Naturschützer möchten keine Olympischen Winterspiele in den Alpen. Wir haben Sie gefragt.

Veranstaltungen wie die kürzlich beendete Ski-WM in St. Moritz locken die Massen in die Alpen, liefern tolle, weltweit gesehene (Werbe-)Bilder der ausrichtenden Bergregion und sorgen so für glänzende Augen bei Tourisikern und denjenigen, die ihr täglich Brot mit dem Fremdenverkehr verdienen.

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Gleichzeitig sind derlei Events oft Anlass für weitreichende Baumaßnahmen und tiefe Eingriffe in die Bergwelt. Was wiederum Umweltschutzorganisationen und um die Schönheit der Heimat besorgte Bürger auf den Plan rufen.

2022 werden die 24. Olympischen Winterspiele in Peking stattfinden. Lange war eine deutsche Kandidatur dafür im Raum gestanden, doch 2013 lehnte die Bevölkerung Münchens, Garmisch-Partenkirchen sowie der Landkreise Berchtesgaden und Traunstein eine mögliche Olympia-Bewerbung für die Spiele 2022 ab.

Mehrere Orte in den Alpen erwägen eine Bewerbung für die 25. Olympischen Winterspiele im Jahr 2026. Dazu zählt auch das Bundesland Tirol, das bis zum Sommer eine länderübergreifende Kandidatur mit Südtirol und Trentino prüft. Das gefällt der Internationalen Alpenschutzkommission CIPRA nicht.

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Die Internationale Alpenschutzorganisation CIPRA lehnt Olympische Winterspiele in den Alpen generell ab. Die Erfahrungen vergangener sportlicher Großevents in den Bergen hätten gezeigt, dass die Regionen angesichts der Umweltzerstörungen mittel- und langfristig verlieren würden. Barbara Wülser, stellvertretende CIPRA-Geschäftsführerin, sagte: "Fließen Geld und Engagement der Alpenregionen in das Strohfeuer Olympischer Winterspiele, steht es nicht für identitätsstiftende, zukunftsweisende Projekte zur Verfügung."

Und Christian Baumgartner, CIPRA -Vize-Präsident, bringt das Anliegen des Dachverbands von über 100 Organisationen in den Alpen auf den Punkt: "Erst wenn das IOC seine Regelwerke und Strukturen von Grund auf überarbeitet, demokratische Grundwerte in den Ausführungsländern garantiert und die Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung bei der Planung und Durchführung von Olympischen Winterspielen berücksichtigt, kann in den Alpen über eine Neu-Auflage diskutiert werden."

Franz Hörl: "Cipra soll sich bei Olympia 2026 bewegen und sich nicht selbst einbetonieren!"

Franz Hörl, Tiroler Tourismusobmann und Seilbahn-Sprecher, widersprich energisch:" "Cipra soll sich bei Olympia 2026 bewegen und sich nicht selbst einbetonieren! Wenn jetzt seitens der Cipra gegen Spiele in den Alpen mobil gemacht wird, ist dies aus Sicht der Menschen in den betroffenen Regionen schlicht abzulehnen. Die Erfahrungen, die wir in Österreich mit sportlichen Großereignissen machen konnten, sind durchwegs positiv. So waren diese Großereignisse oft Anlass, in Infrastruktur zu investieren oder wertvollen Wohnraum zu schaffen. Bei uns hatte die Gigantomanie der letzten Olympischen Spiele keinen Platz und für derartige Auswüchse geben wir uns auch in Zukunft nicht her."

Die Bürgerinnen und Bürger des Kantons Graubünden, zu dem auch St. Moritz, Austragungsort der alpinen Ski-WM gehört, scheinen eher den Argumenten der CIPRA zugeneigt. Sie entschieden sich am 12. Februar in einer Abstimmung mehrheitlich gegen eine Olympia-Bewerbung. 

Die Westschweizer Kantone Bern, Freiburg, Waadt und Wallis bemühen sich dagegen weiterhin gemeinsam um eine Kandidatur. Ohne Volksabstimmung.

Klicken Sie für eine größere Ansicht.

Ergebnis unserer Abstimmung

Ausgehend von oben stehender Nachricht, hatten wir unsere User gefragt, was Sie von Olympia in den Alpen halten. Über die Hälfte unserer Internetbesucher, die sich an der Befragng beteiligten, lehnt olympische Spiel in den Alpen rundweg ab. Etwa ein Viertel befürwortet Olympia in den Alpen und das verbleibende Viertel bezieht eine gemäßigte Position.

Auf dem Bild sehen Sie das exakte Ergebnis der Befragung "Was denken Sie zu Olympia in den Alpen?".

Zu dem Thema wurden auch zahlreiche Kommentare abgegeben. Alle Kommentare finden Sie ungekürzt unter dem Artikel.

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15 Kommentare

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Werner Ladstätter

Dort wo die Infrastruktur nur erneuert werden kann, ohne zusätzlich wertvolles Land oder gar Natur zusätzlich zu verbauen ist es ok und sinnvoll. Die Vorteile für die lokale Wirtschaft sind oft sehr kurzfristig und bedingen langfristig hohe Investitionen, um den Olympiaruf nutzen zu können. Kosten müssen auch langfristig von Land und Bund getragen werden, welche auch davon profitieren, sonst ist es sinnlos.

Tobias Huber

Wenn vorhandene Infrastrukturen verwendet werden, wäre das in Ordnung. Eigentlich ist ja alles da an Hallen und Pisten und es sollte reichen. Bauboom ist nicht erforderlich. In Vancouver würde es bewiesen. Die zivilisierte Gesellschaft bei uns möchte nachhaltige Spiele. Wenn das die Verantwortlichen nicht einsehen (wollen), dann wird es keine Spiele geben.

Meinung aus dem Umfrage-Tool

Olympia hat mit Sport schon lange nichts mehr zu tun. Es geht nur und ausschließlich ums Geld. Die Sportler sind nur Mittel zum Zweck: Kohle .

Uwe Römer

Das ist eine einmalige Chance, den Tourismus für ewige Zeit zu verbessern. Denn nur so kann man sich wirklich in vorderste Front bringen. Eine bessere PR gibt es nicht. Natürlich sollte man auch die Umwelt dabei beachten und nicht alles abholzen bzw. Erdmassen bewegen.

Meinung aus dem Umfrage-Tool

Das IOC ist der Totengräber der olympischen Idee.

Ilka Bauer

Solange auf Umweltinteressen geachtet wird und auch die Bürger der betroffenen Region eingebunden werden, sehe ich kaum Argumente gegen die Ausrichtung von Olympischen Winterspielen in den Alpen. Im Gegenteil, für die betreffende Region wäre es eine bedeutende und verbindende Veranstaltung, auch über Landesgrenzen hinweg und es motiviert zudem den Nachwuchs in verschiedenen Wintersportarten. Ich denke, die Abkehr vom Gigantismus ist bereits vollzogen, viele sehen das allerdings nicht oder sind skeptisch. Das liegt natürlich auch an schlechten Erfahrungen aus der Vergangenheit. Allerdings wird man nie jeden glücklich machen. Wie auch im Wettkampfsport gibt es bei Großprojekten immer "Verlierer". Meiner Meinung nach ist es jedoch wichtiger, mitzumachen und mitzugestalten statt einfach pauschal "nein" zu sagen.

Meinung aus dem Umfrage-Tool

Viele Sportstätten von Olympia verfallen gleich danach wieder und sind damit ein Schandfleck. Überhaupt wollen es nur diejenigen, die damit Geld verdienen, alle anderen sind Zaungäste die nicht außer dem Dreck haben...

Stefan Grass, Chur

Die vom IOC geforderte unbeschränkte Sicherheitsgarantie mit Terroranschlagsgefahr in Milliardenhöhe für den ausrichtenden Staat ist unzumutbar! Dies ohne Beteiligung des IOC mit Milliardeneinnahmen aus den TV-Rechten sowie Sponsoring und erst noch steuerbefreit!

Wolfgang Lutz auf Facebook

Bei uns in tirol wollen ein paar puplicitygeile, profilierungssüchtige lokalpolitiker auch wieder eine Olympiade.... Dabei ist das O-dorf, aus den 70igern, heute noch ein Ghetto... Von der umweltproblematik, usw will ich gar nicht sprechen

Sebastian

An Anton Gentile:
Da haben Sie sicherlich recht, allerdings gibt es natürlich auch genug Leute, die direkt in den Alpen wohnen und trotzdem gegen solche Mega-Events und Umweltzerstörung sind. Ich wohne zum Beispiel in den Chiemgauer Alpen und war gegen Olympia 2026. Und ich werde auch in Zukunft gegen solche Veranstaltungen sein!

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