ALPIN-Redakteur Andreas Erkens traf Michi Wohlleben im Olympiapark in München und sprach mit ihm über die Gefahren seines Jobs.

Im Herbst war Michi Wohlleben auf einem Kurzbesuch in München. Unser Redakteur Andreas Erkens nutzte die Chance und schnappte sich den Profi-Alpinisten für ein kleines Interview über Risiken im Profi-Alpinismus. 

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Interview mit Michi Wohlleben

"... Der eigentliche Trick ist es, die Aufmerksamkeit hochzuhalten

| © ALPIN 12/17

Wie ist das für dich, wenn Vorbilder und Freunde wie Ueli Steck bei so banalen Aktivitäten sterben

Dass es bei solchen Banalitäten passiert, macht es einerseits für uns einfacher, weiterhin am Limit unterwegs zu sein. Andererseits gibt es mir natürlich zu denken, weil wir im Alltag als Bergführer und Profis die ganze Zeit in banalem Gelände unterwegs sind – auch beim Training –, wo man eben abstürzen kann. Das sind zwei grundsätzlich konträre Gedanken.

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Es ist doch auch ein Teil deines Jobs, dich mit dem Risiko zu beschäftigen, oder?

Klar das gehört dazu und man denkt darüber nach. Aber das Problem ist ein grundsätzliches: So ein Unfall ist zwei, drei Monate lang präsent und dann nicht mehr. Im Prinzip müsste man diesen Gedanken aber beibehalten, um genauso fokussiert zu bleiben. Denn der eigentliche Trick ist es, die Aufmerksamkeit hochzuhalten. Aber wie soll das gehen, bei 300 Tagen im Jahr in den Bergen?

Hier seht ihr Michi Wohlleben in Action bei der Mixedkletter-Erstbegehung "Stirb langsam" oberhalb von Ehrwald.

Du wolltest immer Profi-Alpinist werden und verdienst heute damit deine Brötchen. Wie groß ist die Gefahr, dem Streben nach Bekanntheit und Sponsoren alles unterzuordnen?

Es gab sicher eine Phase in meinem Leben, wo mir das Profi-Werden wichtig war. Aber heute geht es mir nicht mehr um Öffentlichkeit. Ich habe starke Partner, die hinter mir stehen, auch wenn in einem Jahr mal nichts läuft. Das ist gut zu wissen und hält entspannt – auch wenn ich mir selbst natürlich ganz schön Druck mache. Aber eben nicht aus medialen Gründen, sondern aus persönlichen. 

Mittlerweile geht es bei mir nur noch über die Leidenschaft, den Drive und die Motivation für ein Projekt. Und nur so funktioniert das für mich auch langfristig. Mediale und finanzielle Gründe reichen nicht aus, um so viel zu geben wie ich. Das ist im Grunde ganz simpel. Ich mache auch Projekte, die ich nicht medial nutze. Im Gegenteil: Es stieße mir auf, wenn mir Sponsoren sagten, ich solle irgendwohin fahren für eine Story.

Der Trailer "Stirb langsam":

Text von Andreas Erkens

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