An den großen Bergen geht auch bei Hobby-Bergsteigern der Trend hin zu schnellen Besteigungen.

"Schade, dass heute alles so schnell geht. Wir hatten früher einfach mehr Zeit, am Everest beispielsweise zweieinhalb Monate. Aber die Leute haben diese Zeit heute nicht mehr oder sie nehmen sie sich nicht", bedauert Peter Habeler, der 1978 mit Reinhold Messner als erster Mensch den Mount Everest ohne Flaschensauerstoff bestiegen hat.

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Dünne Luft: Vorakklimatisation im Hypoxie-Zelt.

| © www.alpin.de

Etwas anders sieht das der US-Bergführer Adrian Ballinger. Der Expeditionsanbieter setzt in seiner Agentur auf sogenannte "Rapid Ascent Expeditions". Deren Teilnehmer gewöhnen sich noch in der Heimat in Hypoxie-Zelten an die dünne Luft, um sich so die Zeit für die aufwendige Akklimatisation vor Ort zu sparen, und reisen erst an, wenn der Berg schon mit Fixseilen präpariert ist.

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Für kommerzielle Expeditionen sei dieses Vorgehen von Vorteil, "weil man dank Vorakklimatisationdie Expeditionsdauer um 30 bis 50 Prozent verkürzen kann. Das verbessert Erfolgschancen und Sicherheit", erläutert Ballinger. Für die Kunden von Alpenglow Expeditions soll der Everest künftig in weniger als drei Wochen machbar sein. Andere Expeditionsveranstalter haben bereits ähnliche "Speed-Begehungen" im Programm. 

Doch die sind extrem teuer. Grund für die höheren Kosten seien "die aufwendige Logistik und die komplexe, extra für dieses Projekt angefertigte Spezialausrüstung", gibt der Tiroler Expeditionsveranstalter Lukas Furtenbach zu verstehen.

Was Kritiker wie Ralf Dujmovits und erfahrene Höhenmediziner zu dem neuen Trend an den höchsten Bergen der Welt sagen, lest Ihr in der Reportage "Schneller höher?" von Andreas Erkens, erschienen in ALPIN 06/2017.

Hier das Ergebnis unseres Votings

Wir hatten Euch gefragt, was Ihr von dem Trend haltet, dass immer mehr Expeditionsanbieter auch Speed-Begehungen für ihr zahlende Kundschaft anbieten. Fast zwei Drittel von Euch, die sich an der Befragung beteiligt haben, sieht diese Entwicklung äußerst kritisch, während rund ein Drittel der Ansicht ist, dass man diesen Trend nicht grundsätzlich verdammen sollte. 5 Prozent der Befragten gaben an, dazu keine Meinung zu haben.

Im Diagramm seht Ihr das exakte Ergebnis der Befragung "Was haltet Ihr von dem Trend, Expeditionen immer schneller und kürzer zu machen".

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Zu dem Thema wurden auch zahlreiche Kommentare abgegeben. Alle Kommentare findet Ihr ungekürzt unter dem Artikel. Hier eine redigierte Auswahl:

Franz Friebel: Wer die Expeditionsdauer auf solche Art und Weise verkürzt, verändert das Gesamterlebnis "Expedition". Das hat mit Bergsteigen nichts mehr zu tun, sondern ist nur noch Eventtourismus.

Ramona Günther: Wenn ich in die Berge gehe, will ich den Stress von der Arbeit ablegen und mir nicht neuen auferlegen. Aber so ist es nun mal in unserer Gesellschaft: Es muss immer schneller, höher und weiter gehen, ein entspanntes Mittelmaß gibt es doch schon gar nicht mehr. Und so rennt eigentlich jeder nur noch durchs Leben - wie traurig.

Dirk Becker: Gute Vorbereitung, Akklimatisation, Fitness und Schnelligkeit sind risikominimierende Faktoren. Daher sehe ich Anstiege auch als sportliche Anforderungen. Der Berggenuss kann sich auf einfacheren Wanderungen, auf dem Gipfel oder im ungefährlichen Gelände einstellen.

Folkert Lenz: Ein jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden. Wer an den hohen Bergen schon mal wochenlang im Basecamp ausharren musste, der weiß auch, dass das nicht immer ein Zuckerschlecken ist. Von daher: Später hin, eher davon? Keine schlechte Idee! Wer die Zeit im Base-Camp braucht, um das Steigeisengehen zu lernen, hat da oben eh nix verloren!

Peter Flux: Wenn man gut akklimatisiert ist, ist es klar, dass man bei einer schnellen Besteigung weniger subjektiven Risiken ausgesetzt ist. Das Wetterfenster kann kürzer sein. Allerdings ist eine schnelle Besteigung auch anstrengender (Leistung = Arbeit pro Zeiteinheit), man muss noch fitter sein. Und man darf sich erst recht keinen Fehltritt leisten bei dem höheren Tempo.

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38 Kommentare

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Holger Heimberg

Der Genuss liegt mit Sicherheit nicht im Speed-Bergsteigen. Die sportliche Seite ist wiederum anders gelagert. Beides hat seinen ganz besonderen Stellenwert und Reiz. Der eine oder andere Bergsteiger hat evtl. auch keine Zeit es langsamer angehen zu lassen. Ein Problem unserer gesamten Gesellschaft. Beides ist großartig !

Karin Thäter

Es wird so kommen, wie sie es beschreiben.Der Druck für die 8000er Besteigungen wird enorm.Alles,aber auch Alles muß auf den Punkt funktionieren, was ich Spitzenbergsteigern zu traue.Leider gefällt mir die Tendenz bei Anbietern um die 6000er nicht. Die Zeit wird gekürzt und mit Hubschrauber ausgeflogen, wenn sich ein Lungen-,Hirnödem entwickelt. Das habe ich beobachtet.Statt 5-6 Wochen,werden 28 Tage angeboten. Da ist die Zeit definitiv zu kurz. Auch darüber sollte man diskutieren.Für diese Bergsteiger gib es kein Hypoxie-Zelt und normale Aklimatisation ist genau so wichtig.Denkt bitte an unsere nepalesischen Helfer dabei, es sind nicht immer Sherpas(Volkstamm), die die Höhe bedingt gewohnt sind.

buescre

Am besten sollte man eine Speedbesteigung des Everests mit einem Kurs "Wie entspanne ich mich am schnellsten?" buchen, gewissermaßen als Pauschalangebot. Das Video der Besteigung gibt's dann als Bonus-CD obendrauf. Buchen Sie jetzt!

Martin Spilka auf Facebook

Leute nicht den Spaß vergessen ;-)

Ramona Günther auf Facebook

Wenn ich in die Berge gehe will ich den Stress von der Arbeit ablegen u mir nicht neuen auferlegen. Aber so ist es nun mal in unserer Gesellschaft es muss immer schneller, höher u weiter gehen ein entspanntes Mittelmaß gibt es doch schon gar nicht mehr. Und so rennt eigentlich jeder nur noch durchs Leben - wie traurig.

Usermeinung im Abstimmungs-Tool

Ich finde es extrem gefährlich, da ein Profi i.d.R. ein ganzes Team um sich hat und i.d.R. auch von kleinauf trainiert und die nötige Erfahrung hat. Bei Hobby-sportlern rückt dann halt ständig die Bergwacht aus. Das bringt sinnlos freiwillige Helfer in Gefahr und verusacht hohe Kosten für Krankenversicherungen und Alpenverein. Zahlen tut es wie immer die Allgemeinheit über steigende Beiträge.

Daniel Müller

immer schneller, immer höher etc. ist ein Zeitzeichen; dagegen ist nichts einzuwenden, solange die eigene Gesundheit und die Gesundheit anderer nicht aufs Spiel gesetzt wird und solange Rücksicht und Anstand gegenüber anderen gewahrt wird

majosi

wenn man keine Zeit hat, der hat in den Bergen nichts verloren.

Schade für diese Entscheidung!
eine alte Bergsteigerin
margrit josi

Folkert Lenz

Ein jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden. Wer an den hohen Bergen schon mal wochenlang im Basecamp ausharren musste, der weiß auch, dass das nicht immer ein Zuckerschlecken ist. Von daher: Später hin, eher davon? Keine schlechte Idee! Wer die Zeit im Base-Camp braucht, um das Steigeisengehen zu lernen, hat da oben eh nix verloren!

Michael Baierl

Keine Fixseile, kein Sauerstoff...dann regelt sich das und es ist wieder eine Ausnahmeleistung für Alpinisten und die Touristen bleiben daheim. Wird sich aber nicht durchsetzen weil es einzig und allein um Geld geht welches die entsprechenen Länder dringend brauchen. Alles zu Lasten der Sherpas die mit dem Leben oder erfrorenen Gliedmaßen dafür bezahlen reiche auf die Gipfel zu ziehen. Traurig..

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