Ohne Fixseile, ohne künstlichen Sauerstoff, ohne Hochträger in einem Zug auf den Gipfel und zurück.

Er ist der unbestrittene Super-Star der Trailrunningszene. Gleichzeitig ein Weltklasse-Skibergsteiger und Speed-Alpinist sowie ein guter Kletterer. Alles, was Kilian Jornet kann, wird er bei seinem nächsten Abenteuer brauchen. 

- Anzeige -

Im Rahmen seines "Summits-of-my-life"-Projektes, das beinhaltet, markante Berge dieser Erde in Rekordzeit zu besteigen, ist der Katalane am 07. August Richtung Himalaja aufgebrochn. Sein Ziel: der Mount Everest.

Zwischen sechs und acht Wochen Aufenthalt plant das Team ein, das neben Kilian Jornet Kameramann Sebastien Montaz, Bergführer Vivian Bruchez und den erfahrenen Bergsteiger Jordi Tosas umfasst, der unter anderem schon auf dem K2 gestanden ist.

Erfahrung im Hochgebirge, aber keine Erfahrung in der Todeszone: Kilian Jornet.

| © Loriaz
- Anzeige -

Der Plan hört sich extrem einfach an und ist doch unfassbar schwer: Ohne Fixseile, ohne Hochlager, ohne Hochträger, ohne künstlichen Sauerstoff in einem Rutsch hoch zum Gipfel und wieder hinunter.

"Time to pack my luggage for #SoMLEverest...can you help me with this?", fragt Kilian Jornet kurz vor Abflug auf seiner Facebook-Seite.

| © facebook.com/kilianjornet

Startpunkt ist dabei wie bei allen bisherigen Speed-Rekord-Versuchen Jornets der letzte bewohnte Punkt. In diesem Fall handelt es sich dabei um das Kloster Rongbu, das auf etwa 5.000 Meter liegt.

Von dort aus geht es "zum Warmwerden" über 20 Kilometer durch das Rongpu-Tal und über den Gletscher hinauf zum vorgeschobenen Basislager auf etwa 6.500 Metern. Dann soll es je nach Verhältnissen durch das Norton- oder Hornbein-Couloir zum höchsten Punkt auf 8.848 Metern gehen.

Eine Übersichtskarte des Zielgebiets.

| © summitsofmylife.com

Wie lange das dann dauert? Das vermag Kilian Jornet nicht zu prognostizieren. Selbst für ihn ist dieses Projekt Neuland. Über 8.000 Meter ist er noch nie geklettert. Noch nie gewesen.

Da bislang kein Speed-Versuch vom Rongbu-Kloster aus bekannt ist, kann man davon ausgehen, dass sich Jornet an der bisherigen Rekordzeit vom vorgeschobenen Basislager aus orientiert.

Hans Kammerlander hat hierfür im Mai 1996 16 Stunden und 40 Minuten gebraucht. Anschließend fuhr er mit Skiern wieder hinab. Nach 23 Stunden und 50 Minuten waren Aufstieg und Abfahrt beendet.

Kilian Jornet gibt sich, was sein Vorhaben betrifft, weil gut vorbereitet, verhalten optimistisch. Dennoch zeigt er auch den gebotenen Respekt. Auf der Webseite des Projekts wird er zitiert:

"Was auch immer passiert, wenn wir es nicht schaffen, ist es für mich kein Versagen. Im Gegenteil: Es wäre mir eine Lehre. Ich weiß, was immer auch passieren wird, wir werden vom Everest zurückkehren und etwas gelernt haben. Am Ende hat der Berg das Sagen und wir müssen demütig sein."

Ute Watzl hat für ALPIN Kilian Jornet interviewt. In dem vierseitigen Interview in unserer August-Ausgabe erzählt der Katalane über seine Ambitionen am Mount Everest, sein Verhältnis zu Ueli Steck, den Speed-Rekord am Mont Blanc, extreme Trail-Rennen und verrät, was für ihn Fair Play am Berg bedeutet.

ALPIN 08/2016 ist im Zeitschriftenhandel oder in unserem Web-Shop erhältlich.

- Anzeige -