielseitig zu sein und probier´ mit Spaß an die Sache ranzugehen. Umgib´ Dich mit Leuten, die Dich pushen und Dich wirklich verstehen, um alles aus Dir rausholen zu können.

Gibt es Situationen im Sportbereich, die Du bereust?

Nein.

Hast Du Vorbilder?

Ich finde es spannend unterschiedlichen Kletterinnen und Kletterern zuzusehen. Ich glaube, man kann für sich stets viel mitnehmen und lernen. Menschen, die für das Klettern brennen, inspirieren mich.

Text von Stephanie Bartl

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