Das Internet hat viel verändert - auch unser Reiseverhalten. Wir hatten Euch gefragt, was Ihr davon haltet. Hier das Ergebnis unserer Umfrage.

Das World Wide Web macht seinem Namen alle Ehre: Seine gesammelten Inhalte sind weltweit fast überall verfügbar. Das ist Segen und Fluch zugleich.

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Segen, weil Information in unserem Zeitalter das wichtigste Gut ist. Und Fluch, weil nicht jede veröffentlichte Information positive Konsequenzen hat. Klar, das Internet vernetzt Menschen, macht manche soagr berühmt.

Stars werden geboren – nicht zuletzt dank sozialer Medien. Das gilt nicht nur für Menschen, denn die mediale Datenflut all der Handy- und Digitalkamera-Bilder macht auch Orte zu Stars.

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In Reih und Glied fürs Selfie: An der Trolltunga Regel statt Ausnahme!

Hot Spot Trolltunga

Wie die Felsenzunge Trolltunga im Süden Norwegens Von ihr finden sich tausende Fotos. Sicher war das zu Analog-Bild-Zeiten bei berühmten Motiven wie dem Matterhorn auch schon so. Nur waren die Bilder damals nicht alle auf einer Plattform wie Instagram vernetzt und dank Hashtag mit einem Klick auffindbar.

Und noch ein entscheidender Schritt fehlte damals: Der Influencer, der den Reiseort seiner Wahl all seinen Followern/Jüngern anpreist und damit vielleicht erst deren Bedürfnis weckt, selbst einmal dorthin zu fahren.

Mehr über die Trolltunga und andere Hot Spots in Süd-Norwegen lest Ihr in der Reportage von Wibke Helfrich in ALPIN 01/2019. 

| © www.alpin.de

Und so herrscht dank Instagram und Co. an Orten wie der Trolltunga heutzutage oft Übertourismus. 2008 kannten sie nur wenige – kaum100 Besucher kamen pro Jahr. 2018 waren es schon über 100.000! Auch weil das Internetportal Buzzfeed den Ort 2014 zu einem der besten Selfie-Spots weltweit kürte.

Mit weitreichenden Konsequenzen: Besucher müssen in der Hochsaison bis zu vier Stunden für ihren Selfie-Moment anstehen. Und die betroffenen Gemeinden müssen ob der Menschenmassen vielfältige Probleme lösen: Parkplätze, Verkehrsführung, Müllentsorgung, Naturzerstörung, Toiletten, ...

Das Ergebnis unserer Umfrage

© www.alpin.de

Wir wollten von Euch wissen, ob Ihr touristische und landschaftliche Highlights besuchen würdet, auch wenn dort dank Instagram und anderer Medien hunderte Menschen mit Dir unterwegs sind? Oder ist das besondere Erlebnis für Euch auch in der Ursprünglichkeit des Ortes begründet, die mit Menschenmassen nicht mehr gegeben ist und die von den Touristenströmen geradezu zerstört wird?

Das Ergebnis unserer Kontrovers-Umfrage ist diesmal ziemlich eindeutig ausgefallen. Die überwältigende Mehrheit von Euch kann Reise-Postings zwar durchaus etwas abgewinnen, würde aber niemals auf die Idee kommen "an selber Stelle das gleiche Motiv zu fotografieren", um es dann eventuell auch in den Sozialen Netzwerken zu posten. 

Rund 11 Prozent unserer User hat indes kein Problem damit, sich von Instagram und Co. inspirieren zu lassen und hier auch Bilder von den letzten Outdoor-Abenteuern zu posten. 

Sämtliche abgegebenen Kommentare findet Ihr - wie immer - unterhalb des Artikels. Hier eine redigierte Auswahl:

Tobi: Es gibt viele Orte dieser Welt, die mittlerweile den Reiz verloren haben, weil sie einfach durch die modernen Medien zu präsent geworden sind.

Heinz: Ich kenne mystische Orte - und würde diese niemals öffentlich 'sozial networken'. Ein solcher Ort existiert nicht mehr sehr lange, wenn Instagram, Facebook und Co. darüber berichten. Leider ist dies einer der sehr negativen Aspekte des Internet und Ausdruck stetig wachsender narzisstischer Exzesse von Selbstdarstellern, Selfisten und Egomanen!

Monika: Die Natur steht nicht mehr im Vordergrund , nur noch der Egoismus - ich war auch schon hier. Nachdenken Mangelware. Unsere Kultur verflacht immer mehr. Man beachte nur, dass nur noch mit dem Blick auf das Handy die Umwelt wahrgenommen wird. Und an das Klima durch die unnütze Fliegerei denkt auch niemand.Ich finde diese Entwicklung erschreckend.

Georg: Ich lasse mich schon auch inspirieren von solchen Fotos, es schreckt mich aber ab, wenn dort Massentourismus herrscht. Bilder posten, die schon tausend andere gepostet haben, mache ich nicht. Ich glaube aber auch, dass dieser Trend sich wieder zum Teil legen wird, wenn die Bilder keiner mehr sehen kann.

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31 Kommentare

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Wolfram Schöbel

Oberflächlichkeit, Sensations- und Geltungsbedürfnis, Beliebigkeit und (visuelle/inhaltliche) Unaufrichtigkeit – Dinge, die einem bewussten und respektvollen Begegnen (mit Menschen, Situationen, Orten, der Natur …) diametral entgegen stehen, sind leider Kern der Instagram„kultur“. Und: sie erzeugen unnötige bzw. i.d.R. nicht zu verantwortende Belastungen und Auswirkungen. Wer Berge, Natur, Abenteuer wirklich lebt und liebt, sollte den Un-Sinn darin erkennen und darum sinn- und respektvoll handeln – also das lassen.

Tobi Scheller

Es gibt viele Orte dieser Welt, die mittlerweile den Reiz verloren haben, weil sie einfach durch die modernen Medien zu präsent geworden sind.

Anonymer User via Voting-Tool

Diese ständige Selbstprofilierung und -darstellung ist was für Menschen mit Komplexen.

Heinz

Ich kenne mystische Orte - und würde diese niemals öffentlich 'sozial networken'. Ein solcher Ort existiert nicht mehr sehr lange, wenn Instagram, Facebook und Co. darüber berichten. Leider ist dies einer der sehr negativen Aspekte des Internet und Ausdruck stetig wachsender narzisstischer Exzesse von Selbstdarstellern, Selfisten und Egomanen!

Anonymer User via Voting-Tool

Ich finde das Thema sehr kontrovers. Erstens ist Massentourismus ganz klar nicht unser Ding, aber auf der anderen Seite nehme ich mir viele Inspirationen aus Instagramm. Im Sommer 2016 waren wir das erste Mal im Westen Kanadas unterwegs und sind seitdem jeden Sommer wieder da gewesen, weil es so wunderschön dort ist. Viele Leute sagen "vor fünf Jahren war es viel schöner, als es kein Instagramm gab und das noch nicht alles so beliebt bzw. bekannt war". Ich kann natürlich nicht sagen wie es vor 5 Jahren war aber es ist schon sehr krass. Das fängt schon mit den Reservierungen für Campingplätze an. Sobald das Reservierungsfenster öffnet ist die Webseite überlastet und wenig später sind gefragte Termine oder Stellplätze ausgebucht. Vor Ort ist es dann grausam mit einem 8 Meter langen Wohnmobil in kleinen Dörfchen wie Banff einen Parkplatz zu finden, weil diese Orte Anfang Juni dermaßen überlaufen sind. Die Hauptsehenswürdigkeiten wie z.B. Lake Louise sind so voll, dass man kein anständiges Foto machen kann und man sich auch nicht dort aufhalten möchte. Um einen Parkplatz am Morraine Lake zu bekommen muss man morgens um 6 dahin fahren. Da dort auch viele schöne Wanderwege starten kommt man nicht umhin sich dem Massentourismus auszuliefern. Mit am krassesten fanden wir es aber am Peyto Lake. Auf der offiziellen Aussichtsplattform ist es dermaßen überlaufen, dass man auch dort kein gutes Foto machen kann. Geht man allerdings nur ein paar hundert Meter weiter, kann man in völliger Einsamkeit ungestört die wundervolle Aussicht genießen - ganz ohne Lärm und Leute, die einem vor die Kamera laufen. Viele Leute reisen dort mit Reisebussen, werden zu den Aussichtsplattformen gekarrt, machen ein Selfie und weiter gehts zum nächsten Spot. Das hat mit Urlaub und Erholung gar nichts zu tun. Wir suchen uns wenn wir dort sind am liebsten die einsameren Plätzchen aus und rückblickend waren auch die Wanderungen wo man kaum jemanden getroffen hat, die schönsten.

Evi

Leider ist es so,dass jeder zeigen muss,wo man sich befindet oder war. Das ist /will die heutige Zeit. Ich habe das Glück von der Generation zu sein,die sich traf um zu erzählen,was man erlebt oder gesehen hat.Die telefonierte um zu fragen wie es einem geht. Der Fortschritt ist sehr wichtig,auch ich nutze ihn. Aber wir sind diejenigen die unsere Natur kaputt machen.Nicht nur mit den Medien am Hotspot,sondern auch ,mit Drohnen und Müll wie Zigarettenstummel,Papier,Toilettensachen,Bananen/Orangenschälen,usw. Jeder spricht davon,jeder weiss wie es geht,aber....

HD

Wo ist der Unterschied zwischen einem Reiseericht in Alpin nach `alter analoger` Art, z.b. über ein urtümliches Tal, Hotspot im Tessin und einer Darstellung via Selfie etc. über einen Hotspot in der Welt.
Wir alle machen die Welt so wie sie ist - heute geht sowas noch viel schneller als früher in einer Zeitschrift wie Alpin.
So gesehen müßte sich Alpin auch an die eigene Nase fassen, schließlich lebt das Magazin eben von Reiseberichten, Hotspots und deren `exklusiven` Darstellung.

Anonymer User via Voting-Tool

Massen turismus in Südtirol speziell Drei Zinnen oder Pragser Wildsee erreicht alle Maße und Ziele die schon längst überschritten sind und die Hotelerie verlangt nach noch mehr Gästen. Genug ist genug, es nützt nichts die Leute in Bahnen zu kanalisieren Mountainbike strecken auszuweisen und mit Geld abzocken. Ich kann nur jeden raten diese Gegend und wenn sie noch so schön ist zu meiden denn die Endtäuschung ist sehr groß.

Klaus Weigel

Ich gehe gern in die Berge, wandern und auf leichte Klettersteige. Ich fotografiere altmodisch mit einem Fotoapparat und stelle keine Fotos ins Internet. Man kann auch gut ohne spektakuläre Selfies leben.

Olli Schneider

Das Problem das ich bei all diesen "neuen" Formen der Reiseberichterstattung - letztenends ist es ja nichts anderes - sehe, ist eine Überlagerung der eigenen Wahrnehmung durch ein bereits vorgefertigtes Bild durch unzählige vorweggenommene bildliche Schilderungen. Bereits bevor ich den Ort bereise, kenne ich schon sehr viel Details. Der Reiz der Entdeckung wird dadurch vermindert. Natürlich wird das dann erlebte nicht intensiver im positiven Sinn, wenn es mit Massen geteilt werden muss. Insofern werden diese Orte dann für uns zunehmend wertlos, da sie weder die Möglichkeit wahren entdeckens noch das Erlebnis echter Wildnis vermitteln können.

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