Halbpension oder Selbstversorgung? Wir wollten wissen, wie Ihr Euren Hüttenaufenthalt in den Bergen gestaltet.

Was in den 70er- und 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts normal war, nämlich sein selbst mitgebrachtes Essen auf SAC-Hütten selbst zu kochen, scheint ein Auslaufmodell zu sein. Schade,denn damit wird der Hochtouren Urlaub in den Schweizer Bergen leider wieder etwas teurer.

- Anzeige -

Heute sind Bergsteiger, die auf bewirtschafteten Hütten des Schweizer Alpenclubs (SAC) das im Rucksack hochgetragene Abendessen selbst kochen wollen, keine gern gesehenen Gäste mehr.

Wird von Euch auch auf bewirtschafteten Hütten schon mal der Gaskocher angeworfen?

| © Picture Alliance

Diese "Selbstkocher" haben schweizweit einen schweren Stand, obwohl auf SAC-Hütten auch heute noch kein Konsumationszwang besteht. Im 2017 revidierten und verabschiedeten Hüttenreglement des SAC steht es sogar schwarz auf weiß: Selbstversorger sind in allen Hütten willkommen, sie dürfen bei der Reservierung nicht benachteiligt werden und es gibt keinen Konsumationszwang.

- Anzeige -

Wer sich selbst versorgt, darf selbstverständlich zusammen mit den anderen Gästen in der Hüttenstube essen. Grenzen hat die Toleranz gegenüber Selbstversorgern aber dort, wo diese für die Infrastruktur der Hütte nichts bezahlen wollen. Als No-Go gilt, vor der Hütte zu zelten, um gratis Wasseranschluss und Toiletten zu nutzen.

Auf Hochtourenhütten in Frankreich, wie der Cosmiques-Hütte etwa, ist gar das Kochen in der Gaststube erlaubt und gang und gäbe. Denn vor der Hütte ist das allein aus Platz- und Witterungsgründen kaum möglich.

Auf den Hütten des Deutschen Alpenvereins "haben alle Mitglieder – und nur die – das Recht, selbst mitgebrachte Speisen und Getränke zu verzehren", sagt DAV-Pressesprecher Thomas Bucher. Dabei sei es egal, ob es sich um warme oder kalte Gerichte handle und ob diese vor oder in der Hütte konsumiert würden. Verboten seien nur alkoholische Getränke.

"Selbst kochen ist kein Problem“, so Bucher, "das muss man aber draußen machen." Allerdings könnten Hüttenwirte für den Verzehr mitgebrachter Speisen einen Infrastruktur-Beitrag erheben, der in der Regel bei rund 1,50 Euro liege.

So verpflegt Ihr Euch auf Hütten: Das Ergebnis unserer Umfrage

Wir wollten von Euch wissen, wie Ihr Euch in den Bergen verpflegt. Bucht Ihr unterschiedlich, je nachdem in welches Land oder in welche Bergregion Ihr fahrt? Und was haltet Ihr vom Modell "Selbstversorgung" auf bewirteten Hütten?

© www.alpin.de

Das Ergebnis unseres Votings zeigt, dass eine knappe Mehrheit von Euch auf die Option "Halbpension" setzt. Rund 43% der Umfrage-Teilnehmer entscheidet spontan, ob zur Übernachtung noch Geld für Abendessen oder Frühtsück ausgegeben wird. Etwas über zehn Prozent von Euch versorgt sich auf Hütten komplett "aus Bordmitteln". 

Sämtliche abgegebenen Kommentare findet Ihr unterhalb des Artikels. Hier eine redigierte Auswahl:

Martin: "Es kommt immer darauf an, was ich in den Alpen vorhabe. In manchen Regionen sind Selbstversorgerhütten vorhanden, die passen auch in meine Tourenplanung, dann versorge ich mich gerne selbst; es gibt aber auch Bereiche, in denen nur die "Verpflegungshütten" zu finden sind, da nehme ich dann nur ein Teilverpflegung mit, und das passt dann auch."

Mario: "Ich bin klarer Befürworter der Selbstversorgung. Primär hat das, vor allem in der Schweiz, für mich als Student finanzielle Gründe. Aber auch den Aspekt, sich über das eigene Essen Gedanken zu machen und dies mit in die Tourenplanung einzubeziehen halte ich für sinnvoll."

Arno: "Wovon soll ein Hüttenwirt den ganzen Sommer (und Winter) über leben, wenn er aus der Hüttengastronomie nichts umsetzen kann, wo doch die Nächtigungsentgelte direkt an die Hütteneigentümer-Sektion fließen?" 

Tom: "Ich erlebe immer wieder, dass die Alpen Vereinshütten so langsam zum Berghotel mit Rustistyle umstrukturiert werden. Die Kundenklientel, die sich mittlere Weile da einbucht, möchte 4-Sterne mit Hüttenflair. Das spürt man an den Preisen, ob Essen oder Übernachtung - unabhänig der Versorgungsstruktur."

- Anzeige -

29 Kommentare

Kommentar schreiben
Jochen Miller

Frühstücken auf Hütten wird immer mehr zur Abzocke! Teure Buffets von denen natürlich nichts mitgenommen werden darf + angebotene Lunchpakete, da ist man schnell mal 20 € pro Person los. Noch vor 5 - 10 Jahren, als wir als Familie auf Hüttentrekking unterwegs waren konnte man sich ein Frühstück bestellen, welches so üppig war, das es als Mittagsverpflegung auch noch reichte, mit um die 8 € war das fair. Der Gipfel der Unverschämtheit war erst die Karlsbader Hütte mit ihrer Zwangsverpflegung - Frühstücksbuffet war bei der Übernachtung automatisch dabei, für 12,50 € extra!

User über Umfrage-Tool

Die Hütten leben auch vom Umsatz, daher sollte man nicht immer nur auf "Geiz ist geil" gehen.

Martin Hinkel

Es kommt immer darauf an, was ich in den Alpen vorhabe. In manchen Regionen sind Selbstversorgerhütten vorhanden, die passen auch in meine Tourenplanung, dann versorge ich mich gerne selbst (Z.B. Gruebenhütte in der CH -sehr gut!-) , es gibt aber auch Bereiche, in denen nur die "Verpflegungshütten" zu finden sind, da nehme ich dann nur ein Teilverpflegung mit... Und das passt dann auch...

User über Umfrage-Tool

Ich finden des den Wirten gegenüber nicht in Ordnung sich selbst zu versorgen. Teilweise gibt es sogar schon Probleme überhaupt Pächter für Hütten zu finden. Meiner Meinung nach sollte die Selbstversorgung auf Hütten verboten werden. Für den kleinen Geldbeutel wird ja auch auf jeder Hütte ein Bergsteigeressen angeboten.

Eric

Gerade für uns Vegetarier hat sich auf leider allzuvielen Hütte noch nicht so viel "getan". Meist wird Toleranz einseitig eingefordert. Gelegenheitsbergsteiger sind halt auch eher bereit, sich ihren Besuch am Berg was kosten zu lassen und wollen sich was gönnen. Da die Selbstversorger eindeutig eine Randgruppe darstellen, sehe ich keinen Grund, warum sich die Pächter als in ihrer Existenz bedroht geben. Der ÖAV hat, scheinbar auf Druck seiner Pächter, das Recht auf Selbstversorgung für Mitglieder aus den Statuten genommen. - Schade. Vielleicht ist auch deshalb ein Trend zu Biwakschachteln und SV-Hütten zu verzeichnen?

Mario

Servus liebe Bergfreunde, ich bin klarer Befürworter der Selbstversorgung. Primär hat das, vor allem in der Schweiz, für mich als Student finanzielle Gründe. Aber auch den Aspekt, sich über das eigene Essen Gedanken zu machen und dies mit in die Tourenplanung einzubeziehen halte ich für sinnvoll. Der Tour verleiht dies noch mehr den Charakter "by fair means". Generell habe ich bislang keine negativen Erfahrungen auf Hütten gemacht, jedoch immer gespürt, dass dies nicht sehr gern gesehen wird. Auch waren wir auf den letzten Touren immer die einzigen Selbstversorger, was mich doch sehr wundert. Was mir jedoch seit Jahren auf Hochtouren missfällt, ist der Trend zum Überangebot auf Hütten. Die Halbpension ist ja schön und gut, aber müssen auf den Hütten zig Weine unterschiedlicher Rebsorten vorhanden sein, Warmwasser zum Duschen oder WLAN? Letzendlich werden solche Güter überwiegend mit dem Helikopter in die Höhe geflogen und eine jede/ ein jeder sollte sich Gedanken darüber machen, ob dies wirklich ökologisch vertretbar ist.

Arno

Wovon soll ein Hüttenwirt den ganzen Sommer (und Winter) über leben, wenn er aus der Hüttengastronomie nichts umsetzen kann, wo doch die Nächtigungsentgelte direkt an die HüttenEigentümerSektion fließen? Schon mal darüber nachgedacht, wo auf 2600 m Höhe sauberes Trinkwasser herkommt? Wo die Energie herkommt, Strom, Gas, Holz? Wie Abfälle, Abwasser, Fäkalien entsorgt werden? Was das alles an Unkosten für Wirt und Sektion bedeutet? Wer finanziert den Erhaltungsaufwand und laufend erforderliche kleine wie größere Investitionskosten? Die Mitglieder einer HüttenEigentümerSektion allein werden dies nicht allein stemmen, damit andere ihren Billigurlaub auf ihrer Hütte absolvieren können. Ein kleiner Prozentsatz an Selbstversorgern ist kein Problem. Und wer gar kein Geld hat, kann oft auf den Hütten gegen kleinere Arbeitsleistungen sogar kostenlos schlafen und essen, da verzichten Sektion wie Pächter gerne auf eine kleine Einnahme. Nur soll und kann Selbstversorgung nicht zum Normalbetrieb einer Hütte werden. Dann müsste man sie zusperren, weil sich dafür niemand als Sponsor finden wird.

User über Umfrage-Tool

Ich denke es ist egoistisch, gerade die kleinen Hütten benötigen diesen Ertrag. Nichtsdestotrotz ist es ein Stück Urlaub sich vom Hüttenpersonal verwöhnen zu lassen.

User über Umfrage-Tool

Alle sollten frei entscheiden können wie sie sich verpflegen, und nicht zu HP gedrängt werden, wie es manchmal vorkommt. DAV Hütten sind für Bergsteiger und nicht für Pauschaltouristen und das ist ja auch der Sinn der Berghütten, das sollte man dabei nicht vergessen. Wer Komfort und Vollpension benötigt sollte im Tal bleiben.

User über Umfrage-Tool

Im Grunde ist es keine schlechte Sache, die Hüttenwirte zu unterstützen. Sie machen keine leichte Arbeit, und wir sind irgendwann mal alle auf sie angewiesen. Man soll aber weiterhin immer die Wahl haben dürfen und zu darf gerade in den Bergen nicht zum Konsum gezwungen werden.

Seite 1 / 3 Next